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Erste Schnitte

Videos bearbeiten mit Pitivi

Filme vom Handy, aus der Heimkamera oder vom Profigerät bearbeiten und exportieren – der digitale Videoeditor Pitivi macht's möglich.

Videos bearbeiten Sie in Ubuntu 10.04 neuerdings out of the box: Die Distribution hat erstmals einen Videoeditor an Bord. Der hört auf den Namen Pitivi und setzt auf das Gstreamer-Multimedia-Framework; den gleichen Unterbau nutzen auch andere Ubuntu-Mediaplayer wie Rhythmbox und Totem. Die Gstreamer-Nutzung hat den Vorteil, dass Pitivi beim Import und Export automatisch ein breites Spektrum von Video-, Audio- und Bildformaten unterstützt – einfach, weil Gstreamer diese versteht. Dass die mitgelieferte Version dabei die Nummer 0.13.4 trägt, zeigt, dass der Player sich noch in einem frühen Entwicklungsstadium befindet. Suchen Sie einen adäquaten Ersatz für kommerzielle Schnittprogramme wie Adobes Premiere oder Apples Final Cut, liegen Sie bei Pitivi sicher falsch. Für anspruchsvolle Fälle greifen Sie unter Linux besser zu Cinelerra oder Kdenlive.

Um Pitivi sinnvoll zu nutzen, sollten Sie zusätzlich einige Gstreamer-Plugins und Codecs installieren. Im Idealfall erhalten Sie dadurch stets die passende Unterstützung für das gerade verwendete Dateiformat. Öffnen Sie das Software-Center und spielen Sie folgende Pakete ein: Gstreamer-Plugins für FFMPEG-Video, Gstreamer-Plugins für MMS, Wavpack, Quicktime, Musepack, Gstreamer-Plugins für AAC, XVID, MPEG2, FAAD, Zusätzliche Gstreamer-Plugins sowie Eingeschränkte Extras für Ubuntu. In Einzelfällen müssen Sie eine vorhandene Datei in ein anderes Format umwandeln, bevor Pitivi sie akzeptiert: Auf ASF-Dateien reagierte die Software im Test beispielsweise allergisch – mit einer Fehlermeldung.

Abbildung 1

Abbildung 1: Zusätzliche Codecs und Gstreamer-Plugins für Pitivi installieren Sie über Ubuntus Software-Center.

Haben Sie Ihr Videomaterial bereits zur Hand, kann es gleich losgehen. Existierende Filme holen Sie am besten direkt von Ihrer Kamera auf den Arbeitsrechner. Meist geht es am schnellsten, wenn Sie das Gerät über ein USB-Kabel anschließen und die Dateien in einen lokalen Ordner kopieren. Um Videos von band-basierten Kameras (DV) auf die Festplatte zu bekommen, helfen Anwendungen wie Kino sowie ein Firewire-Kabel.

Wollen Sie hingegen nur ein wenig mit Pitivi experimentieren, laden Sie einfach Clips aus dem Internet [1] herunter, die unter der Creative-Commons-Lizenz stehen. Oder Sie verwenden die Audio- und Videobeispiele aus Ubuntus "Free Culture Showcase", die Sie im Ordner /usr/share/example-content vorfinden.

Film ab!

Sind die Videodateien an ihrem Platz, starten Sie Pitivi und machen sich mit der Oberfläche vertraut. Ein paar wichtige Schaltflächen zum Importieren von Clips, zum Speichern und zum Erzeugen von Projekten finden Sie oben im Fenster unterhalb der Menüseinträge. Den größten Teil des Bildschirms teilen sich die Clip-Bibliothek, das Vorschaufenster und die Zeitlinie (Abbildung 2).

Abbildung 2

Abbildung 2: Den meisten Platz in der Pitivi-Oberfläche verbrauchen die Clip-Bibliothek, das Vorschaufenster und die Zeitlinie.

Die Clip-Bibliothek ist ein Browser für die Medienschnipsel, die Sie in Ihr Projekt laden. Je größer das Projekt, desto schwieriger behalten Sie den Überblick über die benutzten Clips. Deshalb zeigt jeder Eintrag im Browser ein Mini-Vorschaubild.

Beim Vorschaufenster rechts handelt es sich um einen eingebetteten Videoplayer, den Sie nutzen, um individuelle Clips oder Standbilder Ihres Projekts zu betrachten. Der Player verfügt über die üblichen Abspielfunktionen wie einen schnellen Vorlauf, Rücklauf und das Springen durch die Clips. Die Uhr liefert einen Zeitstempel, was sinnvoll ist, um an einem bestimmten Punkt einen Schnitt zu setzen. Ein Doppelklick auf ein Videoelement in der Bibliothek startet – theoretisch – die Wiedergabe im Vorschaufenster – im Test klappte das jedoch nicht. Stattdessen spielen Sie einen Schnipsel ab, indem Sie mit der rechten Maustaste auf ihn klicken und Clip wiedergebenaus dem Kontextmenü wählen. Ein Klick auf die Zeitlinie zeigt das dabei ausgewählte Standbild an.

