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© Iakov Kalinin,123RF

Die Wolke

Dateien mit Ubuntu One synchronisieren

Mit dem Synchronisationsdienst Ubuntu One betritt Canonical erstmals die Cloud auf dem Desktop. Der Service ist zwar an einigen Stellen noch etwas unausgereift, bietet aber schon jetzt sehr praktische Features.

Ein zweiter Computer ist heute für viele Leute kein Luxus mehr. Doch wer seine Dokumente, Fotos und Musikstücke auf den verschiedenen Rechner synchron halten möchte, sieht sich allzu oft einer echten Herausforderung gegenübergestellt. Kein Wunder also, dass Dateisynchronisationstools wie Dropbox oder SpiderOak sich großer Beliebtheit erfreuen. Mit Ubuntu One [1] hat nun auch Canonical einen festen Platz im Cloud-Himmel.

Dropbox nicht unähnlich erledigt Ubuntu One seine Arbeit im Hintergrund und hält dabei Dateien auf verschiedenen Rechnern synchron. Eine weitere Gemeinsamkeit mit Dropbox besteht darin, dass es sich bei Ubuntu One um einen Cloud-basierten Dienst handelt, die Daten liegen also eigentlich auf einem zentralen Server (beziehungsweise auf einer Server-Farm von Canonical) und werden über die Clients auf die einzelnen Rechner übertragen. Ändern Sie auf einem Rechner eine Datei, dann stellt der Ubuntu-One-Client sicher, dass die Änderungen auch auf alle weiteren Rechner übertragen werden, die mit Ihrem Ubuntu-One-Account verknüpft sind. im Notfall können Sie Ihre Dateien auch über ein einfaches Web-Interface erreichen, also ohne das speziell auf Ubuntu zugeschnittene Client-Programm.

Ubuntu One befindet sich noch in aktiver Entwicklung und viele der geplanten Features müssen erst noch implementiert werden. Die Kernfunktionalität ist aber bereits für den täglichen Gebrauch geeignet, sodass Sie unter Ubuntu 9.10 (und auch auf 9.04) Ubuntu One problemlos ausprobieren können. Zur Installation lesen Sie den Kasten "Bereit für die Wolke".

Bereit für die Wolke

Das Setup hängt von der benutzten Ubuntu-Version ab. Nutzen Sie bereits Karmic Koala sind Sie aus dem Schneider: hier ist das Synchronisationstool bereits vorinstalliert, und Sie müssen nur noch einen Account anlegen. Dazu klicken Sie auf der Ubuntu-One-Homepage rechts oben auf Subscribe. Der Ubuntu-One-Account ist technisch identisch mit einem Launchpad-Account [2]. Verfügen Sie also bereits über Zugangsdaten zu Launchpad, können Sie auch diesen Schritt überspringen. Nutzer von Ubuntu 9.04 öffnen danach die Installationsseite [3], klicken auf Add PPA (Ubuntu 9.04) und installieren das Paket ubuntuone-jaunty-ppa.deb über den Installer Gdebi oder auf der Kommandozeile. Danach müssen Sie über den Befehl sudo apt-get update die Liste der verfügbaren Pakete auffrischen und installieren anschließend den eigentlichen Client über sudo apt-get install ubuntuone-client-gnome (alternativ lassen sich diese zwei Schritte auch über Synaptic oder einen anderen grafischen Paketmanager vornehmen). Jetzt finden Sie das Programm unter Anwendungen | Internet | Ubuntu One.

Schnellstart

Nach der Installation finden Sie Ubuntu One im Menü Anwendungen | Internet. Beim ersten Start öffnet der Client die Registrierungsseite. Hier müssen Sie Ihren Rechner über einen Klick auf Add This Computer mit Ihrem Ubuntu-One-Account verknüpfen (Abbildung 1). Nach diesem einfachen Schritt ist der Dienst einsatzbereit. Ähnlich wie Dropbox nutzt auch der Ubuntu-One-Client ein eigenes Verzeichnis für die Dateien zur Synchronisation. Es heißt Ubuntu One und befindet sich direkt im Home-Verzeichnis. Sie erkennen es am grünen Haken, der am Ordnersymbol angebracht ist. Dateien, die Sie hier ablegen, werden automatisch auf den Ubuntu-One-Server kopiert und auf die weiteren Clients repliziert. Das eigentliche Client-Programm verhält sich dabei still im Systemabschnitt des Gnome-Panels. Sie erkennen es am Wolkensymbol. Per Rechtsklick und den Eintrag Einstellungen legen Sie fest, wie und wann sich das Programm mit den Canonical-Servern verbinden soll: Automatisch (Grundeinstellung), Nie oder Wie zuletzt. Zudem bietet das Tool eine Bandbreitenbeschränkung, um bei der Synchronisation von sehr großen Dateien nicht den kompletten Netzwerkverkehr lahm zu legen. Besteht keine Verbindung zum Server oder haben Sie den Client explizit ausgeschaltet, erscheint in der Wolke ein Aufrufezeichen. Zur manuellen Synchronisation öffnen Sie in Nautilus den Ordner Ubuntu One und klicken auf Verbinden.

