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Pauschalurlaub statt Dschungeltour

Die Installation von Ubuntu 9.04

Die Installation bildet für Linux-Neulinge die Eingangspforte in eine neue Welt. Auch deswegen haben die Ubuntu-Entwickler hier besonders viel Mühe investiert. In weniger als einer Stunde setzen Sie mit der Heft-DVD ein voll funktionstüchtiges Betriebssystem auf.

Beim Wechsel zu Linux fürchten viele Einsteiger immer noch eine abenteuerliche Expedition entlang unbekannter Pfade. Doch die sind längst auch für unkundige Reisende ausreichend breitgetreten; die Installation von Ubuntu Linux entspricht heute eher dem Pauschalurlaub mit Vollverpflegung als dem Rucksack-Trip durch unerforschten Dschungel.

Schon vor der Reise machen Sie sich unverbindlich mit dem System vertraut und finden heraus, ob Ihre Hardware problemlos funktioniert. Deutliche Wegweiser sorgen dafür, dass Sie sich nicht verirren. Ist Ihnen das zu langweilig, können Sie jederzeit die zahllosen Einstellungsmöglichkeiten und Zusatzpakete auf eigene Faust erkunden.

Blick ins Prospekt

Die Ubuntu-Installations-DVD enthält ein System, das vollständig vom externen Datenträger läuft, ohne die Festplatte und eventuell vorhandene Betriebssysteme anzutasten. Mit dieser so genannten Live-DVD machen Sie sich ein vollständiges Bild von Ihrem neuen Arbeitsplatz. Erst wenn Sie sich explizit dafür entscheiden, wird die Installationsroutine gestartet.

Legen Sie die Ubuntu-DVD also sorglos ins Laufwerk: Sie enthält auf der Vorderseite ein System für 32-Bit-Prozessoren, auf der Rückseite eines für 64-Bit-CPUs. Ersteres funktioniert in jedem Fall, nutzt jedoch nicht die Geschwindigkeitsvorteile moderner 64-Bit-Prozessoren nicht aus. Damit Ihr Rechner von der DVD bootet, stellen Sie ihn so ein, dass er das DVD-Laufwerk vor der Festplatte auf boot-fähige Medien prüft (siehe Kasten Boot-Reihenfolge).

Boot-Reihenfolge

Nach dem Einschalten entscheidet das BIOS (Basic Input Output System) Ihres Rechner, von welchem Laufwerk das Betriebssystem geladen, also gebootet, wird. Probieren Sie zunächst, ob das System nicht schon ohne jede Konfigurationsänderung von der DVD bootet.

Ist dies nicht der Fall, achten Sie beim Systemstart auf einen – meist englischsprachigen – Hinweis, wie Sie die Boot-Reihenfolge ändern. Suchen Sie nach Sätzen wie Press X for boot manager, wobei statt X eine Taste erscheint (häufig ist das [F8]).

Nicht jedes BIOS verfügt über einen Boot-Manager. In diesem Fall legen Sie die Reihenfolge statisch in der BIOS-Konfiguration fest. Dazu rufen Sie das BIOS-Menü auf, indem Sie nach dem Einschalten des Rechners beispielsweise [F2] oder [Entf] drücken. Auch hier hängt die richtige Taste vom jeweiligen BIOS-System ab; sie wird beim Hochfahren angezeigt und steht im Handbuch des eingebauten Mainboards.

Im BIOS-Menü suchen Sie nach einem Punkt, der mit Boot beschriftet ist. Auch hierzu beschreibt das Mainboard-Handbuch die Details; stellen Sie die entsprechende Option so ein, dass das DVD-Laufwerk Priorität vor der Festplatte genießt.

Wenn der Computer wie gewünscht die Ubuntu-DVD startet, landen Sie zunächst im Boot-Menü aus Abb. 1, wo Sie zuerst die gewünschte Sprache wählen.

Abbildung 1

Abbildung 1: Nach dem Start der Installations-DVD stehen Ihnen zahlreiche Optionen zur Verfügung. Machen Sie sich mit dem System vertraut, bevor Sie es auf die Festplatte spielen.

