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Desktop-Glotze

Me-TV und Kaffeine

Me-TV und Kaffeine schöpfen die Möglichkeiten des digitalen Fernsehens aus: So wird der Desktop zum Fernseher mit eingebautem Videorekorder und Programmheft.

Der Aufbruch ins Zeitalter des digitalen Fernsehens hat eine weitere Kante zwischen Wohnzimmer-PC und herkömmlichem TV-Gerät abgerundet. In Deutschland funken die ersten Sendemasten seit 2003 digitale Fernsehsignale durch den Äther. Alternativ gibt es die digitalisierten Signale in besserer Bildqualität auch über das TV-Kabel oder über Satellit.

Um die Nullen und Einsen des digitalen Videos zurück in bewegte Bilder zu verwandeln, benötigen Sie zwei Dinge: ein Empfangsgerät, dass die Funkwellen entgegen nimmt und eine Software, welche die Daten dekodiert. Für den Fernseher erledigt beides die so genannte Set-Top-Box, für den Rechner brauchen Sie neben der DVB-Hardware auch eine passenden Software.

Ubuntus Paketauswahl präsentiert Me-TV [1] (Abbildung 1) als Empfänger für terrestrisches und Kabelfernsehen. Satellitenempfang unterstützt die Software offiziell nicht mehr, sie funktioniert aber dennoch in manchen Fällen. Die Installation von Me-TV erfolgt unter Xubuntu und Ubuntu über Synaptic, das Paket heißt me-tv. Auf Kubuntu-Anwender wartet Kaffeine als Standardsoftware für DVB-Wiedergabe und -Aufnahme auf ihren Einsatz, das Sie über die Pakete kaffeine, libxine1-plugins und libxine1-all-plugins installieren. Me-TV funktioniert auch, es schaufelt aber einige Gnome-Abhängigkeiten auf Ihre Festplatte und bietet nicht so viele Sonderfunktionen wie Kaffeine.

Abbildung 1

Abbildung 1: Me-TV bringt unter Ubuntu und Xubuntu digitales Fernsehen auf den Desktop. Die Software erlaubt das Abspielen und Aufnehmen des aktuellen Fernsehprogramms.

Empfang

Me-TV finden Sie unter Ubuntu im Menü Anwendungen unter Unterhaltungsmedien | Me TV, unter Xubuntu nistet sich das Programm unter Applications | Multimedia ein. Kubuntu-Anwender suchen unter Programme | Multimedia nach der Anwendung. Steht ein von Linux unterstütztes TV-Gerät bereit, schlägt Me-TV daraufhin zunächst vor, mittels Suchlauf die verfügbaren Sender ausfindig zu machen (Abbildung 2). Klicken Sie neben Sendersuchlauf durchführen auf Keine.

Abbildung 2

Abbildung 2: Vor dem Fernsehvergnügen steht der Suchlauf.

Auf Grund der Vielfalt der Kombinationen aus möglichen Frequenzen und Modulationsverfahren, die das digitale Fernsehen mit sich bringt, braucht ein vollständiger Suchlauf eine lange Zeit und birgt dabei dennoch das Risiko, nicht alle verfügbaren Kanäle zu finden. Die gängige Abhilfe besteht darin, die Auswahl an Kanälen mit einer Konfigurationsdatei zu begrenzen. Eine solche Datei verrät die prinzipiell vor Ort eingesetzten Frequenzen, so dass die Software beim Suchlauf nur die tatsächlich verfügbaren Sender überprüft.

Die DVB-Werkzeuge für Linux enthalten eine Vielzahl solcher Scan-Dateien für die meisten Länder mit DVB-Empfang. Sie sind nach der Empfangsart sortiert und nach der regionalen Zugehörigkeit benannt. So beginnen alle Konfigurationsdateien für DVB-Sender in Deutschland mit de-, gefolgt vom Bundesland: Wollen Sie bsw. in Hessen Antennenfernsehen empfangen, wählen Sie die Datei de-Hessen. Sämtliche Dateien finden Sie auch im Verzeichnis /usr/share/dvb/dvb-t/.

Ein Klick auf den Button Nächster lässt Me-TV unter den in der regionalen Konfigurationsdatei aufgeführten Sendern nach denjenigen Ausschau halten, deren Signal am eigenen Standort tatsächlich ankommt. Obwohl es sich nicht um einen kompletten Suchlauf handelt, dauert auch dieser mitunter einige Minuten. Anschließend präsentiert das Suchfenster eine Liste der gefundenen Kanäle (Abbildung 3).

Abbildung 3

Abbildung 3: Der Sendersuchlauf spürt verfügbare TV-Kanäle auf.

Findet der Suchlauf auch mit keiner der vorgefertigten Dateien alle offiziell verfügbaren Kanäle, prüfen Sie zunächst, ob Sie die Satellitenschüssel korrekt ausgerichtet bzw. die Antenne optimal aufgestellt haben. Probieren Sie, letztere an einem möglichst hohen Punkt und in Fensternähe zu platzieren. So führt ein manueller Suchlauf eventuell zu besseren Resultaten (siehe Kasten Manueller Suchlauf).