Abbildung 1

Abbildung 1: Verknüpfen Sie den aktuellen Rechner mit dem Ubuntu-One-Dienst. Achten Sie auf einen individuellen Rechnernamen.

Obwohl Ubuntu One seine Hauptaufgabe – Verzeichnisse und Dateien auf mehreren Rechnern synchron zu halten – sehr ordentlich erledigt, fehlt ihm zurzeit noch ein Feature, das Dropbox bislang zum Werzeug der ersten Wahl für Linuxnutzer machte: Versionskontrolle. Dropbox speichert bei jeder Änderung an einer Datei diese als Kopie. Somit können Sie jederzeit zu einer früheren Version zurückkehren. Zudem lassen sich die früheren Versionen auch über das Webinterface erreichen, wenn Sie einmal an einem Rechner ohne Dropbox-Client sitzen. Zudem verfügt die Software über einen Mülleimer: gelöschte Dateien landen zunächst dort und werden erst dann gelöscht, wenn Sie dies explizit möchten.

Teilen

Ubuntu One lässt diese cleveren Funktionen – bis jetzt – vermissen. Ubuntu One bringt aber immerhin eine Sharing-Funktion mit. Damit geben Sie einzelne Verzeichnisse für andere Nutzer frei. Die Funktion ist allerding nur über das Webfrontend erreichbar. Zunächst müssen Sie dazu das gewünschte Element markieren, dann klicken Sie auf Sharing. Es erscheint ein neues Fenster, hier müssen Sie die benötigten Felder ausfüllen. Per Klick auf Share this folder verschickt der Ubuntu-One-Dienst eine Einladung an die angegebenen E-Mail-Adresse. Sobald dieser die Einladung akzeptiert, erscheint der Ordner auf Ihrem Rechner unter Ubuntu One/Shared With Me. Das Webinterface lässt sich auch dazu nutzen, Dateien hochzuladen. Sind Sie also zum Beispiel bei Freunden oder in einem Internet-Café unterwegs, können Sie so Dateien quasi direkt auf Ihren Ubuntu-Rechner zu Hause übertragen, da der Service die Daten beim Start von Ubuntu automatisch aktualisiert.

Neben diesen Grundfunktionen bringt der neue Ubuntu-One-Client von Ubuntu hingegen zwei interessante Features mit, welche Dropbox nicht unterstützt: Kontakte und Notizen. Wie der Name der zwei Reiter bereits andeutet, lassen sich damit persönliche Kontakte und die Notizen von Tomboy synchron halten. Die Kontakte erscheinen im Adressbuch von Evolution unter dem Eintrag CouchDB und lassen sich somit lokal nutzen (Abbildung 2). Bei Tomboy müssen Sie über die Einstellungen auf dem Reiter Abgleichen den Dienst Tomboy Web auswählen (Abbildung 3). Per Rechtsklick auf das Tomboy-Symbol lassen sich die Notizen dann manuell abgleichen. Zurzeit befindet sich Ubuntu One noch in der Beta-Phase, rechnen Sie somit mit dem schlimmsten. In der Regel funktioniert der Dienst jedoch verlässlich und Canonical bringt regelmäßig Updates für den Ubuntu-One-Dienst und das Client-Programm.

Abbildung 2

Abbildung 2: Sämtliche Kontakte, die Sie online oder in Evolution innerhalb der CouchDB anlegen, synchronisiert Ubuntu One automatisch.

Abbildung 3

Abbildung 3: Damit auch die Notizen abgeglichen werden, müssen Sie Tomboy zunächst einrichten.

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