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© (c) Nokia

Linux-Klötzchen

Pinguin to go

Smartphones, die schon eher Richtung Notebook tendieren, haben bei Nokia Tradition. Der neuste Nachfolger der bewährten "Communicators" hört auf den Namen N900. In ihm werkelt ein astreines Linux.

Schon beim ersten Kontakt mit Nokias neuem Flagschiff N900 drängen sich Vergleiche zu den alten Communicator-Geräten der 9500er-Serie auf: Groß und mit rund 180 Gramm auch recht schwer kommt das N900 daher. Ein Klotz von einem Telefon, der es aber in sich hat. Die Eckdaten: 32 GByte Speicher, 600-MHz-Prozessor, 3,5 Zoll Wide-Screen-Display mit 800x480 Pixeln, Zeiss-Linse in der Kamera und eine für Smartphones große QWERTZ-Tastatur. Vor allem aber lässt Nokias Linux-Distribution Maemo 5 die Herzen höher schlagen.

Ausgeliefert wird das Gerät mit dem OMAP-Kernel 2.6.28. Damit ist das N900 nicht auf dem neuesten Stand, aber hinreichend aktuell. Linux-typisch bietet das Nokia-Handy die Möglichkeit, virtuelle Desktops zu nutzen – eine Bash-Konsole ist auch an Bord, was vor allem Administratoren schätzen werden, die entfernte Server verwalten. Aber auch experimentierfreudige Benutzer können sich auf der Shell austoben. Wer keine Angst um das rund 600 Euro teure Gerät hat, kann Root-Rechte erlangen oder das N900 in den so genannten Research&Developement-Modus versetzen. Hilfestellung gibt es Maemo-Wiki [1]. Dank der gut bedienbaren Tastatur kann man die Konsole tatsächlich benutzen. Software-Aktualisierungen funktionieren – wie bei Linux üblich – über einen Paketmanager, den man kostentechnisch aber nur mit einer Flatrate oder per WLAN nutzen sollte.

Ebenfalls gut gelungen ist die Bedienung des Desktops. Mit Fingergesten öffnet man Menüs, startet und schließt Anwendungen. Das setzt eine kurze Einarbeitungszeit voraus. Ein vorinstalliertes Trainingsprogramm erleichtert den Start. Sehr praktisch ist der eingebaute Lagesensor, der das Smartphone automatisch in den Telefonmodus schaltet, wenn man das Gerät hochkant betreibt. Die Sprechzeit gibt der Hersteller mit fünf Stunden über WCDMA und neun Stunden über GSM an.

Bei so viel Licht verwundern die vielen Schatten. So hängt etwa die Software-Ausstattung des N900 hinter dem heutigen Standard zurück. MMS-Nachrichten? Fehlanzeige. Sicher schreibt irgendwann ein Entwickler eine passende Applikation dafür, doch ab Werk fehlt diese Standardfunktion. Auch andere Möglichkeiten dieser Preisklasse fehlen dem N900 – etwa ein Voice-Rekorder oder eine Sprachwahl.

Das alles ist verzeihlich. Immerhin ist die Open-Source-Community bereits seit einiger Zeit dabei, Anwendungen für Nokias Linux-Derivat zu entwickeln. Viel schwerer wiegt, dass das Linux-Handy nicht mit dem Linux-Desktop zusammenspielt. Zur Synchronisation von Daten setzt Nokia auf seine Software-Lösung "PC Suite" – die gibt es für Windows und MacOS. Schließt man das N900 an den PC an, sind zwei Betriebsmodi wählbar: Massenspeicher oder der PC-Suite-Modus. Im Massenspeichermodus mountet Linux die 32 GByte des N900 automatisch. Mit dem PC-Suite-Modus kann der Linux-Desktop hingegen nichts anfangen. Hier ist Nokia halbherzig. Wer seine Daten zwischen dem PC und dem Smartphone abgleichen will, muss also den Umweg über Online-Dienste wie Google nehmen.

Dennoch: Das Nokia N900 ist ein sehr gelungenes Gerät. Kompakter und leistungsfähiger gab es Linux bislang kaum. Das gut bedienbare Interface zeigt zudem, dass Usability keine Domäne von Apple oder Microsoft ist.

Nokia N900 zu gewinnen!

Exklusiv für Leser und Leserinnen des Ubuntu User verlosen wir ein niegelnagelneues N900 von Nokia. In die Verlosung kommen Sie, wenn Sie bis zum 30. April 2010 eine E-Mail mit dem Stichwort "N900" an gewinnspiel@ubuntu-user.de schicken. In der Mail geben Sie den Ihrer Meinung nach praktischsten Befehl für die Kommandozeile an, der unter den (KX)Ubuntu-Distributionen out of the box funktionieren muss. Eine kurze Erläuterung wäre hilfreich. Aus den fünf originellsten Einsendungen wählen unsere Redakteure den Siegerbeitrag aus. Viel Glück!

Infos

  1. Das offizielle Maemo-Wiki: http://maemo.org
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