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© David Sandonato, 123RF

Hitparade

Komfortable Musikbox

Der Mediaplayer Banshee braucht sich vor Rhythmbox und der Konkurrenz aus dem KDE-Lager nicht länger zu verstecken. Dieser Artikel stellt Ihnen die Mono-Jukebox vor.

"Die Stimme der Banshee ist ein Klagen oder Kreischen und kann laut manchen Interpretationen jeden, der sie hört, augenblicklich töten", weiß Wikipedia zur Todesfee aus dem irischen Volksglauben zu berichten. Die freie Multimediasoftware gleichen Namens geht zum Glück weniger rabiat mit dem Zuhörer um. Der in Mono programmierte Player feierte 2008 den Durchbruch und schmückt sich inzwischen mit einer stattlichen Zahl an Features. Wir haben Banshee [1], der stark mit dem Gnome-Projekt kooperiert, unter die Haube geschaut, um zu sehen, was geht und wo es noch schief klingt.

Banshee gehört nicht zur Standardinstallation von Ubuntu 9.10. Nach einigen Diskussionen im Team haben sich die Ubuntu-Entwickler doch für Rhythmbox entschieden. Der Player befindet sich jedoch in den Paketquellen, sodass Sie die Installation bequem über das Software-Center oder per sudo apt-get install banshee vornehmen können. Aktuell befindet sich das Musikprogramm bei Version 1.5.1 von Mitte Oktober 2009. Sie finden das Programm nach der Installation im Menü Anwendungen

Auftakt

Banshee teilt sein Interface in mehrere Bereiche, die alle mit verschiedenen Informationen zu Titeln und Interpreten aufwarten. Der Info-Dschungel überfordert Asketen sicherlich, dürfte aber den Wünschen des durchschnittlichen Musikhörers entsprechen. Die Seitenleiste ganz links bildet quasi das Hauptmenü der Software. Dort reihen sich die Einträge zur Musik- und Videobibliothek, zur Warteschlange sowie zu Podcasts, Internet-Radiosendern und Last.fm aneinander, um nur einige zu nennen (Abbildung 1). Klicken Sie auf Musik, öffnen sich auf der rechten Seite der GUI zwei Spalten. Im größeren Bereich tummeln sich die Titel der lokalen Musikbibliothek, die Spalten in der Mitte listen Alle Künstler und Alle Alben auf.

Abbildung 1

Abbildung 1: Die zahlreichen Bereiche von Banshee enthalten neben den Songs selbst zugehörigen Informationen, die der Multimediaplayer aus dem Web holt.

Spielen Sie einen Song aus der Musikbibliothek ab (sie wählen ihn aus und klicken oben links auf das Play-Symbol), erscheinen unterhalb der Bibliothek noch weitere Spalten, die sich dem gerade gespielten Titel widmen. Sie geben Empfehlungen für ähnlich klingende Interpreten ab (Empfohlene Interpreten) und listen die beliebtesten Alben und Tracks des gespielten Künstlers auf. Ein Klick auf diese Einträge bringt Sie übrigens zu Last.fm. Details zum Community-Musikdienst finden Sie im Kasten "Am Puls der Musik".

Um in einer großen Playlist den richtigen Titel zu finden, geben Sie ein passendes Stichwort in die Suchleiste über der Musikbibliothek ein. Der Filter wirkt sofort und zeigt nur die Einträge an, die dem Suchbegriff entsprechen.

Am Puls der Musik

Last.fm dürfte mittlerweile vielen Menschen ein Begriff sein: Der Dienst bietet Internet-Radiosender an, die selbständig die Vorlieben der Hörer herausfinden und ein entsprechendes Programm abspulen. Wer zum Beispiel Elvis Presley als Lieblingssänger angibt, für den spielt Last.fm unter anderem Titel von Chuck Berry und Jerry Lee Lewis. Um den Service zu nutzen, müssen Sie sich zunächst kostenfrei bei Last.fm anmelden. Last.fm entstand unter anderem aus dem Open-Source-Projekt Audioscrobbler, das Logo stellt deshalb bis heute die zwei Buchstaben "a" und "s" dar.

In Banshee gelangen Sie über Werkzeuge | Last.fm | Konfigurieren zum Anmeldeformular, wo Sie entweder Ihre vorhandenen Last.fm-Benutzerdaten eingeben oder auf den Link klicken, um sich bei Last.fm zu registrieren. Im nächsten Schritt wechseln Sie zum Eintrag Last.fm in der linken Seitenleiste. Nutzen Sie den Dienst bereits länger, können Sie hier ähnliche Bands und Songs auswählen. In unseren Tests mit Ubuntu 9.10 hat der Last.fm-Support von Banshee allerdings nicht wie erwartet funktioniert, die kommenden Infos sind deshalb nur bedingt gültig.

Als Neuling suchen Sie sich erst einmal auf eigene Faust passende Musik: Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf Last.fm, wählen Sie Station hinzufügen und dann Ähnliches aus dem Dropdown-Menü Stationsart. In die Zeile Für Benutzer kommt dann der Name des Künstlers, auf dessen Musik Sie gerade Lust haben. Last.fm erstellt basierend auf Ihrem Eintrag eine Playlist. Finden Sie die Musik unerträglich und wollen Sie diese am besten nie, nie wieder hören, klicken Sie oben rechts auf Titel bannen. Ein Klick auf Titel favorisieren bewirkt das Gegenteil – Last.fm spielt den Song dann des öfteren.

Klangbibliothek

Wie aber machen Sie Banshee mit der eigenen Musikkollektion bekannt? Das hängt zunächst davon ab, wo Sie die Songs lagern – wahrscheinlich auf der lokalen Festplatte. Über den Eintrag Medien | Medien importieren machen Sie Banshee mit Ihren musikalischen Schätzen vertraut, die nicht im Ordner Musik liegen (Abbildung 2). Wählen Sie Lokale Ordner beziehungsweise Lokale Dateien, um Verzeichnisse und einzelne Dateien zu importieren. Der Punkt Videos aus dem Foto-Ordner liest Videos ein, die Sie mit Ihren Urlaubsbildern zusammen von der digitalen Kamera im Verzeichnis Bilder gespeichert haben. Speichern Sie Ihre Songs schon von Haus aus im Verzeichnis Musik, dann liest Banshee die Titel über den Menüpunkt Werkzeuge | Musikbibliothek neu einlesen ohne weitere Einstellungen ein.

Abbildung 2

Abbildung 2: Songs und Videos, die nicht unterhalb des Verzeichnisses

Haben Sie Ihre Musiksammlung bisher Rhythmbox anvertraut, finden Sie im Medienimport zudem einen Eintrag, um die Songs des Standard-Audioplayers in Banshee zu übernehmen.

Banshee kommt mittlerweile auch recht gut mit umfangreichen Musiksammlungen zurecht, was ursprünglich noch Probleme bereitete. Zudem synchronisiert er erfolgreich Songs mit Apples iPod, aber auch mit T-Mobiles G1-Handy, das auf Googles Android-Betriebssystem setzt. Banshee erkennt die Geräte und mountet sie automatisch. Sie gleichen die eigene Musiksammlung manuell per Knopfdruck ab oder lassen den Prozess automatisieren. Vorsicht: Im zweiten Fall überschreibt Banshee eventuelle die Musikbibliothek des G1 mit den eigenen Songs und löscht alle auf dem Handy vorhandenen Titel.

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