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© Christian Kudler, Photocase.com

Aus alt mach MP3

Kassetten und Schallplatten digitalisieren

Die Schallplatten-Raritäten aus der Jugendzeit, die Lieblingskassetten der Kinder – analoge Tonträger sind auch in Zeiten digitaler Musik nicht tot. Was liegt näher, als diese liebgewonnenen Medien auf CD oder den MP3-Player zu bannen? Ubuntu User erklärt Ihnen, wie es geht.

Schallplatten und Kassetten kopieren Sie recht einfach auf PCs und MP3-Player. Liegt die analoge Musik erst einmal in digitaler Form vor, sind auch Audio-CDs schnell gemacht. Sie benötigen dazu nichts weiter als die Software Audacity, ein bisschen Geduld und gegebenenfalls einen kleinen Vorverstärker für den Plattenspieler.

Letztere brauchen – im Gegensatz zu Kassetten – einen speziellen Vorverstärker, der das Signal entzerrt. Denn bei LPs haben tiefe und hohe Töne unterschiedliche Amplituden – ohne Preamp klingt die Musik verzerrt und klirrend. Der Entzerr-Vorverstärker korrigiert diesen aus technischen Gründen veränderten Frequenzgang, geeignete Modelle gibt es von verschiedenen Herstellern.

Für diesen Workshop haben wir den Hama PA-005 USB verwendet, der den Vorteil hat, seinen Strom über die USB-Schnittstelle des PCs zu beziehen. Ein separates Netzteil ist also nicht notwendig. Das Gerät kostet im Fachhandel zirka 60 Euro. Einen auf den ersten Blick ähnlichen Vorverstärker gibt es auch von Terratec. Dieser funktioniert jedoch laut Hersteller nur unter Windows – Ubuntu-Usern ist also davon abzuraten.

Zunächst installieren Sie die Software in Form der Pakete audacity, lame und libmp3lame0 über den Paketmanager. Dann schließen Sie die Hardware an, wobei der Eingang der Soundkarte meist blau gekennzeichnet ist. Kassetten-Decks verfügen in der Regel über je einen Cinch-Ausgang pro Kanal. Hier brauchen Sie also ein Kabel, das zwei Cinch-Stecker auf der einen und einen 3,5-mm-Klinkenstecker in Stereoausführung auf der anderen Seite mitbringt.

Um den Hama-Vorverstärker anzuschließen, benötigen Sie ein Kabel, dass auf beiden Seiten kleine Stereo-Klinkenstecker verwendet (Abbildung 1). Die Cinch-Kabel vom Plattenspieler werden in die entsprechenden Buchsen am Vorverstärker gesteckt, das Klinkenkabel verbindet den Preamp mit der Soundkarte. Wichtig und oft übersehen: Die Nadel des Plattenspielers muss geerdet sein! Deswegen hängt an fast allen Plattenspielern ein dünnes schwarzes Kabel, das am Ende blank ist. Das Ende klemmen Sie am Masseanschluss des Vorverstärkers mit Hilfe der dort angebrachten Schraube fest. Hat Ihr Vorverstärker keinen Masseanschluss, schließen Sie das Kabel einfach unter einer Gehäuseschraube Ihres PCs an.

Abbildung 1

Abbildung 1: Den Preamp benötigen Sie, um das Signal des Plattenspielers zu entzerren.

Unter Ubuntu sind entweder der Eingang oder der Ausgang der Soundkarte aktiv. Das heißt, Sie müssen für Aufnahmen Ihre Soundkarte anders einstellen. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf das Lautsprechersymbol im Panel und wählen Sie dort Audio-Einstellungen. Im Dialogfenster wechseln Sie dann zum Register Hardware, wo Sie mit der linken Maustaste Ihre Soundkarte markieren – das eventuell vorhandene USB-Headset ignorieren Sie getrost. Unter Einstellungen für das gewählte Gerät suchen Sie nun noch das Profil Analog Stereo Input aus. Diese Einstellung wird sofort aktiv, Sie müssen also die Audio-Einstellungen nicht schließen – später brauchen Sie den Dialog nochmal.

Starten Sie nun Audacity über den Eintrag Unterhaltungsmedien im Startmenü. Zunächst machen Sie den MP3-Encoder Lame mit Audacity bekannt. Dazu klicken Sie in der Menüleiste auf Bearbeiten und wählen dann den Eintrag Einstellungen aus. Über Libraries gelangen Sie in den entsprechenden Dialog, wo Sie den MP3-Codec-Eintrag bereits vorfinden sollten. Wenn nicht, klicken Sie auf die Schaltfläche suchen, geben dann den Pfad /usr/lib/libmp3lame.so.0 ein und klicken auf OK.

