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Begrenzte Freiheit

Multimedia-Komponenten und proprietäre Programme

Obwohl Ubuntu für praktisch jede Aufgabe das passende Programm mitbringt, gibt es doch einige Komponenten, die Sie zusätzlich aus dem Internet herunterladen müssen. Dazu gehören einige Codecs für Audio- und Videodateien sowie proprietäre Programme.

Fehlt eine Software in der sehr umfangreichen Programmauswahl von Ubuntu, dann handelt es sich dabei in der Regel um ein lizenz- oder patentrechtliches Problem. In die erste Kategorie fallen beliebte proprietäre Anwendungen wie Skype, Flash-Player oder Opera, in die Gruppe der rechtlich problematischen Programme gehören in erster Linie Multimedia-Komponenten.

Codecs installieren

Der Standard-Mediaplayer unter Ubuntu 9.10 heißt Totem. Er unterstützt zahlreiche freie Audio- und Video-Formate von Haus aus, bringt aber nach einer Standardinstallation weder Support für MP3-Dateien noch für Videos im Divx- oder Windows-Media-Format mit. Grund dafür sind patentrechtliche Probleme: es gibt zwar frei verfügbare Codecs für diese Aufgabe, Canonical kann diese aber nicht vertreiben, ohne mit Scherereien rechnen zu müssen.

Öffnen Sie in Totem eine nicht unterstützte Datei, erscheint deshalb ein Dialog, der auf die benötigten Codecs hinweist (Abbildung 1). Hier müssen Sie auf Suchen klicken, damit Ubuntu im Internet nach den passenden Codecs Ausschau hält.

Abbildung 1

Abbildung 1: Bei nicht unterstützten Formaten sucht Totem im Internet nach passenden Codecs.

Die Suche endet in über 90 Prozent aller Fälle bei den passenden Gstreamer-Plugins gstreamer0.10-plugins-ugly und gstreamer0.10-ffmpeg. Gstreamer ist ein modular aufgebautes Multimedia-Framework. Es stellt den Anwendungen eine Schnittstelle zu Ton und Bild zur Verfügung. Damit müssen die einzelnen Programme keine speziellen Codecs unterstützen; es reicht, wenn Sie das Playback über Gstreamer beherrschen. Auch Totem gehört zu den Anwendungen, die auf Gstreamer setzen.

Möchten Sie beispielsweise eine MP3-Datei abspielen, reicht Totem die Datei an Gstreamer weiter. Dieser kramt im eigenen Fundus nach einem Plugin, das sich um MP3-Musik kümmert. Mit Hilfe des darin enthaltenen Codecs wandelt Gstreamer die Datei in hörbares Material um, das Totem umgehend wieder in Empfang nimmt und über die Lautsprecher ausgibt (Abbildung 2). Um Totem neue Dateiformate beizubringen, müssen Sie also nur die passenden Plugins nachinstallieren.

Abbildung 2

Abbildung 2: Totem setzt auf einen modularen Aufbau und lernt über Plugins neue Codecs kennen.

Da Totem jeweils pro Datei nur die unbedingt benötigten Codecs installiert (Abbildung 3), erscheint der Dialog eventuell mehrere Male. Möchten Sie in Zukunft von diesen Rückfragen verschont bleiben, spielen Sie über das Software-Center einfach die eingeschränkten Extras ein. Dazu geben Sie im Suchfeld das Stichwort restricted ein und markieren dann das zu Ihrem Desktop passende Paket (Gnome, KDE oder XFCE). Neben den Codecs landen dann auch gleich noch ein paar weitere proprietäre Elemente auf Ihrem Rechner, darunter ein Set von häufig benutzten Microsoft-Schriften, Flash, Java und den MP3-Encoder Lame (Abbildung 4).

Abbildung 3

Abbildung 3: Für einen Film im Windows-Media-Format benötigt Totem das Paket

Abbildung 4

Abbildung 4: Die eingeschränkten Extras sind das Rundum-Sorglos-Paket für Codecs, Schriften und proprietäre Programme.

Gefährliche Liebschaften

Mit den passenden Gstreamer-Plugins und den eingeschränkten Extras deckt Ubuntu vermutlich über 95 Prozent aller Multimedia-Formate ab, lediglich das Abspielen von DVD-Filmen mit Content Scrambling System (praktisch alle kommerziellen DVDs) ist damit nicht möglich. Die dafür benötigte libdvdcss2 fällt in vielen Ländern (darunter auch Deutschland) in eine rechtliche Grauzone, da Sie die den CSS-Abspielschutz aushebelt und somit theoretisch einen "wirksamen Kopierschutzmechanismus" umgeht. Kümmert Sie diese Theorie nicht beziehungsweise leben Sie zum Beispiel in der Schweiz oder Österreich, dann binden Sie das Medibuntu-Repository ein, wie im Kasten "Medibuntu" beschrieben, und installieren danach die Libdvdcss2 einfach über den Paketmanager. Möchten Sie hingegen auf Nummer sicher gehen, dann gibt es zwei kommerzielle Linux-Programme für das DVD-Playback: Lindvd aus dem Hause Corel [1] und den DVD-Player von Fluendo [2].

Medibuntu

Einige exotische Dateiformate aus der Windows-Welt sowie proprietäre Programme stehen nur über zusätzliche Paketquellen (so genannte Repositories) bereit. Eines der meistbenutzten ist das Medibuntu-Repository [3]. Es bietet unter anderem die für die DVD-Wiedergabe benötigte Bibliothek Libdvdcss2 an, Skype, Realplayer, Google-Earth und zusätzliche Windows-Codecs an. Um die Quelle anzuzapfen, öffnen Sie das Fenster hinter System | Systemverwaltung | Software-Paketquellen, wechseln auf das Register Andere Software und klicken auf Hinzufügen. In das Eingabefeld tragen Sie die folgende APT-Zeile ein

deb http://packages.medibuntu.org/ karmic free non-free

und klicken auf Software-Paketquelle hinzufügen. Achten Sie dabei auf korrekt gesetzte Leerzeichen.

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