Bug No. 1 fixen

Bei meinem Bewerbungsgespräch Ende 2004 drückte mir mein jetziger Kollege Oliver Frommel eine CD in die Hand: "Kennst Du schon Ubuntu?" Als Debian- und Suse-Linux-Nutzer hatte ich von dem merkwürdigen Betriebssystem gehört und schob das "Warzige Warzenschwein", so der noch merkwürdigere Codename, zu Hause ohne besondere Erwartungen in den CD-Schacht. Wow! Plötzlich liefen Anwendungen sofort, die ich stets umständlich konfigurieren musste. "Das muss man im Auge behalten.", lautete ein häufiger Kommentar.

Tatsächlich: Der Wow-Effekt hält bis heute an. Ubuntu erscheint jedes halbe Jahr in einer neuen Version und jedes halbe Jahr erleichtern neue Features dem Anwender das Leben ein wenig mehr. Ein Beispiel: Starten Sie heute einen Film im Videoplayer Totem, lädt der Paketmanager die zum Abspielen nötigen Codecs automatisch herunter. Klicken Sie im Systemmenü auf Hardware-Treiber, identifiziert Ubuntu Nvidia- und ATI-Grafikkarten und präsentiert den passenden Treiber. Stöpseln Sie eine Webcam, einen WLAN-Stick oder einen Bluetooth-Kopfhörer an den Rechner, lädt der Linux-Kernel automatisch den passenden Treiber. Fertig. Sie brauchen keine Installations-CDs mehr.

Ubuntu verliert dabei – im Gegensatz zu anderen Linux-Distributionen – den einfachen Anwender nie aus den Augen. Microsofts Marktvorherrschaft beschrieb der Ubuntu-Gründer Mark Shuttleworth einst als "Bug No. 1", den wichtigsten zu behebenden Fehler [1]. Der südafrikanische Milliardär, erster Afrikaner im Weltall (auf der ISS) und passionierter Debian-Entwickler, hob die Distribution 1994 aus der Taufe und konnte namhafte Open-Source-Programmierer für die Mitarbeit gewinnen. Eine unglaublich hilfsbereite und ständig wachsende Community unterstützt den Anwendern, Bug No. 1 durch einen immer komfortableren Desktop zu beseitigen – keine Frage, Ubuntu liegt im Trend (Abbildung 1).

Wenn aber alles so einfach ist – wozu noch ein Heft kaufen? Perfekt ist Ubuntu noch nicht: Bestimmte ältere Grafikkarten laufen nur mit Einschränkungen, die 3D-Beschleunigung versagt mitunter komplett. Im Heft erklärt der Knoppix-Erfinder Klaus Knopper, warum das so ist und wie Sie das Problem beheben. Skype, Google Earth, den Flashplayer und weitere Software müssen Sie zudem erst installieren. Wie das unter Ubuntu geht, erklären wir hier auch.

Mit dem Heft legen Sie das Fundament, um möglichst störungsfrei in der Ubuntu-Welt zu landen, ohne Tage in Foren und auf Hilfeseiten zu verbringen. Vermissen Sie ein Thema im Heft oder haben Sie Anmerkungen, schreiben eine E-Mail: redaktion@ubuntu-user.de. Und wer weiß: Möglicherweise sagen auch Sie bald: Ich habe Bug No. 1 gefixt.

Abbildung 1

Abbildung 1: Google Trends sieht Ubuntu kontinuierlich im Aufwind, vor allem im Vergleich zu anderen Distributionen.

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Kristian Kißling

Infos

  1. Bug No. 1 in Ubuntus Bugtracker: https://bugs.launchpad.net/ubuntu/+bug/1
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