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Couch Potato 2.0

Web-TV mit Miro

'Die Kids wandern ins Internet ab!', heißt es, wenn Fernsehmacher die eigene Zukunft schwarz malen. Kein Wunder: Freie Software wie Miro macht das Anschauen von Web Videos so komfortabel, wie es in der Offline-Welt nur teure Festplatten-Rekorder schaffen.

Filmchen aus dem Web sind oft lustiger als das klassische Fernsehen. Glauben Sie nicht? Suchen Sie doch mal auf YouTube [1] nach dem Stichwort literal videos. Oder noch besser: Installieren Sie Miro und abonnieren Sie die YouTube-Suchergebnisse als eigenen Feed. Der Webvideo-Player lädt die Videos dann im Hintergrund automatisch auf Ihre Festplatte (Abbildung 1). Sie sehen sie an, wenn Sie Zeit haben – und Miro kann noch mehr.

Abbildung 1

Abbildung 1: Die Suche auf YouTube fördert eine Reihe von "literal videos" zu Tage, Miro lädt sie auf Ihre Festplatte.

Miro [2] hieß vor ein paar Jahren noch Democracy Player, ist ein Kind der Participatory Culture Foundation [3] und wird von der Knight Stiftung [4] gefördert. Beide Organisationen treten für die Rechte der Bürger ein und wollen die freie Presse stärken, um auch einfachen Menschen eine Stimme in den Medien zu geben.

Im Prinzip ist Miro ein RSS-Feed-Reader für Videos (siehe Kasten RSS-Feeds): Die Software durchforstet tausende von Videobeiträgen auf etlichen Portalen nach Stichworten. Die von Ihnen aus den Suchergebnissen ausgewählten Videos lädt sie – wenn möglich – mit Hilfe eines Bitorrent-Clients herunter und legt sie auf der Festplatte ab. Auch Ihre Musik- und Videosammlung verwaltet der Player auf Wunsch.

RSS-Feeds

Ein Blog wie BoingBoing [5] müssen Sie nicht jeden Tag besuchen, um neue Beiträge anzusehen. Vielmehr abonnieren Sie mit einem RSS-Feed-Reader oder dem Browser den RSS-Feed der Seite, den die Macher im XML-Format anbieten. Der Feed aktualisiert sich, sobald es neue Inhalte gibt und präsentiert Ihnen jeweils eine knappe Zusammenfassung der letzten Beiträge des Blogs mitsamt Links zu diesen. Als Abonnent klicken Sie nur noch auf interessante Links, die Sie im Browser betrachten.

Miro macht dasselbe mit Video- und Audio-Feeds. Diese enthalten einen Link zur spezifischen Video- und Audiodatei und meist auch ein Vorschaubild. Die Software schaut regelmäßig, ob es neue Beiträge gibt und lädt deren Multimedia-Inhalte via Bitorrent auch automatisch herunter. Über Miro gestellte Suchanfragen speichern Sie wahlweise als Feeds. Alternativ starten Sie – wie im Fall der "literal videos" – eine Suche auf Youtube und übergeben Miro YouTubes RSS-Feed mitsamt den Resultaten.

Schwieriger wird es, wenn die Links zu den Videos nicht im RSS-Feed stecken. In diesem Fall abonnieren Sie die Webseite als Seite – vorausgesetzt sie setzt nicht auf Flash, das Miro nicht beherrscht.

Installation

Miro zu installieren, ist – im Gegensatz zu früher – ein Kinderspiel. Die Macher legen Wert auf eine plattformübergreifend funktionierende Software – Ubuntu und Co. stehen ganz oben auf der Support-Liste. Unter Kubuntu 9.10 klicken Sie im K-Menü auf Rechner und wählen dort den Paketmanager KPackageKit aus. In das Suchfeld geben Sie miro ein, klicken rechts neben dem Paket auf den Pfeil miro-2.5.3, dann auf Anwenden und schließlich auf Jetzt installieren. Die Software erreichen Sie nach der Installation – die eine ganze Latte an Abhängigkeiten mit auf den Rechner zieht – über Programme | Multimedia im K-Menü.

Anwender von Xubuntu 9.10 rufen den Paketmanager Synaptic über Applications | System | Synaptic-Paketverwaltung auf und geben nach der Eingabe des administrativen Passworts rechts oben in die Suchleiste den Begriff miro ein. Auch hier zieht die Installation einen Rattenschwanz von abhängigen Paketen hinterher; im Anschluss finden Sie die Software unter Applications | Multimedia. Der Weg über Synaptic funktioniert auch unter Ubuntu 9.10, der Paketmanager versteckt sich hier unter System | Systemverwaltung.

Web-TV killed the Videostar

Nach dem Start stellt Miro zunächst zwei Fragen: Soll die Software bei jedem Systemstart automatisch hochfahren, und wollen Sie Miro Ihre Musik- und Videosammlung anvertrauen (Abbildung 2)? Um nur einen Blick auf Miro zu werfen, benötigen Sie keine dieser Möglichkeiten. Planen Sie aber, die Software regelmäßig zu nutzen, sollten Sie die Optionen in Erwägung ziehen.

Abbildung 2

Abbildung 2: Auch unter Kubuntu 9.10 fragt Miro nach dem Start, ob es Ihre persönliche Mediensammlung aufnehmen soll.

Nach den Fragen erscheint die grafische Oberfläche (Abbildung 3). Bedenken Sie: Da Miro die Inhalte aus dem Internet zieht, kann es mitunter einen Augenblick dauern, bis die Ergebnisse ankommen. Im Vergleich zu den Anfängen arbeitet Miro inzwischen aber in Lichtgeschwindigkeit. Heruntergeladene Filme schiebt das Programm in den versteckten Ordner .miro/Movies in Ihrem Home-Verzeichnis – über den Reiter Ordner unter Video | Einstellungen ändern Sie den Ort.

Abbildung 3

Abbildung 3: So erscheint Miro nach dem Start unter Xubuntu: Rechts zeigt die grafische Oberfläche den virtuellen Programmführer von Miroguide.com.

Miros Oberfläche funktioniert nicht nur wie eine Webseite – sie enthält auch eine. Im linken Bereich verwalten Sie die Feeds über die Bereiche Bibliothek, Seiten, Feeds, Audiofeeds sowie Wiedergabelisten (Abbildung 3). Rechts erscheint – neben den gefundenen Videos – der virtuelle Programmführer der Webseite Miroguide.com [6], der sich voll in die Oberfläche integriert. Der Guide bringt bereits ausgewählte Feeds mit. Über die vertikale Menüleiste oben steuern Sie die Videowiedergabe, organisieren Feeds und Wiedergabelisten und ändern die Einstellungen der Software.

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