AA_ring.tif

© Andrea Danti, 123RF

Backup-Werkzeuge

Praktische Backup-Tools für Ubuntu

Wenn Sie Ihre Daten sicher aufbewahren wollen, führt kein Weg an der Installation und dem Setup einer Backup-Anwendung vorbei. Doch welches der zahlreichen Tools soll man wählen? Dieser Artikel stellt Ihnen eine Auswahl vor.

Mit Sbackup bringt Ubuntu von Haus aus ein Backup-Werkzeug mit, das aber nicht unbedingt für jeden Zweck und für alle Nutzer das ideale Tool darstellt. Dieser Text stellt deshalb die Alternativen Grsync, Back in Time und Fwbackups vor.

Grsync

Grsync [1] ist eigentlich keine selbständige Backup-Anwendung, sondern eine grafische Oberfläche für die leistungsfähige Kommandozeilen-Backup-Anwendung rsync. Mithilfe von Rsync lassen sich deutlich vielfältigere Backup-Skripte erstellen als mit der grafischen Oberfläche Grsync, aber wenn das Hantieren mit Parametern und Schaltern nicht Ihr Ding ist, dann ist Grsync genau das Richtige für Sie.

Dank der benutzerfreundlichen Oberfläche erstellen Sie Ihre Backup-Profile einfach per Mausklick auf die gewünschten Optionen und Kontrollkästchen. Grsync gehört zum Standardpaketdepot von Ubuntu, für die Installation starten Sie einfach das Software-Center, suchen nach grsync und installieren den Treffer. Alternativ spielen Sie das Rsync-Frontend über den Befehl sudo apt-get install grsync ein. Einmal installiert, finden Sie Grsync unter Anwendungen | Systemwerkzeuge | Grsync.

Abbildung 1

Abbildung 1: Grsync bietet eine benutzerfreundliche grafische Oberfläche zu rsync.

Grsync kann mehrere Backup-Aufträge handhaben, was sehr praktisch ist, wenn Sie unterschiedliche Backup-Vorgänge durchführen lassen wollen. Möchten Sie zum Beispiel eine Sicherungskopie von Ihren Dokumenten jede Stunde auf einem entfernten Server erstellen und zugleich Ihre Fotos zweimal am Tag auf einem Wechseldatenträger speichern, dann können Sie dazu je eine Backup-Sitzungen einrichten.

Um eine neue Backup-Sitzung einzurichten, drücken Sie auf die Schaltfläche Sitzungen | Hinzufügen und geben das Quell- und Zielverzeichnis an. Über die drei Registerkarten – Standardoptionen, Erweiterte Optionen und Zusatzoptionen – können Sie die Backup-Sitzung konfigurieren, indem Sie die gewünschten Einstellungen vorgeben. Welche Möglichkeiten Sie aktivieren, hängt natürlich von Ihren Bedürfnissen ab, aber es gibt ein paar wichtige Kontrollkästchen, die man möglicherweise in den meisten Situationen ankreuzen sollte. Um zum Beispiel eine detaillierte Ausgabe zu ermöglichen, über die Sie den Backup-Vorgang überwachen und die eventuellen Fehler beheben können, aktivieren Sie das Kontrollkästchen Ausführliche Meldungen. Wenn Sie wollen, dass während des Backup-Vorgangs Dateien im Zielverzeichnis gelöscht werden, die nicht länger im Quellverzeichnis existieren, dann markieren Sie Option Im Zielverzeichnis löschen. Mit dem Windows-Kompatibilitätsmodus kommt rsync auch mit FAT-formatierten Datenträgern klar, was wiederum dann sehr nützlich sein kann, wenn Sie Dateien auf einem USB-Stick oder auf einer FAT-Partition sichern möchten.

Der Abschnitt Erweiterte Optionen bietet noch mehr Einstellungsmöglichkeiten, um eine Feinabstimmung der Backup-Sitzung zu unternehmen. Standardmäßig werden die Dateien in den Quell- und Zielverzeichnissen von Rsync anhand des Datei-Änderungsdatums und der Dateigröße verglichen.