Die tatsächliche Arbeit beim Montieren eines Videos findet im Zeitlinienbereich unten im Fenster statt. Ganz oben zeigt eine Zeitskala die jeweiligen Längen der Video- und Audiospuren an. Alle Videoclips in der Zeitlinie tauchen in mehreren Reihen oberhalb der Audioclips auf. Auf diese Weise behalten Sie Bildübergänge leichter im Blick.

Die Arbeit mit Pitivi erweist sich als sehr mauslastig. Sie bewegen Clips, indem Sie diese mit der linken gedrückten Maustaste in der Zeitlinie verschieben, ändern die Lautstärke per Mausklick und so weiter. Benötigen Sie mehr Platz, um die Clips auf der Zeitlinie anzusehen, ändern Sie die Perspektive über den Schieberegler links neben der Zeitskala.

Bearbeiten

Es gibt zwei Möglichkeiten, Clips in ein Projekt zu importieren: Nutzen Sie die Schaltfläche Clips importieren oder ziehen Sie Dateien aus dem Dateimanager per Drag & Drop in das Pitivi-Fenster. Wahlweise importieren Sie auch mehrere Clips auf einmal, indem Sie bei der Auswahl [Strg] drücken. Die Anwendung scannt die importierten Clips und schiebt sie in die Bibliothek. Klappt der Import nicht (etwa weil ein Codec fehlt), erscheint eine Meldung mit weiteren Informationen dazu, wo es hakt. Wichtig: Beim Importieren legt Pitivi keine Kopie des Clips an. Haben Sie also ein Platzproblem, ist das kein Grund zur Sorge. Änderungen am Original nimmt die Software nicht vor.

Um nun Ihr Video zusammen zu basteln, ziehen Sie das Material von der Clip-Bibliothek auf die Zeitlinie. Der Videoinhalt erscheint als Videospur, die aus einer Abfolge von Standbildern besteht, welche sich über die Länge der Zeitlinie verteilen. Der Audioinhalt erscheint als Audiospur, die – wenn der Clip Sound mitbringt – eine Wellenform beinhaltet. Über die Schaltflächen mit dem Vergrößerungswerkzeug links oben neben der Zeitskala zoomen Sie in die Spuren hinein und aus ihnen heraus.

Fügen Sie der Zeitlinie so viele Clips hinzu, wie Sie wollen. Neu eingefügte Clips hängt Pitivi meist an das Ende bereits vorhandener Clips. Obwohl Pitivi die Video- und Audio-Streams in separate Reihen zerlegt, verbindet es die Audio- und Videospuren eines einzelnen Clips automatisch miteinander (Abbildung 3). Bewegen Sie eine der beiden Spuren, folgt die andere, so dass die perfekte Übereinstimmung gewährleistet bleibt. Der Pitivi-Terminologie folgend bleiben die beiden Spuren gruppiert. Mit den Schaltflächen am unteren Bildrand oder über den Menüeintrag Zeitlinie gruppieren Sie Tracks und ordnen diese neu an.

Abbildung 3

Abbildung 3: Pitivi verbindet den Audio- und Videoteil eines Clips automatisch, damit Sie beim Verschieben nicht ungewollt die Spuren trennen.

Ein ähnlicher Grundgedanke steckt hinter der Möglichkeit, Clips miteinander zu verknüpfen. Der Unterschied: Sie kombinieren beim Verknüpfen eine beliebige Zahl an Audio- und Videospuren miteinander, ohne sie zu synchronisieren. So bleibt die relative Position zueinander auch erhalten, wenn Sie diese auf der Zeitschiene hin und her bewegen. Dies ist komfortabel, wenn Sie einen Film mit vielen Schnitten bearbeiten.

Bei der Arbeit mit mehreren Clips bietet Pitivi Ihnen zudem an, die so genannte Ripple-Technik zu verwenden. Dazu drücken Sie [Strg], während Sie einen Teil eines Clips aus der Zeitlinie entfernen. Der folgende Clip füllt dann automatisch die entstandene Lücke.

Überlappen mehrere Videotracks auf der Zeitschiene, sehen Sie im fertigen Video nur die unterste Videospur. Überlappen hingegen mehrere Audiotracks, hören Sie im fertigen Film alle zugleich. Letzteres erweist sich als sinnvoll, wenn Sie etwa eine Szene um Hintergrundmusik ergänzen wollen, ohne den Originalton zu verlieren. Möchten Sie die relative Lautstärke des Tracks ändern, verschieben Sie die rote horizontale Lautstärkelinie in der Mitte der jeweiligen Audiospur. Indem Sie die Linie selbst markieren, steigern und vermindern Sie die relative Lautstärke des gesamten Clips. Klicken Sie hingegen auf einen der Kontrollpunkte der Linie, verstellen Sie die Lautstärke an einer bestimmten Stelle – auf diese Weise blenden Sie den Ton ein oder aus (Abbildung 4). In der Standardeinstellung gibt es allerdings zunächst nur zwei Kontrollpunkte am Anfang und Ende des Clips. Durch Doppelklicks auf die Lautstärkelinie fügen Sie weitere Kontrollpunkt ein und bestimmen so sekundengenau die Dauer einer Audioblende.

Abbildung 4

Abbildung 4: Die rote Linie innerhalb der Audiospur symbolisiert die relative Lautstärke. Diese Linie verschieben und ergänzen Sie um zusätzliche Kontrollpunkte. So blenden Sie den Sound langsam ein und aus.

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