Vergessen Sie einmal unabsichtlich die Ubuntu-DVD im Laufwerk, rufen Sie mit Von der ersten Festplatte starten wie gewohnt das auf der Festplatte installierte Betriebssystem auf. Navigieren Sie mit den Pfeiltasten nach oben und unten durch das Menü und wählen Sie mit der Eingabe-Taste die gewünschte Option. Die beiden Punkten Check disc for defects und Arbeitsspeicher testen führen Fehlertests aus: Ersterer überprüft die eingelegte DVD auf Hardware-Schäden, letzterer den eingebauten Arbeitsspeicher.

Wählen Sie Ubuntu installieren, wenn Sie sicher sind, dass Sie das neue Betriebssystem auf die Festplatte spielen möchten und dass es mit Ihrer Hardware reibungslos funktioniert. Der oberste Punkt, Ubuntu ausprobieren fährt das Live-System von der DVD hoch. Schlägt der Schritt fehl, probieren Sie entweder die Methoden aus dem Kasten Boot-Optionen aus oder überprüfen Sie die DVD – wie eben geschildert – auf Defekte (Check disc for defects).

Boot-Optionen

Falls Ihr System mit den Vorgaben nicht reibungslos funktioniert oder – im schlimmsten Fall – gar nicht hochfährt, helfen möglicherweise die so genannten Boot-Parameter, die Sie vor dem Booten per Hand übergeben. Im Boot-Menü drücken Sie [F1] für eine – allerdings englischsprachige – Übersicht. Über [F2] und [F3] wählen Sie eine andere Sprache beziehungsweise Tastaturbelegung aus. [F4] gibt Ihnen die Möglichkeit, den abgesicherten Grafikmodus zu verwenden; damit umgehen Sie vielfach Probleme auf Grund fehlender Grafikkartentreiber.

Drücken Sie [F5], um die Bildschirmanzeige an den Bedarf von Menschen mit Sehschwächen und anderen Einschränkungen anzupassen. Mit [F6] wählen Sie Optionen, die vor allem für fehlerhafte Mainboards gelten. Wenn Sie mit acpi=off die Nutzung des Advanced Configuration and Power Management Interface (ACPI) ausschalten, funktionieren die meisten Energiesparfunktionen nicht mehr: Allerdings überreden Sie damit in vielen Fällen mangelhafte Hardware zur Kooperation mit Linux.

Die Parameter noapic und nolapic benötigen Sie ebenfalls nur für fehlerhafte Mainboards. Schalten Sie diese Optionen ab, um – vereinfacht gesagt – die Adressierung von Hardware in die Hände des Betriebssystems statt in die des Mainboards zu geben. Es existiert keine Faustregel, welche der Optionen Probleme beim Hochfahren löst, aber es lohnt sich, acpi=off, noapic und nolapic nacheinander auszuprobieren.

Vor der Reise

Mit dem Live-Desktop sehen Sie, wie Ihr Ubuntu-Desktop aussieht, auch wenn er später auf der Festplatte residiert – mit der Ausnahme, dass manche Dialoge auf Englisch statt auf Deutsch erscheinen. Dieses Problem tritt nach der Installation nicht mehr auf. Probieren Sie im Live-System beispielsweise aus, ob Ihre Netzwerkverbindung funktioniert. Der Ordner Examples (Abbildung 2) stellt einige Testdateien zur Verfügung, mit denen Sie sich einen Eindruck von den mitgelieferten Multimedia- und Büroanwendungen verschaffen können.

Abbildung 2

Abbildung 2: Ubuntus Live-System im Test: Unter "Examples" finden Sie Büro- und Multimediadateien, mit "Installieren" spielen Sie das freie Betriebssystems auf die Festplatte.

Sie können den Live-Desktop unbegrenzt anpassen und mit den vorinstallierten Anwendungen arbeiten. Auf Wunsch richten Sie, wie bei einem installierten System, auch weitere Applikationen ein. Bedenken Sie dabei, dass alle Änderungen verloren gehen, wenn Sie das Live-System herunterfahren, weil sie lediglich im flüchtigen Arbeitsspeicher landen. Bearbeitete Dateien legen Sie auf Wunsch jedoch auf einem USB-Speicherstick ab, um sie dauerhaft zu behalten.

Haben Sie sich für die Installation entschieden, genügt ein Klick auf Installieren auf dem Desktop (Abbildung 2). Es öffnet sich ein Programm, das einige Daten von Ihnen erfragt, bevor es Ubuntu auf die Festplatte bringt.

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