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Individubuntu

Ubuntu Live-CDs selbst erstellen

Das Ubuntu Customization Kit stellt aus einem Standard-Ubuntu im Handumdrehen ein maßgeschneidertes System zusammen.

Bug in Karmic

Durch einen Bug in Ubuntu 9.10, der zumindest in der RC-Version noch auftrat, meldet die UCK-Oberfläche bei der Auswahl des ISO-Images stets, dass es sich dabei nicht um eine gültige Abbilddatei handelt. Schuld daran ist der file-Befehl, der als Rückgabe ausgibt, es handle sich um eine Datei vom Typ application/octet-stream. Als Lösung öffnen Sie die Datei /usr/bin/uck-gui und setzen vor die entsprechende Prüfungsroutine in den Zeilen 213 bis 216 ein Rautezeichen, damit der Test ausbleibt.

Distributionen von der Stange versuchen immer, den Wünschen möglichst vieler Anwender zu genügen. Es liegt dabei in der Natur der Sache, dass individuelle Vorstellungen unter den Tisch fallen – sei es die passende Lokalisierung oder spezielle Anwendungen. Ähnlich verhält es sich mit Updates, welche die Distribution naturgemäß erst nach der Installation herunterlädt.

Richten Sie Ubuntu auf mehreren Rechnern ein, begegnet Ihnen das Problem jedes Mal aufs neue. Verfügen Sie darüber hinaus nur über eine schmalbandige Internet-Anbindung, die der Provider gar noch volumenabhängig abrechnet, verschärft sich das Dilemma zusätzlich.

Abhilfe schafft hier das Ubuntu Ubuntu Customization Kit, kurz: UCK [1]. Mit ihm erstellen Sie mit wenigen Mausklicks Ihre eigene Ubuntu-Distribution samt der gewünschten Lokalisierungen und Programme sowie der aktuellsten Updates. UCK setzt als Basis eine funktionierende Ubuntu-Installation voraus, da es auf distributionsspezifische Programme zurückgreift. Für die Installation starten Sie das Software-Center und suchen nach uck. Installieren Sie dann den Treffer. Aktuell befindet sich das Tool bei Versionsnummer 2.0.9.

Ubuntu remastern

Zum Remastern eignen sich nicht nur alle gängigen Ubuntu-Versionen, sondern auch die Medien von Derivaten wie Kubuntu, Xubuntu oder Edubuntu. UCK benötigt in jedem Fall ein ISO-Image der Distribution. Sollten Sie diese nur auf einem Datenträger besitzen, erzeugen Sie mit dem Aufruf

sudo dd if=/dev/cdrom of=abbild.iso

das benötigte ISO-Image. Für Laufwerk müssen Sie anstelle von /dev/cdrom eventuell /dev/dvd oder /dev/sr0 wählen. Als abbild.iso geben Sie Pfad und Name der zu erstellenden ISO-Datei an, beispielsweise /home/tommy/ubuntu-9.10.iso.

Liegt ein entsprechendes ISO-Image vor, dann starten Sie UCK entweder über einen Klick auf den Eintrag Systemwerkzeuge | Ubuntu Customization Kit im Gnome-Menü oder durch Aufruf von uck-gui auf der Kommandozeile. Im ersten Dialog wählen Sie, welche Lokalisierungen UCK installieren soll (Abbildung 1). Finden sich gewünschte Sprachdateien nicht auf dem ISO-Image, so lädt das Programm sie aus den Online-Repositories herunter.

Abbildung 1

Abbildung 1: Das Ubuntu Customization Toolkit erlaubt die nachträgliche Integration von Lokalisierungen in das Ubuntu-Image.

Die grafische Oberfläche startet gleichzeitig auch ein Terminal. Achten Sie darauf, das Terminalfenster nicht zu schließen, da sich die Anwendung sonst beendet. Beachten Sie zudem auch, dass das Ubuntu Customization Kit nach dem Start der Chroot-Umgebung sämtliche grafischen Programme blockiert, beziehungsweise deren Start nur in der eingezäunten Umgebung zulässt. Speichern Sie deshalb sämtliche Arbeiten, bevor Sie mit UCK zu experimentieren beginnen.

