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Der Gegenspieler

Palm Pre im Test

Seit Apple mit seinem iPhone den Handy-Markt umgekrempelt hat, will jeder Anbieter ein vergleichbares Gerät ins Marktsegment katapultieren. Bei Palm, einem Pionier auf dem Gebiet der Hosentaschencomputer, soll es das Smartphone Palm Pre richten.

Das auf dem Palm-eigenen Betriebssystem Web-OS basierende Handy hat nichts mehr mit den früheren Palm-Handhelds gemein. Eine flüssige und schnell erlernbare Touchscreen-Bedienung macht den Umgang mit der Benutzerschnittstelle nach kurzer Eingewöhnung zu einem Kinderspiel. Für Texteingaben bringt das Gerät eine kleine, aber hinreichend gut benutzbare QWERTZ-Tastatur mit.

Auch an der Software-Ausstattung gibt es nichts bekritteln: Neben den Standardanwendungen für E-Mail, Adressen oder Kalender bringt das Pre vorinstalliert noch Google Maps zur Navigation sowie einen Musik- und Videoplayer mit. Eine Instant-Messaging-Applikation haben die Entwickler dem Handy auch spendiert (siehe Kasten Instant Messaging). Um die Anwendungen zu nutzen, stehen WLAN und HSDPA in Phase II (bis zu 3,6 MBit/s) bereit, dank 8 GByte Arbeitsspeicher taugt das Gerät auch als tragbarer Medienplayer. Im WLAN-Dauerbetrieb hielten die Akkus rund zwei Tage durch, allerdings wurde die meiste Zeit nicht damit gearbeitet. Palm gibt vier bis fünf Stunden Sprechzeit an.

Mit Web-OS steht ein Betriebssystem bereit, das auch Multitasking beherrscht, während das iPhone immer nur eine Anwendung zur Zeit öffnet. Das Pre schiebt – wie ein richtiger PC – inaktive Anwendungen in den Hintergrund. Das erweist sich als Vorteil, wenn bei der Arbeit mit den E-Mails ein Anruf eingeht. Die Liste der geöffneten Programme zeigt ein kurzer Tastendruck an, die Navigation zwischen den aktiven Anwendungen gelingt unkompliziert.

Komplett im Internet

Palm setzt mit dem Pre komplett auf das Internet: Web-OS ist nicht nur das Betriebssystem, sondern Programm. Das ist gut für Linux-Benutzer, denn die Synchronisation mit lokalen Daten auf dem PC über eine spezielle Software hat keine hohe Priorität. Eine Synchronisationsanwendung für Windows wendet sich eher an Nostalgiker – Palms Datenweg zwischen Desktop und Handy ist das Internet.

Vor dem Synchronisieren müssen Sie zunächst ein Konto bei Palm erstellen. Das geht schnell, die Datensammelwut hält sich in engen Grenzen. Die Synchronisation aller Daten mit dem Handy erfolgt über Online-Dienste wie Google oder Facebook. Das praktische an diesem Konzept: Der Benutzer muss nur einmal angeben, mit welchen Online-Diensten er sein Smartphone synchronisieren will. Die "Palm Synergy" genannten Technologie sammelt diese Daten dann automatisch und gleicht sie mit den passenden Anwendungen des mobilen Gerätes ab. Das kommt Ubuntu-Anwendern gut gelegen: Sowohl für Thunderbird als auch für Evolution gibt es mit Add-Ons, die den Datenabgleich zwischen dem PC und den Google-Diensten übernehmen. Der Datenaustausch funktioniert in beiden Richtungen.

Instant Messaging

Im Rahmen des Web-zentrischen Konzepts fällt das Instant Messaging auffällig sparsam aus. Zwar ist die Pre-Anwendung ansprechend gestaltet, weist schöne Funktionen auf und ist auch gut zu bedienen – doch sie unterstützt bislang nur die Messaging-Protokolle von Google Talk und AOL. ICQ, Jabber und Co. bleiben außen vor, auch den trotz seiner Redmonder Herkunft recht beliebten Microsoft-Service können Sie auf dem Palm Pre nicht nutzen.

Generell macht das Palm Pre am Ubuntu-Desktop eine gute Figur. Das Gerät kennt zwei Anschluss-Modi: Es meldet sich als externer Speicher oder als Medienplayer beim Rechner. In beiden Fällen erkennt es Ubuntu 9.10 problemlos und bindet es ein. Im Player-Modus können Sie Banshee oder Rhythmbox automatisch starten lassen, die Wiedergabe und die Medienverwaltung funktionieren tadellos – Sie müssen nirgends Hand anlegen.

In Deutschland bietet O2 das Palm Pre exklusiv an. Ohne Vertrag schlägt es mit rund 480 Euro zu Buche – und ist damit wesentlich günstiger als das iPhone. Ein Wermutstropfen für sparsame Menschen: Damit das Web-Konzept seine Stärken ausspielen kann, muss das Palm Pre möglichst immer online sein – eine entsprechende Flatrate ist quasi Pflicht.

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