Man kann jedoch einen Vergleich der Prüfsummen von Rsync verlangen, indem man das Kontrollkästchen Immer Prüfsummen erstellen aktiviert. Wie Sie es vielleicht bereits erraten haben, dient die Option Dateiinhalt packen dazu, dass die Dateien von rsync während der Übertragung komprimiert werden, was wiederum dann von Nutzen ist, wenn Sie in der Sitzung als Zielverzeichnis ein entferntes Dateiensystem als Ziel angegeben haben. Schließlich kann man noch unter den Zusatzoptionen verschiedene Skriptbefehle angeben, die von Grsync vor oder nach dem Backup-Vorgang ausgeführt werden. Zum Beispiel um vor dem Backup ein entferntes Verzeichnis einzuhängen und nach dem Backup wieder auszuhängen oder gleich den kompletten Rechner herunterzufahren, nachdem das Backup abgeschlossen wurde.

Wenn Sie einmal die gewünschten Optionen eingestellt haben, ist Ihr Backup bereit. Bevor Sie allerdings auf Ausführen klicken, sollten Sie sicherzustellen, dass alles wie gewünscht funktioniert. Dazu bietet Grsync einen Probedurchlauf an. Drücken Sie deshalb zuerst auf die Taste Simulation starten, dann schauen Sie sich die von Grsync generierte Ausgabe gründlich an. Wenn alles gut aussieht, wählen Sie Ausführen, um die Sicherung durchzuführen.

Auch die Wiederherstellung von Daten macht Grsync ziemlich einfach. Um eine Wiederherstellung auszuführen, müssen Sie in Grsync lediglich die gleiche Backup-Sitzung aufrufen, jedoch in die entgegengesetzte Richtung. Dazu drücken Sie zuerst einfach auf Datei | Quellen und Ziele vertauschen, dann auf Ausführen. Grsync macht auch den Export und Import von Sitzungsinformationen möglich (Sitzungen | Exportieren und Sitzungen | Importieren). Diese Funktion kann sehr nützlich sein, wenn Sie Ihre Backup-Sitzungen mit anderen Benutzern teilen oder sie auf verschiedenen Rechnern laufen lassen möchten.

Back In Time

Back In Time (Abbildung 2) arbeitet auf eine ganz andere Art und Weise als traditionelle Backup-Anwendungen wie Grsync. Anstatt eine exakte Sicherungskopie eines Quellverzeichnisses in einem Zielverzeichnis abzulegen, errichtet Back In Time mehrere Schnappschüsse (Speicherauszüge) von einem oder mehreren Verzeichnissen, und in jedem dieser Schnappschüsse wird der gesamte Inhalt des Verzeichnisses festgehalten. Was zunächst nach einer reinen Speicherplatzverschwendung klingt, entpuppt sich beim zweiten Blick als Ansatz zu einer flexibleren Möglichkeit zur Datensicherung.

Wenn Sie Grsync verwenden, und einen Sicherungslauf pro Woche durchführen lassen, dann steht Ihnen immer eine Version der Dateien zur Verfügung, die nicht älter als eine Woche ist. Was passiert aber, wenn Sie eine frühere Version der Datei benötigen, beispielsweise den Zustand vor zehn Tagen?

Hier spielt Back In Time seine Stärken aus. Es speichert jede einzelne Version der Datei in je einem separaten Schnappschuss, so dass Sie praktisch jede Version leicht finden und wiederherstellen können. Praktisch gesehen ist diese Funktion, wie ein Rückgängig-Befehl in Ihrem vertrauten Textverarbeitungs- oder Bildbetrachtungsprogramm. Sie sind jederzeit in der Lage, Änderungen an einem Dokument oder an einem Foto zu widerrufen, indem Sie eine frühere Version der entsprechenden Datei aus dem Schnappschuss wiederherstellen.

Abbildung 2

Abbildung 2: Back In Time verwendet Schnappschüsse, um Ihre Daten zu sichern.

Obwohl die Back-in-Time-Website [2] ein Debian-Paket zum Download anbietet, ist es eher ratsam, das Programm aus dem normalen Ubuntu-Repo zu installieren. Dadurch wird sichergestellt, dass Sie stets die neueste Version der Anwendung zur Verfügung haben. Ubuntu 9.10 bringt fertige Pakete von Back in Time mit, die Sie über das Software-Center problemlos installieren. Gnome-Nutzer installieren das Paket backintime-gnome, wer lieber mit KDE arbeitet, wählt backintime-kde.

