Denken Sie beim Wort "Gnome" nur an zwergartige Fabelwesen, gehören Sie vermutlich zu den Linux-Neulingen. Routinierte Linuxer kennen unter diesem Namen – den viele auf Englisch aussprechen – die grafische Oberfläche, über die Benutzer ihr Ubuntu bedienen.
Kern und Hülle
Anders als bei den Betriebssystemen Windows von Microsoft und Apples Mac OS X gehören grafische Bedienoberflächen (kurz GUI) bei Linux nicht automatisch dazu. Vielmehr haben Linux-Nutzer die Wahl zwischen dutzenden von grafischen Bedienoberflächen. Neben Gnome [1], dem Standard unter Ubuntu, gelten unter anderem KDE [2] und Xfce [3] als besonders populär (siehe Kasten Grafische Oberflächen).
Das liegt daran, dass es sich bei Linux lediglich um den Kernel handelt, der unter anderem die Treiber für die Hardware liefert. Linux-Distributionen wie Ubuntu ergänzen dann den Kernel um Anwendungen mit und ohne GUIs. Im professionellen Serverumfeld eingesetzte Linux-Varianten (wie etwa Ubuntus Server-Variante) ergänzen den Kern gerade um genügend Anwendungen, um auf einer Kommandozeile die wichtigsten Aufgaben zu erledigen. Das passiert dann meist über das Netzwerk und ohne Unterstützung durch grafische Bedienoberflächen.
Grafische Oberflächen
GUIs, die den Anspruch erheben, einen vollständigen Arbeitsplatz anzubieten (mit eigenem Dateimanager, Mail-Programm usw.) fasst man unter der Bezeichnung Desktop-Umgebung zusammen. Ubuntu hat sich für Gnome entschieden (Abbildung 1). Wer jedoch KDE (K Desktop Environment) bevorzugt, findet mit Kubuntu [4] auch eine entsprechende KDE-Variante der Distribution. Für Rechner mit knappem Arbeitsspeicher eignet sich der Xfce-Desktop besonders gut: Wer ein damit ausgestattetes System möchte, verwendet Xubuntu [5].
Wollen Sie nach der Ubuntu-Installation alternative Desktops ausprobieren, rufen Sie den Paketmanager Synaptic auf und suchen dort nach dem Paket kubuntu-desktop für KDE oder xubuntu-desktop für Xfce und installieren diese. Der vorhandene Desktop bleibt davon unberührt, Sie brauchen lediglich freien Platz auf der Festplatte (etwa 500 MByte). Anschließend haben Sie die Wahl zwischen verschiedenen Umgebungen, indem Sie sich beim Gnome-Desktop abmelden und im Anmeldebildschirm Einstellungen | Sitzung wählen anklicken (Abbildung 2).
Gnome verfolgt den Ansatz, Sie nur mit den nötigen Einstellungsoptionen zu behelligen, so dass Sie das Wesentliche schnell finden. KDE-Entwickler betrachten die sparsamen Gnome-Dialoge hingegen als Bevormundung. Für KDEs zusätzliche Optionen bezahlen Sie dafür den Preis einer oft wenig überschaubaren Anzahl von Konfigurationsboxen. Die Gestaltung der Oberfläche obliegt sowohl unter KDE als auch unter Gnome vollständig dem Benutzer. Äußere Unterschiede lassen sich daher prinzipiell auf ein kaum wahrnehmbares Minimum reduzieren – allerdings zeigen sich die Desktops in der jeweiligen Voreinstellung doch deutlich verschieden, was vor allem an der Position der Panels liegt. Dank ihnen sehen viele Nutzer eine Verwandtschaft zwischen KDE und Microsoft Windows beziehungsweise zwischen Gnome und Apples Mac OS X ab.
Technisch unterscheiden sich die beiden Desktop-Umgebungen vor allem darin, dass sie sich auf unterschiedliche Grafikbibliotheken stützen. KDE baut auf Qt [6] und Gnome auf GTK [7]. Auf letzterem Werkzeug basiert auch Xfce, das jedoch eher einen ressourcensparenden Desktops entwickelt und deshalb aus diesem Vergleich herausfällt.