Manueller Suchlauf

Liegt für Ihre Region keine Konfigurationsdatei vor, die potenziell nutzbare Frequenzen und Modulationsverfahren definiert, oder bleibt die Senderliste unvollständig, scannen Sie mit Hilfe des Kommandozeilenwerkzeugs W-Scan [2] sämtliche Frequenzen. Um W-Scan für Me-TV einzusetzen, erzeugen Sie damit entweder eine initiale Scan-Datei, die Sie dann als Konfiguration für den Me-TV-Sendersuchlauf auswählen, oder eine fertige Senderliste.

Beachten Sie, dass W-Scan nur funktioniert, wenn kein anderes Programm auf die DVB-Hardware zugreift – das betrifft auch Me-TV. Beenden Sie die Anwendung vollständig, andernfalls bricht W-Scan den Suchvorgang mit einem Warnhinweis ab – auch das Me-TV-Icon in der Symbolleiste muss seinen Platz räumen.

Installieren Sie zunächst das Paket w-scan über die Paketverwaltung. Öffnen Sie dann über [Alt]+[F2] und die Eingabe von xterm ein Terminal-Fenster. Der Aufruf w_scan gibt eine Übersicht über die verfügbaren Parameter vor. Das Programm benötigt mindestens die Angabe der Region – beispielsweise DE für Deutschland – die Sie über die Option -c an den Befehl hängen. Um eine initiale Scan-Datei für Me-TV zu erzeugen, geben Sie zusätzlich den Parameter -x an. Zugleich leiten Sie die Fundstücke in die Konfigurationsdatei dvb.conf weiter:

$ w_scan -x -c DE > dvb.conf

Wie das in der Praxis aussieht, zeigt Abbildung 4. Nach dem Scan wählen Sie im Suchlauffenster von Me-TV die frisch erzeugte Datei dvb.conf. Alternativ lassen Sie den Parameter -x weg und wählen im selben Me-TV-Fenster (Abbildung 2) die Option channels.conf importieren aus und dann die erzeugte Datei.

Abbildung 4

Abbildung 4: Das Programm W-Scan bezieht in seinen Suchlauf sämtliche Frequenzen mit ein.

Als Standardmedium geht W-Scan von terrestrischem Digitalfernsehen aus. Nutzen Sie einen Kabel- oder Satellitenempfänger, spezifizieren Sie den Typ mit dem zusätzlichen Argument -f c respektive -f s.

Die Zahl der von W-Scan gefundenen Sender kann steigen, wenn Sie bei schlechtem Empfang längere Suchintervalle pro Frequenz zulassen. Dazu ergänzen Sie den Aufruf um die Parameter -t 1 oder -t 2 für die gründlichste, aber auch langsamste Suche. Alle Details der W-Scan-Benutzung erfahren Sie über die Konsolenbefehle w_scan -H und info w_scan.

Senderjagd mit Kaffeine

Unter Kaffeine klicken Sie direkt nach dem Start auf Digitales Fernsehen, dann unten links auf den Schraubenschlüssel mit dem Tooltip Fernsehen einrichten. Hier spezifizieren Sie im Reiter Gerät 1 als Quelle für die Frequenzen zum Beispiel wieder de-Hessen und klicken auf Ok.

Haben Sie Kaffeine im Vorfeld bereit mit einer anderen Fernsehkarte benutzt, legt die Software Ihre neue Karte im Reiter Gerät 2 ab. Das führt zu dem Problem, dass Kaffeine nach dem Start meldet, dass es keine passende Karte findet. In diesem Fall öffnen Sie ein Terminal und geben den Befehl

rm -fdR $HOME/.kde/share/apps/kaffeine

So löschen Sie Kaffeines lokale Konfigurationsdateien, welche die Software in Ihrem Home-Verzeichnis unter .kde/share/apps/kaffeine ablegt. Nach dem Neustart verhält sich Kaffeine wie nach einer Gehirnwäsche: Es erkennt und akzeptiert Ihren DVB-T-Stick und hat die alte Konfiguration vergessen, Sie müssen aber auch einen erneuten Suchlauf nach den Kanälen starten.

Im nächsten Schritt wählen Sie unten links im Fenster das Icon mit dem Fernseher (Tooltip Kanäle). Wieder öffnet sich ein Fenster, in dessen Mittelteil Sie Suchlauf starten auswählen (Abbildung 5). Rechts listet Kaffeine dann die gefundenen Sender auf. Markieren Sie die von Ihnen bevorzugten Kanäle und klicken Sie auf Ausgewählte hinzufügen, dann auf Ok.

Abbildung 5

Abbildung 5: Über "Suchlauf starten" durchforsten Sie die regionale Sendeliste nach tatsächlich empfangbaren TV-Sendern.

Als Resultat zeigt Kaffeine auf der linken Seite die neu verfügbaren Kanäle an (Abbildung 6). Sie wechseln per Mausklick oder über [Bild-auf] und [Bild-ab] zwischen diesen hin und her, ein Doppelklick auf das Bild bringt Sie in den Vollbildmodus und wieder zurück.

Abbildung 6

Abbildung 6: Nur die von Ihnen explizit ausgewählten Kanäle erscheinen links im Interface von Kaffeine.

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