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Mix it, Baby!

PulseAudio erklärt

Rhythmbox soll Musik an die Stereoanlage schicken, während Sie über Ihr Bluetooth-Headset telefonieren und der Instant Messenger leise über die eingebauten Boxen plingt. Geht nicht? Doch: Mit dem flexiblen Soundserver PulseAudio ist so gut wie alles möglich.

Das Audiosystem von Linux – und damit auch Ubuntu – ist historisch gewachsen und demzufolge leider etwas unübersichtlich. Angefangen von Soundarchitekturen wie ALSA oder OSS, über Soundserver wie PulseAudio und Jack, müssen Sie das Gestrüpp etwas lichten, um einen Überblick zu gewinnen. Hinzu kommt, dass im Soundbereich heute andere Hardware-Anforderungen herrschen. Besaßen Computer früher eine Soundkarte, kommunizieren sie heutzutage mit einer Vielzahl von Multimedia-Geräten. Da gibt es unter Umständen neben der auf dem Mainboard integrierten Soundkarte, Audiogeräte, die via Bluetooth kommunizieren, USB-Geräte, die Sie ab- und anstöpseln usw. Wir wollen hier nicht das komplette System mit allen Alternativen erklären, sondern nur die Bausteine beleuchten, mit denen Sie im Alltag als Ubuntu-Anwender in Kontakt kommen.

Das Audiosystem von Ubuntu setzt prinzipiell auf die zwei Eckpfeiler: ALSA [1] und PulseAudio [2] auf. ALSA (die Abkürzung steht für "Advanced Linux Sound Architecture") übernimmt dabei die hardwarenahe Arbeit und spricht über den Kernel die Soundkarten an. PulseAudio dagegen richtet sich eher an den Benutzer des System. Es sammelt die Audioausgaben der einzelnen Programme ein, mischt und steuert die unterschiedlichen Signale und übergibt diese dann an ALSA, das sie an die Soundkarten weiterreicht. Das hat unter anderem den Vorteil, dass die hohe Komplexität von ALSA mit seinen unzähligen Mixern (Abbildung 1) hinter der einfacheren Logik von PulseAudio verschwindet.

Abbildung 1

Abbildung 1: Die Vielfalt der durch ALSA offerierten Mixer kann verwirren.

PulseAudio unterscheidet zwischen so genannten Quellen (etwa Programme, die Audiosignale erzeugen oder Line-In- und Mikrofon-Eingänge der Soundkarten, engl. sources) und Senken (Ausgänge der Soundkarten, andere PulseAudio-Server im Netzwerk oder gänzlich andere Prozesse, engl. sinks). Als Vorteil beim Einsatz von PulseAudio erweist sich die enorme Flexibilität: Audioprogramme kommunizieren nicht mehr direkt mit ALSA, sondern mit dem PulseAudio-Soundserver. Dieser bietet nicht nur Senken für ALSA, sondern auch für andere Soundsysteme wie OSS oder solche Programme an, die versuchen, direkt mit der Soundkarte zu sprechen. Das verhindert, dass einzelne Programme die Soundkarte blockieren, wodurch andere Anwendungen keinen Ton mehr ausgeben können.

Als Anwender müssen Sie sich unter Ubuntu nicht unbedingt am Audiosystem abarbeiten. ALSA kooperiert mit fast allen Soundkarten, nur extrem neue Hardware müssen Sie eventuell mit Eingriffen zur Zusammenarbeit bewegen. PulseAudio arbeitet gewöhnlich unauffällig im Hintergrund. Wollen Sie jedoch etwas mehr aus Ihrem System herausholen oder spezielle Anwendungsfälle umsetzen, müssen Sie sich etwas in die Thematik einarbeiten.

Konfigurationswerkzeuge

Gnome bietet schon seit der Version 2.26 (seit Ubuntu 8.10) die Möglichkeit, direkt PulseAudio zu verwenden. Die entsprechenden Audioeinstellungen finden Sie unter System | Einstellungen | Klang oder alternativ über die Audio-Einstellungen, die Sie per Linksklick auf das Lautsprechersymbol im Panel erreichen.

Abbildung 2

Abbildung 2: Der Audio-Mixer der Gnome-Desktopumgebung.

Der Dialog präsentiert sich überschaubar (Abbildung 2). Im Reiter Klangeffekte legen Sie Warntöne und Klänge für Ihr System fest. Dies hat mit PulseAudio noch wenig zu tun, interessant sind die restlichen Reiter. Unter Hardware finden Sie sämtliche Audiogeräte, die PulseAudio in Ihrem System aufspürt. Der Reiter dürfte Sie besonders interessieren, wenn Sie über Dolby-Digital-5.1 oder -7.1 verfügen. Mit Hilfe der Einstellungen sorgen Sie hier dafür, dass PulseAudio die Klänge korrekt auf die verschiedenen Boxen verteilt.

Die Reiter Eingabe und Ausgabe zeigen die Aufnahme- und Abspielfunktionen der Geräte getrennt an. Über das Optionsfeld vor den Einträgen bestimmen Sie, welches Audiogerät aktuell für die Aufnahme bzw. das Abspielen von Klängen sorgt. Dies ist auch im laufenden Betrieb möglich, Sie leiten also die Ausgabe von Musik nahtlos von Ihren an die Soundkarte angeschlossenen externen Boxen auf Ihr Bluetooth-Headset um und legen zugleich fest, dass Sie das Mikrofon Ihrer USB-Webcam als Eingangsgerät benutzen.

Im Register Anwendungen nehmen Sie für jedes Programm einzeln Einstellungen vor. Um etwa die Lautstärke von Instant-Messaging-Programmen wie Empathy oder Pidgin zu reduzieren, starten Sie das betroffene Programm und regeln hier die individuelle Lautstärke herunter (Abbildung 3). So erschrecken Sie nicht mehr, wenn der Messenger, während Sie laut Musik oder Filme abspielen, plötzlich ein Ping-Geräusch absondert. Die hier getroffenen Einstellungen speichert Ubuntu und lädt sie beim nächsten Start des Programms automatisch wieder.

Abbildung 3

Abbildung 3: Die Lautstärke individuell pro Anwendung regeln.

Kein Ton zu hören? Das Mikro bleibt stumm?

Viele Anwender stehen vor dem Problem, dass Ubuntu Klänge nicht abspielt bzw. nichts über das Mikrofon aufnimmt. Besonders massiv geschieht das, wenn das System über mehrere Audiogeräte, also etwa eine eingebaute Soundkarte, ein Bluetooth Headset und/oder eine USB-Webcam mit eingebautem Mikrofon, verfügt.

Über Gnomes Konfigurations-Tools lösen Sie das Problem meist recht einfach durch die Wahl der richtigen Audiogeräte. Gehen Sie dazu in die eben beschriebenen Audio-Einstellungen und kontrollieren Sie, ob die Wahl der Geräte stimmt. Andernfalls versucht Ubuntu vielleicht gerade, Klänge über die eingebaute Soundkarte auszugeben, an der aber gar keine Lautsprecher hängen.

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