Trotz verschiedener technischer Grundlagen funktionieren KDE-Programme unter Gnome und umgekehrt. Bei der Installation einer KDE-Anwendung (etwa KMail) unter Gnome lädt das System die notwendigen Grafikbibliotheken mit herunter. Der Preis: Es zeigen sich teils deutliche Geschwindigkeitseinbußen beim Start einer Anwendung des jeweils anderen Desktops.
Den Ubuntu-Desktop starten Sie über den Anmeldebildschirm (Abbildung 2), indem Sie Ihren Benutzernamen und das dazugehörige Passwort eingeben. Über einen Klick auf Einstellungen wählen Sie zudem eine andere Sprache oder Desktop-Umgebung.
Arbeiten Sie üblicherweise alleine auf dem Rechner, können Sie die Anmeldung dauerhaft mit der Option Automatische Anmeldung überspringen. Diese aktivieren Sie entweder bereits während der Installation oder nach der Anmeldung am Desktop. Klicken Sie in der oberen Bildschirmleiste auf System | Systemverwaltung. Der Punkt Anmeldefenster bringt Sie zur Konfiguration des Login-Bildschirms (Abbildung 2). Im Reiter Sicherheit finden Sie die genannte Funktion; aus der Liste Benutzername wählen Sie Ihr Konto aus.
Menüs
Eine wesentliche Komponente des Desktops haben Sie nun bereits kennengelernt. Über die drei Menüs am linken oberen Bildrand starten Sie Programme (Anwendungen), navigieren durch das Dateisystem und das Netzwerk (Orte) und konfigurieren das Betriebssystem und den Desktop (System).
Das Anwendungen-Menü ist thematisch nach Programmtypen unterteilt. Barrierefreiheit enthält beispielsweise Software zur Unterstützung körperlich beeinträchtigter Nutzer, unter Internet finden Sie einen Web-Browser sowie Internet-Telefonie-, Mail- und Chat-Programme. Einen besonderen Status genießt der Eintrag Hinzufügen/Entfernen. Über ihn finden und installieren Sie zusätzliche Programme und entfernen bereits vorhandene auf einfache Weise, indem Sie das Kästchen neben einem Eintrag abhaken oder leeren (Abbildung 4).
Im Menü Orte greifen Sie über die oberen Einträge auf Verzeichnisse innerhalb Ihres Home-Verzeichnisses zu, also dem Ordner, der Ihre Dateien enthält (Persönlicher Ordner oder /home/username, wobei username für Ihren Anmeldenamen steht). Mit Desktop öffnen Sie das zur Arbeitsoberfläche gehörige Verzeichnis, in dem die Desktop-Dateien liegen. Alle Ihre persönlichen Dateien und Verzeichnisse befinden sich unterhalb des persönlichen Ordners. Wählen Sie im Datei-Browser Lesezeichen | Lesezeichen hinzufügen, greifen Sie über das Menü Orte direkt auf die verlinkten Ordner zu.
Möchten Sie Dateien außerhalb des Home-Verzeichnisses unter die Lupe nehmen, greifen Sie über Computer sowohl auf die Festplatte als auch auf externe Medien wie CDs und USB-Sticks. Letztere öffnet der Desktop nach dem Einstecken automatisch in einem neuen Fenster.
Der Eintrag Netzwerk bringt Sie ins lokale Netz und zeigt andere Rechner innerhalb Ihres Firmen- oder Heimnetzwerks sowie deren freigegebene Verzeichnisse. Auch auf Dienste von Internet-Rechnern greifen Sie direkt über den Desktop zu, wenn auch über einen kleinen Umweg. Wenn Sie Verbindung zu Server wählen, erscheint ein Fenster, das die gängigen Transferprotokolle kennt (Abbildung 5). Um über das Internet auf einen SSH-Server zuzugreifen, wählen Sie als Dienste-Typ den Eintrag SSH, geben neben Server dessen Namen an sowie Ihren Benutzernamen und vielleicht noch einen Ordner, in dem Sie nach dem Anmelden landen wollen. Ein Klick auf Verbinden stellt den Kontakt zum Server her und Sie schieben die Dateien dann wie im lokalen Dateisystem hin- und her. Um eine Verbindung regelmäßig zu nutzen, haken Sie Lesezeichen hinzufügen ab und geben auch dort einen Namen ein. Über diesen stellen Sie die Verbindung später einfach per Mausklick her.
