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© Mika Specta, Fotolia

Koexistenz

Dualboot mit Windows 7 und Ubuntu 10.04

Ein Ubuntu neben ein vorhandenes Windows 7 installieren? Gar kein Problem. Wollen Sie aber umgekehrt ein Windows 7 neben ein Ubuntu 10.04 platzieren, müssen Sie einige Klippen umschiffen.

Schlechte Angewohnheiten lassen sich oftmals nur schwer ablegen. Und manchmal kommt es vor, dass die Angewohnheiten zur Regel werden – so wie bei Microsofts Betriebssystem Windows. Das hat die schlechte Angewohnheit, keine weiteren Betriebssysteme neben sich zu dulden (ein anderes Windows mal ausgenommen). Doch wenn die Redmonder keine friedliche Koexistenz wünschen, dann muss der Ubuntu-Anwender eben selbst Hand anlegen. Dabei gilt: Vor dem Partitionieren und Installieren sichern Sie am besten alle wichtigen Dateien. Geht etwas schief, lassen sich verschwundene Bootloader meist ohne große Umstände retten. Aber falls Sie das Problem aus Zeitgründen nicht sofort anpacken oder wenn bei der Reparatur etwas schief läuft, sind Ihre Daten dank eines Backup verfügbar und gesichert.

Mit dem Übergang von Windows XP zu Vista hatte sich einiges getan. Microsoft wollte das System stabiler und schöner machen, hat aber zugleich auch die Art des Bootens geändert. War es unter Windows XP noch möglich, Ubuntu mittels eines einfachen Eintrages in der Datei boot.ini zu starten, mussten Sie unter Vista bereits erhebliche Klimmzüge auf der Windows-Kommandozeile machen. Daran hat sich auch mit dem Erscheinen von Windows 7 nichts geändert – böse Zungen behaupten ja ohnehin, dabei handle es sich eher um ein Service-Pack für Vista als um ein neues Betriebssystem.

Wer zuerst kommt …

Eine wichtige Frage bei der Vorbereitung des Dualboot-Systems: Welches System ist bereits installiert, und welches soll die "zweite Geige" spielen?

Lagert Windows 7 bereits auf der Festplatte, stellt das zusätzliche Einrichten eines Ubuntu-Systems ein Kinderspiel dar. Ubuntu 10.04 erkennt das vorhandene Windows und bindet es automatisch im Bootmanager Grub 2 ein. Fertig ist die Laube. Im Vorfeld sollten Sie Windows 7 allerdings defragmentieren, was Sie über Start | Programme | Zubehör | Systemprogramme erledigen.

Andersrum erweist sich die Installation schnell als umständlich – wofür es mehrere Gründe gibt. Einerseits überschreibt Windows – auch das aktuelle Windows 7 – ohne zu fragen den Bootloader mit seinem eigenen. Andererseits weigert es sich in einigen Hardware-Konfigurationen standhaft, die Installation des Systems überhaupt zu starten (siehe Kasten Ärger mit dem RAID).

Ärger mit dem RAID

Beispielsweise verweigerte Windows 7 die Installation in einem unserer Testsysteme, das neben einem Hardware-RAID 0 mit installiertem Slackware eine SATA-Festplatte mit Ubuntu vorhielt. Auf dieser Platte sollte Windows seinen Platz auf einer logischen Partition finden. Das aber gefiel dem System gar nicht. Abhilfe schaffte erst eine zweite SATA-Platte, auf der sich Windows 7 in der ersten Partition ausbreiten durfte.

Damit das klappte, galt es, vorübergehend das RAID zu deaktivieren und die erste SATA-Platte auf die zweite Boot-Position im BIOS zu verschieben – erst dann erlaubte der Installer die nächsten Schritte. Nach Abschluss der Systemeinrichtung ließ sich der Urzustand wiederherstellen und Windows 7 manuell in den Bootmanager aufnehmen. Anschließend starteten alle drei Systeme wie gewünscht über die Auswahl im Bootmanager.