Starten Sie nun Ihre Schallplatte oder Kassette und klicken Sie bei Audacity auf das Aufnahmesymbol (roter Punkt). Nun zeigt die Software die Aufnahmepegel beider Kanäle grafisch als fortlaufende Wellen an (Abbildung 2). Den Eingangspegel können Sie rechts oben am Schieberegler neben dem Mikrofonsymbol justieren, das Signal sollte die 1,0-Markierung nicht erreichen. Genügen die Justiermöglichkeiten von Audacity nicht aus, stellen Sie das Eingangssignal alternativ über die Audio-Einstellungen im Reiter Aufnahmelautstärke ein. Achten Sie ferner darauf, dass Sie möglichst einige Sekunden des üblichen Rauschens zu Beginn mit aufnehmen! Das brauchen Sie später zur Rauschunterdrückung. Nehmen Sie die ganze Seite der LP oder Kassette in einem Rutsch auf. Ist die Aufnahme beendet, klicken Sie auf Stop (gelbes Quadrat).

Abbildung 2

Abbildung 2: Das Audiosignal der beiden Kanäle eines Songs zeigt Audacity in Wellenform an.

Nun folgt die Nachbearbeitung. Dazu stellen Sie erst einmal das Soundsystem auf Wiedergabe zurück. Im Dialog der Audio-Einstellungen klicken Sie erneut auf das Register Hardware und weisen Ihrer Soundkarte das Profil Analog Stereo Output zu. Dann entfernen Sie bei der Aufnahme in Audacity das unvermeidliche Hintergrundrauschen. Dazu markieren Sie im Tonspurfenster mit der Maus den Bereich am Anfang der Aufzeichnung, der vor dem eigentlichen Beginn der LP oder Kassette liegt. Sie erkennen diese stille Passage am sehr flachen Kurvenverlauf. Hier haben wir Rauschen pur! Zum Markieren klicken Sie einfach an das Ende des Rauschens, knapp vor den Anfang des ersten Stücks der Aufnahme. Im Bearbeiten-Menü wählen Sie nun den Punkt Auswählen und dann Spuranfang bis Cursor. Damit ist das Referenzrauschen markiert. Nun öffnen Sie im Menü Effekt den Dialog Rauschentfernung und klicken auf die Schaltfläche Rauschprofil ermitteln. Öffnen Sie den Dialog erneut und klicken Sie diesmal auf OK. Die Standardeinstellungen sollten in der Regel ein gutes Ergebnis liefern.

Knackgeräusche filtern Sie auf ähnliche Art heraus: Im Effektmenü starten Sie den Klick-Filter. Hier brauchen Sie bei den Einstellungen etwas Geduld. Spielen Sie mit den beiden angezeigten Parametern, bis Sie ein zufriedenstellendes Ergebnis haben. Keine Angst, die Aufnahme wird dabei nicht ruiniert. Mit [Strg]+[Z] machen Sie alle Änderungen jederzeit wieder rückgängig. Sollten Sie nach dem Anwenden des Filters noch immer Knackser hören, markieren Sie nur den jeweiligen Bereich der Aufnahme und wenden Sie den Effekt nur auf diesen Abschnitt an.

Der letzte Bearbeitungsschritt ist das so genannte Normalisieren. Dabei wird die Lautstärke der Aufnahme auf einen Spitzenwert von 0 db angehoben. Wählen Sie dazu im Effektmenü den Eintrag Normalisieren aus und klicken Sie dann auf OK. Damit ist Ihre Aufnahme schon so gut wie fertig.

Im letzten Schritt zerlegen Sie die Aufnahme noch in einzelne Tracks. Verschaffen Sie sich erst einmal einen Überblick über die Aufnahme und klicken Sie auf das Lupensymbol mit dem Pluszeichen in der Menüleiste. Nun erscheinen die stillen Passagen zwischen den einzelnen Tracks als flache Linien. Klicken Sie in die Stille zwischen dem ersten und dem zweiten Titel und setzen Sie per [Strg]+[ B] eine Markierung an diese Stelle. Auf die Weise markieren Sie auch die Track-Grenzen zwischen den verbleibenden Titeln. Nach dem letzten Titel müssen Sie keine Markierung festlegen.

Nun exportieren Sie die einzelnen Tracks als MP3-Dateien. Öffnen Sie dazu im Menü Datei den Dialog Mehrere Dateien exportieren. Geben Sie das Verzeichnis an, in dem Sie die Dateien speichern wollen, und legen Sie als Dateiformat MP3 fest. Über die Schaltfläche Optionen legen Sie die Qualität Ihrer MP3s fest, 128 kbit/s sollten es mindestens sein. Grundsätzlich gilt: Je höher die Sampling-Rate, desto besser der Klang und desto größer die Datei. Aktivieren Sie auch auf jeden Fall die Option Tondaten vor der ersten Textmarke mit einschliessen – andernfalls fehlt der erste Track. Klicken Sie auf Export, öffnet sich ein letztes Fenster, in dem Sie die Metadaten der MP3-Dateien – die so genannten ID3-Tags – eingeben. Anschließend erzeugt Audacity die Dateien.

MP3 oder OGG?

MP3 ist kein offener Standard. Verschiedene Unternehmen besitzen Patente für Teilverfahren der Kodierung. Damit passt der Codec streng genommen nicht zur Philosophie von Linux. Als Alternative im Open-Source-Umfeld bietet sich der freie Codec OGG/Vorbis an. Einige Geräte, wie der im Heft vorgestellte Sansa Fuze, unterstützen dieses Audioformat – zum Betanken von iPod und Co. brauchen Sie hingegen MP3s.

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