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© Carlos-Felipe-Alvarez-Romero, 123RF

Toller Empfang

Fünf DVB-T-Sticks im Test

Ob Sie es mögen oder nicht: Digitales Fernsehen (DVB) hat sich mittlerweile als Standard etabliert. Wir stellen die Technik vor und unterziehen fünf DVB-T Sticks einem Praxistest.

Testgeräte

Die Testgeräte stellte uns freundlicherweise der Saturn-Markt im Münchner Einkaufszentrum PEP zur Verfügung. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle!

Es muss nicht immer der niegelnagelneue 52-Zoll LCD-Fernseher sein: Gerade auf Reisen lässt sich so ein Riesenfernseher schlecht im Handgepäck verstauen. Für Abhilfe sorgen DVB-T-Karten für den USB-Slot: Die passen in jede Tasche, liefern bei gutem Empfang ein ansprechendes Bild und mit der richtigen Software nehmen Sie sogar programmierte Sendungen auf. Funktioniert das auch unter Ubuntu und Co? Es tut erfreulich gut – aber nicht mit allen Geräten.

DVB steht als Abkürzung für Digital Video Broadcasting, zu deutsch etwa Digitale Videoübertragung. Wie schon bei seinen analogen Vorgängern lässt sich das digitalisierte Bild auf verschiedenen Wegen übertragen: Über Funksender auf der Erde (terrestrisch, DVB-T), über Satellit (DVB-S) und über Kabel (DVB-C). Die Technik hat sich in vielen europäischen Ländern, so auch in Deutschland, inzwischen weitgehend als Standard etabliert.

Der praktische Vorteil von DVB besteht darin, dass eine Frequenz mehrere Sender zugleich überträgt , im so genannten Bouquet. Außerdem schicken die Sender zusätzliche Informationen zu laufenden Sendungen und zur Programmübersicht mit (EPG, Electronic Program Guide, zu deutsch: Elektronischer Programmführer).

Die Übertragung eines DVB-Senders besteht aus einem komprimierten Video-Stream, der auf das Videokompressionsverfahren MPEG setzt, das auch bei Videoübertragungen im Internet zum Einsatz kommt. Das hat für die Verarbeitung auf dem Computer des Empfängers den Vorteil, dass dieser zum Digitalisieren und Komprimieren keine aufwändige Soft- oder Hardware mehr braucht. Der Unterschied zu gewöhnlichen Videodateien, wie sie etwa auf DVDs vorkommen, besteht lediglich darin, dass der so genannte Transport-Stream von DVB Mechanismen zur Korrektur von Übertragungsfehlern mitbringt. Ein entsprechendes Wiedergabeprogramm muss deshalb das MPEG-TS-Protokoll (Transport-Stream) beherrschen.

Leider unterscheiden sich die Modulationstechniken der verschiedenen Übertragungsmedien, so dass die per Antenne, Satellitenschüssel oder Kabel eingehenden Daten jeweils unterschiedliche Hardware voraussetzen. In Nordamerika kommt zudem ein anderer Standard nach Vorgaben des ATSC (Advanced Television Systems Committee, deutsch: Komitee für erweiterte Fernsehsysteme) zum Einsatz. Für dessen Empfang benötigen Sie wiederum ein passendes Empfangsgerät. Eine vollständige Me-TV-Unterstützung für ATSC gibt es nicht – so funktioniert etwa der Sendersuchlauf nicht.

DVB-Geräte

Leider unterstützen die wenigsten Hersteller von DVB-Hardware das freie Betriebssystem offiziell. Linux-Benutzer, die die Anschaffung eines solchen Geräts planen, stehen deshalb häufig vor dem Problem, auf Herstellerseiten, Verpackungen und im Laden keine ausreichende Beratung zu erhalten. Auf den Verpackungen der Geräte geben die Hersteller Unterstützung für Mac und Windows an, vom Linux-Support erfahren Sie höchstens auf den Webseiten des Unternehmens, wie im Fall von Avermedia.

Doch die Open-Source-Community schafft glücklicherweise in vielen Fällen Abhilfe. Im LinuxTV-Wiki trägt die Gemeinschaft Informationen über Linux-Unterstützung von DVB-Geräten für terrestrischen [1], kabel- [2] und satellitenbasierten [3] digitalen Fernsehempfang zusammen.

Wird ein Gerät von Linux nativ unterstützt, erfordert die Benutzung keine weiteren Schritte – Sie greifen mit Me-TV, Kaffeine und anderer TV-Software sofort nach dem Anschließen darauf zu. Ist dies bei Ihrem Gerät nicht der Fall, finden Sie zunächst die technischen Details heraus, um an weitere Hilfe zu gelangen. Die Befehlszeilenkommandos lspci und lsusb zeigen eine Liste aller internen beziehungsweise per USB angeschlossenen Geräte. Abbildung 1 zeigt unter anderem einen externen USB-DVB-T-Empfänger; das Feld vor dem Namen verrät die einmalige Identifikationsnummer (ID), mit dem er sich zweifelsfrei zuordnen lässt.