Auch wenn es durchaus gelingen kann, Windows auf einer anderen als der ersten Partition der ersten Platte unterzubringen: Grundsätzlich empfiehlt es sich, diesen Platz dem System aus Redmond zu lassen. Ubuntu begnügt sich auch klaglos mit den hinteren Plätzen. Wollen Sie auf Nummer sicher gehen, verwenden Sie eine Festplatte ausschließlich für Ubuntu und eine zweite exklusiv für Windows. Dann schalten Sie das Boot-Device bei Bedarf einfach im BIOS um – MBR und Bootloader beider Disks bleiben unangetastet. Um Windows 7 hinter ein Ubuntu 10.04 zu installieren, verkleinern Sie zunächst über Gparted die Ubuntu-Partition und verwandeln diese durch Löschen und Neu Anlegen in eine zweite primäre Partition, die Sie mit dem Dateisystem NTFS formatieren. Gibt es ohnehin schon eine leere Partition für Windows, löschen Sie diese im Windows-7-Installer und legen eine NTFS-Partition neu an. Der Installer erstellt dabei zwei Partitionen: eine kleine für das System reservierte und eine große. In letztere installieren Sie dann Windows 7.

Bootloader von Windows

Um nach geglückter Installation auf einem Ubuntu-Rechner beide Systeme aus einem Menü zu starten, haben Sie zwei Möglichkeiten: Entweder fügen Sie dem Windows-Bootmanager einen Starteintrag für Ubuntu hinzu, oder Sie reaktivieren und ergänzen Ubuntus Bootmanager Grub 2 um einen neuen Eintrag für Windows (Abbildung 1).

Vom ersten Fall kann man eigentlich nur abraten. Es gibt aber einen ziemlich komplizierten Weg, den – für Windows Vista — der Artikel "Starthilfe" unserer Schwesterzeitschrift LinuxUser beschreibt. Sie lesen den Text kostenlos auf Linux-Community.de [1]. Dabei sichern Sie zuerst über dd den Bootblock der Linux-Partition, verschieben das dabei entstehende Image auf die Windows-Partition und fügen dann mit Hilfe des Werkzeugs bcdedit einen Bootmenü-Eintrag für Ubuntu 10.04 im Windows-Bootloader hinzu, der dieses Image lädt.

Einfacher soll das Ganze mit dem in Microsofts Programmiersprache .Net geschriebenen Frontend EasyBCD [2] funktionieren (Abbildung 2). Das laden Sie kostenlos herunter, installieren es und können dann über eine grafische Oberfläche einen Boot-Eintrag für Ubuntu hinzufügen. Leider funktionierte das im Test mit der getesteten Version 1.7.2 nicht, was womöglich auch an Ubuntus neuem Bootloader Grub 2 liegt.

Abbildung 1

Abbildung 1: Windows 7 ergänzen Sie zur Not auch nachträglich in Ubuntus Bootloader Grub 2.

Abbildung 2

Abbildung 2: Das Tool EasyBCD soll den Windows-Bootloader auf Nebenbuhler vorbereiten. Im Test funktionierte es allerdings nicht wie gewünscht.

Als dennoch nützlich erweist sich EasyBCD, falls Sie irgendwann den Windows-7-Bootloader wieder in den MBR schreiben wollen. Das hilft zum Beispiel dann weiter, wenn Sie lieber mit diesem booten oder Ubuntu von der Festplatte verbannen wollen. Bisher führte der Weg zu einer Restaurierung des MBR nur über den Einsatz der Windows-Installations-DVD. In EasyBCD gehen Sie einfach in den Bereich Manage Bootloader, wählen Restore the Vista Bootloader und klicken auf Write MBR. Nach einem Neustart erscheint jetzt wieder der Windows-Bootloader. Eventuell vorhandene Linux-Einträge verschwinden auf diesem Weg.

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