Unter Druck

Drucken, CUPS und Co.

Bevor Sie unter Ubuntu Ihren Drucker einrichten, hilft es, ein paar Dinge über das Druckertreiber-System und seine Wurzeln zu wissen.

Der Artikel erklärt zunächst, wie Sie Drucker in Ubuntu 9.04 zur Mitarbeit bewegen und zeigt dann, wie das Drucksystem generell funktioniert. Der zweite Teil hilft Ihnen vor allem dann, wenn es mit der Konfiguration des Druckers nicht so klappt wie gewünscht. Nutzen Sie einen neueren Drucker, schließen Sie diesen gewöhnlich an und er läuft. Zuvor rufen Sie den Menüpunkt System | Systemverwaltung | Drucken auf, der die dem System bekannten Drucker verwaltet. Dann schließen Sie Ihren Drucker an und schauen, ob Ubuntu ihn erkennt und ob er in der Liste erscheint. Hängen Sie mit Ihrem Rechner in einem Netzwerk und versuchen die Drucker im Büro zu identifizieren, klicken Sie auf den Button Neu und CUPS durchforstet die lokalen Anschlüsse, aber auch das Heim- oder Firmennetz nach brauchbaren Druckern. Diese müssen Sie zuvor einschalten.

Eine Übersicht erscheint (Abbildung 1), die in der Regel Ihren Drucker auflisten sollte. Über die unteren fünf Links können Sie Ihre Suche vertiefen – je nachdem, ob Sie nach einem HP-Drucker suchen, den das HPLIP-Projekt mit Treibern unterstützt, einem IPP-Drucker, der das Internet Printing Protcol verwendet oder einen LPD/LPR-Server (Line Printer Daemon/Line Printer Remote), der TCP/IP zur Datenübertragung verwendet. Auf der rechten Seite können Sie auch eine IP-Adressen des Rechner angeben, an dem der gesuchte Drucker hängt. Nutzen Sie nämlich ein Netzwerk, das feste IP-Adressen verwendet, kann es passieren, dass CUPS Ihren Drucker nicht findet.

Abbildung 1

Abbildung 1: Der Drucker-Dialog von Ubuntu findet in der Regel automatisch Drucker, die im Netzwerk ihre Dienste anbieten oder direkt am Rechner hängen.

Hängt Ihr Drucker an einem Windows-Rechner im Netzwerk, müssen Sie zusätzlich Samba installieren und einrichten, damit sich Linux und Windows den Drucker teilen, einen Samba-Artikel finden Sie in dieser Ausgabe. Läuft der Samba-Server schon auf dem Windows-Rechner, genügt es meist, im eben erwähnten Drucker-Fenster auf Windows Printer via SAMBA zu klicken und dann rechts oben auf Durchsuchen. Es erscheint eine Liste der verfügbaren Samba-Drucker (Abbildung 2)

Abbildung 2

Abbildung 2: Ein Klick im Konfigurationsmenü des Druckers genügt, um Drucker zu finden, die Samba im Netzwerk anbietet.

Erscheint Ihr Drucker nicht auf der Liste, dürften Sie die folgenden Absätze interessieren. Zuvor sollten Sie aber die Druckerdatenbank der Linux-Foundation [2] nach Ihrem Druckermodell durchsuchen. Die ziemlich gut geführte Online-Datenbank hilft Ihnen bei der Auswahl des richtigen Treibers: Dort steht, ob und wie gut Linux Ihren Drucker unterstützt. Bevor Sie jedoch in ein Installationsabenteuer stürzen, sollten Sie ein paar Hintergründe zum Drucksystem von Linux in Erfahrung bringen.

Graue Theorie

Wer unter Linux mit Druckern in Berührung kommt, stolpert häufig erst einmal über den Begriff PostScript. Was hat es damit auf sich? Einige Drucker verstehen PostScript nativ, andere nicht. Das ist wichtig, um das Drucksystem unter Linux zu begreifen. PostScript ist eine Seitenbeschreibungssprache für Drucker, die einst Adobe erfand, um alle Drucker über einen einheitlichen Befehlssatz anzusprechen. PostScript liegt mittlerweile in Version 3 vor, die in weiten Teilen zu den Versionen 1 und 2 kompatibel ist. Bei PostScript-Druckern handelt es sich überwiegend um Laserdrucker, die meist einer höheren Preisklasse angehören. Besitzen Sie so ein Gerät, läuft es garantiert unter Linux.

Bevor PostScript aufkam, brauchte jeder Drucker einen eigenen Treiber: Als Entwickler einer Grafikanwendung mussten Sie zum Beispiel 20 Druckertreiber programmieren, damit die Software 20 Druckermodelle unterstützte.

PostScript löste dieses Problem (Abbildung 2): Nach der Einführung mussten die Anwendungsentwickler lediglich dafür sorgen, dass ihre Anwendung die zu druckenden Dokumente in ein korrektes und lesbares PostScript-Format umwandelte. Die Druckerhersteller brachten ihren Geräten im Gegenzug bei, PostScript zu verstehen. Mit der Print Control Language (PCL) von Hewlett-Packard, Graphical Device Interface (GDI) von Microsoft und Epsons ESC/P entwickelten andere Hersteller mehr oder weniger erfolgreiche Alternativen zu PostScript.

Abbildung 3

Abbildung 3: Bei PostScript handelt es sich um eine auch für Menschen lesbare Seitenbeschreibungssprache für Drucker.

Vor dem Ausdrucken verwandeln die Drucker die angelieferten PostScript-Dateien in Rastergrafiken – dieses Verfahren heißt Raster Image Process (RIP). Hier steckt auch der große Unterschied: PostScript-Drucker wandeln aus eigener Kraft PostScript-Dateien in Rastergrafiken um. Dazu haben die günstigen Modelle einen entsprechenden Chip an Bord, die teuren bringen gleich ein eingebettetes Betriebssystem mit, das die Umwandlung über Software erledigt.

Drucken ohne PostScript

Beherrscht der heimische Drucker indes kein PostScript, landen die von den Anwendungen generierten PostScript-Dateien zunächst bei einem Konvertierungsprogramm. Das erstellt daraus ein Rastergrafikdokument, das die angeschlossenen Drucker verstehen. Unter Linux erledigt das GhostScript. Die Anwendung bringt dafür die so genannten Filter mit, die meist in einem aufwändigen Reverse-Engineering-Prozess ohne Kooperation der Druckerhersteller entstanden sind. Durch diesen recht aufwändigen Prozess der Analyse der Softwarestruktur lässt sich Software nachinstallieren, wenn Quellcode und Dokumentation fehlen. Die Ergebnisse sehen nicht immer gut aus, aber einzelne Filter, wie die des Gutenprint-Projekts [1], übertreffen ihre Microsoft-Pendants mitunter sogar qualitativ.

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