Abbildung 1

Abbildung 1: Das Kommando "lsusb" ermittelt angeschlossene USB-Geräte; für interne Hardware verwenden Sie stattdessen "lspci".

Über diese Geräte-ID finden Sie möglicherweise Hilfe, auch wenn Ihr Gerät nicht im DVB-Wiki auftaucht. Das liegt daran, dass viele Hersteller dieselben Chips verwenden. Ein dem Wiki unbekanntes Gerät funktioniert dann möglicherweise doch, nämlich mit dem Treiber für das Gerät eines anderen Herstellers. Auch bei der Suche nach Hilfe über Internet-Foren und andere Medien, ist die Angabe der genauen Gerätebeschreibung inklusive ID wichtig, damit hilfsbereite User die notwendigen Details kennen.

Unser Test zeigte zudem, dass die Geräte häufig nur eine spezielle Firmware benötigen, um ihren Dienst anzutreten. Um zu erfahren, um welche Firmware es sich konkret handelt, öffnen Sie vor dem Anstecken des Gerätes ein Terminal. Dazu drücken Sie unter Ubuntu 9.10, Xubuntu 9.10 und Kubuntu 9.10 [Alt]+[F2] und geben gnome-terminal (Ubuntu), xterm (Xubuntu) oder konsole (Kubuntu) ein. Dann tippen Sie das Kommando

tail -f /var/log/messages

Der Tail-Befehl präsentiert die letzten Einträge in einer Datei im Terminal. Dank der Option -f (für follow) zeigt er zudem dynamisch die Veränderungen in dieser Datei an. Da es sich bei /var/log/messages um das Systemprotokoll handelt, erfahren Sie, wie das System reagiert, wenn Sie den Stick einstecken. Benötigt die DVB-T-Karte eine bestimmte Firmware, steht dort zum Beispiel Cannot find firmware file 'dvb-usb-dib0700-1.20.fw' (Abbildung 2). Das erleichtert Ihr Leben ungemein: Sie suchen nun einfach im Linux-TV-Wiki [1] nach Firmware-Dateien für Ihre DVB-T-Karte. Die laden Sie herunter und kopieren Sie – mit dem richtigen Namen (im Beispiel dvb-usb-dib0700-1.20.fw) mit administrativen Rechten – in das Verzeichnis /lib/firmware:

sudo cp dvb-usb-dib0700-1.20.fw /lib/firmware

Anschließend stecken Sie den Stick an den Rechner, und er sollte tadellos funktionieren. Nun zu den Sticks im Einzelnen.

Abbildung 2

Abbildung 2: Wenn der USB-Stick nach dem Anschließen nach Firmware ruft, ist das meist schon die halbe Miete. Sie begeben sich dann im Internet auf die Suche, laden die Datei herunter und kopieren sie an den richtigen Ort.

Im Test

Bei unserer Geräteauswahl konzentrieren wir uns auf DVB-T-Karten mit USB-Schnittstellen. Nicht nur dürfte diese Variante des digitalen Fernsehens am verbreitetsten sein, die USB-Geräte geben auch den Nutzern von Note- und Netbooks die Möglichkeit, unterwegs fernzusehen. Geräte für den Satelliten- und Kabelempfang gibt es natürlich auch, diese eignen sich aber eher für das stationäre Umfeld, da sie einen Kabelanschluss oder eine Satellitenschüssel voraussetzen. Die Ergebnisse des Tests fasst auch die Tabelle 1 zusammen.

Hauppauge Nova-T Stick 3

Beginnen wir mit dem einfachsten Fall, dem Nova-T Stick 3 von Hauppauge. Sie stecken den Stick an, Ubuntu und Co. laden die bei der Standardinstallation mitgelieferte Firmware dvb-usb-dib0700-1.20.fw und Sie konfigurieren Ihre TV-Software. Mit Kaffeine und Me-TV finden Sie die richtigen Kanäle, timen und nehmen Sendungen auf. Bei den meisten Sticks liegt eine kleine Antenne dabei, die einen ganz ordentlichen Empfang bietet, wenn Sie sie clever aufstellen (hoch und in Fensternähe). Hilft das nicht, testen Sie zunächst, ob Sie über W-Scan mehr Kanäle aufspüren, wie es der eben genannte Artikel erklärt. Im stationären Einsatz ergibt es oft auch Sinn, eine aktive Antenne mit eigener Stromversorgung zu kaufen.

Zwei Geräte bringen auch Fernbedienungen mit, die wir nicht getestet haben. Unter [4] erfahren Sie mehr über den Einsatz solcher Geräte. Auch die Möglichkeit, per DVB-T Radiosender zu empfangen, bieten einige der Karten. Über die Programme Gnomeradio (Ubuntu, Xubuntu) und Kradio (Kubuntu) lauschen Sie auch den DVB-T-Radiokanälen – getestet haben wir diese Funktionalität jedoch nicht.

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