Ist Back In Time einmal installiert, starten Sie sie in Ihrem Menü unter Anwendungen | Systemwerkzeuge. Neben dem normalen Modus lässt sich das Programm auch mit Administratorrechten starten, zum Beispiel um Systemverzeichnisse zu sichern.

Beim allerersten Start öffnet sich das Dialogfenster Einstellungen (Abbildung 3), in dem Sie den Sicherungsauftrag konfigurieren. Unter dem Registerreiter Konfiguration wählen Sie das Verzeichnis der Schnappschüsse aus und stellen eine optionale Zeitsteuerung ein, damit die Anwendung Schnappschüsse nach einem bestimmten Zeitplan sichert. Diese Funktion kann selbstverständlich deaktiviert bleiben, wenn Sie die Sicherung lieber manuell zu einer beliebigen Zeit ausführen möchten. Achten Sie darauf, dass das Verzeichnis für die Snapshots genug groß ist.

Unter dem Reiter Einbeziehen werden die Verzeichnisse ausgewählt und hinzugefügt, die Sie sichern möchten. Wenn Sie bestimmte Dateien von der Sicherung ausschließen möchten, können Sie diese unter dem Reiter Ausschließen mithilfe von Mustern angeben. Will man zum Beispiel keine PNG-Grafikdateien sichern, fügt man folgendes Muster hinzu: *.png oder *.PNG.

Abbildung 3

Abbildung 3: Im Dialog Automatisch entfernen wird angegeben, wie Back In Time alte Schnappschüsse verwalten soll.

Da in jedem einzelnen Schnappschuss der gesamte Inhalt aller einbezogenen Verzeichnisse gesichert wird, braucht man möglichst viel Speicherplatz. Wenn zum Beispiel die Gesamtgröße der Verzeichnisse, die im Sicherungsauftrag einbezogen sind, 5 GByte beträgt, dann reicht eine Festplatte von 150 GByte gerade mal für 30 Schnappschüsse aus.

Irgendwann läuft jede Festplatte voll, wenn Sie keine Daten löschen. Um eine Überschreitung der Festplattenkapazität zu vermeiden, stellen Sie auf dem Reiter Automatisch entfernen ein, wie Back In Time mit älteren Schnappschüssen umgehen soll. Legen Sie fest, welche Schnappschüsse aufgrund ihres Alters automatisch entfernt werden (zum Beispiel alle, die älter als zwei Tage oder drei Wochen sind).

Alternativ kann man auch die Funktion aktivieren, die alte Schnappschüsse entfernt, wenn der freie Speicherplatz auf der Festplatte einen bestimmten Wert unterschreitet. Über die Checkbox Smart remove behält Back in Time Schnappschüsse, die den darunter aufgelisteten Kriterien entsprechen. Um auf Nummern Sicher zu gehen, aktivieren Sie die Funktion Entferne benannte Snapshots nicht, Back In Time überspringt dann Schnappschüsse, die Sie von Hand benannt haben.

Back In Time zu bedienen, ist wirklich einfach. Haben Sie den Zeitplan aktiviert, dann erstellt die Anwendung im Hintergrund Backups in den vordefinierten Zeitabständen. Andernfalls lässt sich ein Schnappschuss manuell durch Snapshot erstellen in der Taskleiste ausführen. Die Liste aller Schnappschüsse erscheint im Hauptfenster von Back In Time, im Snapshots Panel. Um den Inhalt eines Schnappschusses anzuzeigen, wählt man diesen in der Liste aus, und im rechten Fenster erscheint die Liste der Dateien. Um eine bestimmte Datei wiederherzustellen, markieren Sie diese in dem betreffenden Schnappschuss und drücken auf Wiederherstellen. Den Namen eines Schnappschusses ändert man durch Drücken von Snapshot Name in der Taskleiste zum Löschen dient Entferne Snapshot.

Einem Freund empfehlen