Im nächsten Fenster wählen Sie, in welcher Sprache das Bootmenü erscheinen soll. Mit der Auswahl der Desktop-Umgebung legen Sie im folgenden Dialog fest, ob UCK Gnome, KDE oder andere grafische Oberflächen einrichtet (Abbildung 2). Diese Angaben sind zwingend erforderlich, da das Skript andernfalls den Buildprozess zwar startet, ihn aber nach wenigen Minuten mit dem Hinweis auf die fehlende Auswahl abbricht.

Abbildung 2

Abbildung 2: Entscheiden Sie, ob Sie KDE, Gnome oder andere Desktopumgebungen möchten.

Im nun erscheinenden Dateibrowser teilen Sie UCK, wo sich das ISO-Image befindet, das als Grundlage dient. Bei Problemen wegen einer nicht erkannten ISO-Datei lesen Sie den Kasten "Bug in Karmic". Im anschließenden Abfragefenster geben Sie den Namen Ihrer Kreation ein. Möchten Sie Ihrer Distribution Pakete hinzufügen oder das System anderweitig modifizieren, beantworten Sie die Frage Do you want to customize CD manually during build mit yes. Die mit Ubuntu gelieferten Windows-Programme wie Mozilla Firefox löschen Sie im nächsten Fenster mit yes.

Im Anschluss an die Meldung, dass alle benötigten Informationen vollständig seien, beginnt UCK nach der Eingabe des User-Passwortes das ISO-Image zu zerlegen. Es erstellt in /home/replaceableUser/tmp/ die Verzeichnisse remaster-iso, remaster-root und customization-scripts. Der Ordner remaster-iso enthält den späteren CD-Content. Die Squashfs-Datei casper/filesystem.squashfs, die die Grundlage von Ubuntu darstellt, entpackt das Skript in das Verzeichnis remaster-root. Um das entpackte Ubuntu wie ein autonomes Betriebssystem zu behandeln, startet es dieses in einer Chroot-Umgebung. Sofern Sie zusätzliche Lokalisierungen ausgewählt haben, beginnt UCK danach, diese in der Chroot via apt-get herunterzuladen und zu installieren.

Pakete einbinden

Nach Abschluss dieses Prozesses erscheint ein Auswahlfenster, über das Sie ein Terminal (Run console application) oder den Synaptic-Paketmanager (Run package manager) in der künstlichen Umgebung öffnen, in der sich Ubuntu befindet (Abbildung 3).

Abbildung 3

Abbildung 3: Über das Auswahlfenster starten Sie in der geschlossenen ("chrooted") Umgebung, in dem sich das modifizierte Ubuntu befindet, entweder den Paketmanager Synaptic oder ein Terminal.

Synaptic ermöglicht Ihnen das Nach- oder Deinstallieren beliebiger Pakete sowie das Aktualisieren des Systems. Damit UCK bei der Installation zusätzlicher Software auch Pakete aus den Universe- und Multiverse-Repositories berücksichtigt, gilt es diese erst einmal einzubinden. Öffnen Sie dazu über Settings | Repositories die Quellenverwaltung und aktivieren Sie diese mit einem Klick auf die Checkbox vor den genannten Einträgen. Möchten Sie nicht nur Sicherheitsupdates, sondern auch empfohlene Programmaktualisierungen einspielen, dann klicken Sie in der Kategorie Updates auf die Checkbox vor Recommended updates.

Haben Sie Ihre Auswahl abgeschlossen, übernehmen Sie diese mit einem Klick auf das Icon Apply. Danach richtet Synaptic die gewählten Pakete im Chroot-Ubuntu ein, sodass diese in der Live-Version zum Einsatz bereitstehen.

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