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© Dana Bartekoske, 123RF

Volle Kontrolle

Ubuntus Launchpad über Nautilus nutzen

Das Ground-Control-Projekt holt Ubuntus Entwicklerplattform Launchpad auf Ihren Desktop. So entwickeln und verbessern Sie Ubuntus Software bequem über den Dateimanager Nautilus.

Die Dienste von Launchpad [1] bilden die Grundlage für den Erfolg von Ubuntu. Die Plattform verwaltet den Quellcode, nimmt die Bug Reports auf, übernimmt die Projektplanung, beherbergt die PPAs und vieles mehr. Der einzige Wermutstropfen: Da es sich um einen webbasierten Dienst handelt, müssen Sie neben den Werkzeugen, die Sie zum Programmieren verwenden, auch immer den Browser benutzen.

Zumindest war das bisher so, Martin Owens Ground-Control-Projekt [2] will das ändern. Es integriert die wichtigsten Aktivitäten von Launchpad in die Desktop-Umgebung. Ground Control übernimmt unter anderem das Anmelden bei Launchpad, das Herunterladen von Code, das Verwalten der Code-Revisionen und Integrationsanfragen. All das erledigt es aus Ubuntus Dateimanager heraus.

Das Projekt finden Sie momentan auf Launchpad. Es verändert sich rasant; zur Zeit des Schreibens ist die Version 1.6.5 aktuell. In den offiziellen Paketquellen von Ubuntu steckt aber noch die stark fehlerbehaftete Version 1.5. Um immer auf dem aktuellsten Stand zu bleiben, binden Sie daher das PPA von Martin Owens (deb http://ppa.launchpad.net/doctormo/groundcontrol/ubuntu lucid main) in den Paketmanager ein und installieren das Paket groundcontrol.

Ground Control wurde in Python geschrieben, das Ubuntu bereits vorinstalliert. Die einzige andere Abhängigkeit ist die Versionsverwaltung Bazaar, die Sie benötigen, um Ground Control mit einem vernünftigen Quellcode-Management auszustatten.

Start

Haben Sie Ground Control installiert, müssen Sie Nautilus zuerst neu starten. Auf diese Weise verbinden Sie Ground Control mit dem Dateimanager. Im Test mussten wir zudem manuell einen Ordner namens Projects anlegen.

Um einen ersten Geschmack von der neuen Kooperation zu bekommen, öffnen Sie den Projects-Ordner in Nautilus (Abbildung 1). Oberhalb des Fensters sehen Sie einen kleinen Nachrichtenbereich. Über diesen lässt Ihnen Nautilus Mitteilungen zukommen, wenn Sie eine Aktion ausführen. Hier legt es auch Schaltflächen ab, über die Sie verschiedene Aufgaben erledigen. Diese erscheinen mitunter auf englisch, noch gibt es keine vollständige Übersetzung für Ground Control.

Abbildung 1

Abbildung 1: Der Projektordner in Nautilus: Melden Sie sich das erste Mal an, muss sich Ground Control mit Launchpad verbinden und Code herunterladen.

Benutzen Sie Ground Control zum ersten Mal, erscheint die Schaltfläche Identify Yourself (Abbildung 2). Sind Sie bereits auf Launchpad registriert, melden Sie sich über den Button dort an. Falls nicht, registrieren Sie sich zunächst. Ground Control verwendet SSH, um die Verbindung zwischen Ihrem Client und dem Server zu verschlüsseln. Besitzen Sie noch keinen SSH-Schlüssel für Ihren Launchpad-Zugang, müssen Sie einen generieren, wofür Sie lediglich ein Passwort angeben. Ohne Schlüssel scheitert das Anmelden aber.

Abbildung 2

Abbildung 2: Nach dem Anmelden auf Launchpad müssen Sie unter Umständen noch passende SSH-Schlüssel generieren.

Haben Sie sich einmal angemeldet, synchronisieren Sie Ihren Projects-Ordner mit einem der zahlreichen Launchpad-Projekte. Über den Knopf Fetch Project rufen Sie ein Suchfenster auf, das Ihnen Links zu Projekten anzeigt, die Ihren Suchkriterien entsprechen (Abbildung 3). Für jedes ausgewählte Projekt legt Ground Control einen neuen Ordner an.

Abbildung 3

Abbildung 3: Für jedes ausgewählte Projekt legt Ground Control einen eigenen Ordner an.

Bearbeiten und Einpflegen

Um dann tatsächlich mit einem neu verlinkten Projekt zu arbeiten, müssen Sie zunächst einen Entwicklungszweig herunterladen. Dazu wechseln Sie in den eben angelegten Projektordner und klicken darin auf Fetch Branch. Das ruft ein neues Fenster auf den Plan, das die verfügbaren Zweige zeigt, inklusive ihrer Namen und Besitzer. Am unteren Ende des Fensters wählen Sie, ob Sie den Code nur ansehen (Checkout), Ihren Zweig herunterladen oder an einem eigenen lokalen Zweig arbeiten (Branch). Der einzige Unterschied zwischen den beiden letzten Optionen: Gehört Ihnen der Launchpad-Zweig (sie können auf Launchpad eigene Zweige anlegen), müssen Sie keine Integrationsanfrage stellen, bevor Sie den Code hochladen.

Für jeden Projektzweig, den Sie herunterladen, erstellt Ground Control ein eigenes Quellcodeverzeichnis. So verwalten Sie mehrere Zweige und müssen sich keine Sorgen machen, diese zu vermischen. Die lokale Quellcode-Kopie bearbeiten Sie dann im Editor Ihrer Wahl. Das System benutzt Bazaar, um lokale Änderungen im Blick zu behalten.

Wann immer Sie eine veränderte Datei speichern, erscheinen in Nautilus zwei neue Schaltflächen. Über eine von ihnen können Sie Änderungen rückgängig machen. Haben Sie eine neue Datei angelegt, verschwindet diese aus dem Ordner, sobald Sie auf das Knöpfchen drücken. Anschließend sperrt Bazaar den Ordner und erst ein Klick auf den Button Unlock gibt ihn wieder frei.

Zudem bemerken Sie eine Schaltfläche mit der Beschriftung Änderungen einchecken. Diese benutzen Sie, um jederzeit Ihre Modifikationen in Launchpads Softwareverwaltung einzupflegen. Arbeiten Sie an einem Zweig von jemand anders, öffnet sich nach einem Klick auf den Button ein Fenster, über das Sie eine Integrationsanfrage schicken. (Abbildung 4). Dabei erklären Sie, was Ihre Änderungen bewirken. Nach dem Hochladen gibt das System den Code zur Begutachtung frei. Die Ubuntu-Entwickler schauen nun, ob sie ihn verwenden können oder nicht. Leider lässt sich der Status einer Integrationsanfrage momentan nur über den Browser verfolgen.

Abbildung 4

Abbildung 4: Bevor Sie Code hochladen, beschreiben Sie die von Ihnen vorgenommene Veränderung.

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