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Mobile Disco

Videos und Musik unterwegs

Wer nach einem MP3-Player mit Komfort sucht, wird beim Sansa Fuze fündig. Der spielt nicht nur freie und proprietäre Audio-Formate ab, sondern auch Videos und lässt sich über Ubuntu bequem verwalten.

Wer Apples Firmenpolitik nicht mag, steht beim Kauf eines MP3-Players vor einem Dilemma: Scheinbar jeder hat mittlerweile einen iPod, sei es ein Classic, Touch oder Nano. Die Player sehen auch wirklich gut aus und lassen sich intuitiv bedienen. Bekannte Alternativen gibt es nicht, sieht man mal von Microsofts Zune ab, der für einen überzeugten Linux-Anwender eher keine Kaufoption ist.

Stöbert man aber ein wenig im Internet, stößt man doch auf Alternativen – eine davon stellen wir heute vor. Sandisk kennt man eher von den kleinen blauen SD-Speicherkarten, die in zahlreichen Mobilgeräten stecken, vor allem in Kameras. Die Firma bringt aber auch eine Reihe von Audioplayern raus – die Sansa-Reihe. Die Player gibt es in verschiedenen Ausführungen, auf Amazons Hitliste stand zum Zeitpunkt des Kaufs der Sansa Fuze (Abbildung 1) [1] ganz oben. Der ist mit zur Zeit 75 Euro vergleichsweise günstig, sieht gut aus (es gibt ihn in verschiedenen Farben), lässt sich intuitiv bedienen und hat eine ganze Latte interessanter Features an Bord. Zudem stimmt die Soundqualität, und Sie betanken ihn problemlos über den Ubuntu-Desktop.

Abbildung 1: Der Sansa Fuze passt in eine Handfläche und unterstützt neben freien und unfreien Audio-Formaten auch Videos und Fotos.

Was ist drin?

Am auffälligsten am Fuze ist sein 1,9-Zoll-Display. Das dient dem Gerät nicht nur als Benutzeroberfläche, sondern zeigt auch bewegte Bilder flüssig an. Dank einem internen Speicher von 8 GByte (es gibt auch Versionen mit weniger Speicher) passt einiges an Filmmaterial auf das Gerät. Sie erweitern den Speicherplatz des Players zudem über MicroSD-Karten. Auch die Fotosammlung kopieren Sie auf Wunsch auf den Fuze und haben so immer Ihre Lieblingsschnappschüsse im Gepäck.

Ansonsten spielt das Gerät natürlich Musik in den unterschiedlichsten Formaten ab, zu denen MP3, WMA, Secure WMA, WAV und Audible gehören. Spielen Sie eine aktuelle Firmware ein, wie es der Artikel weiter unten beschreibt, unterstützt der Fuze sogar die freien Formate OGG (verlustbehaftet) und FLAC (verlustfrei). Er sortiert die Songs anhand ihrer Id3-Tags nach Alben, Interpreten und Genres. Über Wiedergabelisten organisieren Sie Ihre Musiksammlung nach eigenen Wünschen. Auch Alben-Cover zeigt der Sansa an, allerdings bringt er keinen Cover Flow mit wie der iPod.

Für Nachrichten-Junkies hat der Player einen FM-Radio-Empfänger an Bord. Kommt Ihnen gerade ein wichtiger Gedanke, halten Sie ihn über die eingebaute Diktierfunktion fest. Alle Funktionen erreichen Sie komfortabel über ein Scrollrad. Beispielsweise ändern Sie die Lautstärke mit einer Hand in der Hosentasche, indem Sie beim Abspielen eines Songs einfach am sprichwörtlichen Rad drehen. Die integrierte ReplayGain-Funktion sorgt dafür, dass der Fuze die Lautstärke unterschiedlicher Titel automatisch auf einen Level bringt. Sie erreichen die Funktion in den Einstellungen. Dort erwarten Sie noch diverse andere Schräubchen, an denen Sie drehen, um den Sansa Ihren Wünschen anzupassen – etwa die Energiespar-Optionen. Ein voll aufgeladener Sansa spielt etwa 20 Stunden nonstop Musik ab. Sehen Sie Filme, dürfte die Batterie früher schlappmachen.

Das Aufladen funktioniert über ein USB-Kabel, das Sie an Ihren Rechner stöpseln, woraufhin sich das Gerät auf Ubuntus Desktop meldet (Abbildung 2). Im Dateimanager mounten Sie es per Mausklick auf den Namen und befüllen es dann mit neuen Dateien (Abbildung 3). Der Nachteil: Im Auflademodus schweigt der Player. Ein weiterer Nachteil: Hängen Sie ihn nach dem Aufladen wieder aus, aktualisiert er seine Datenbank. Das kann sich – abhängig von der Größe der Musiksammlung – mitunter eine Weile hinziehen.

Abbildung 2

Abbildung 2: Verbinden Sie den Sansa per USB-Kabel mit dem Rechner, erscheint ein Icon auf dem Desktop. Ubuntu fragt Sie zugleich, was Sie mit Player vorhaben.

Abbildung 3

Abbildung 3: Ein Mausklick öffnet die Ordnerstruktur des Fuze im Dateimanager. Hier befüllen Sie ihn mit neuen Dateien.

Feste Ware

Der Sansa lernt dazu: Aktualisierte Firmware beseitigt alte Macken und bringt dem Gerät neue Tricks bei. Die Unterstützung für OGG und FLAC geht etwa auf ein Firmware-Update zurück. Die Entwickler lesen offenbar die Sandisk-Foren [2] mit, in denen Benutzer Probleme schildern oder neue Features vorschlagen.

Ein Firmware-Update einzuspielen, klingt zunächst bedrohlich. Läuft etwas schief, besteht tatsächlich im schlimmsten Fall die Möglichkeit, dass Ihr Gerät nicht mehr funktioniert – Sie wurden gewarnt. Folgen Sie aber den angegebenen Schritten, sollten Sie keine Überraschungen erleben. Treten mit der neuen Firmware Probleme auf, spielen sie einfach die alte Firmware auf den Player zurück.

Die neueste Version finden Sie jeweils im Sandisk-Forum [3]. Die von uns getesteten Varianten tragen die Versionsnummern 01.02.31 und 02.03.31 – es gibt den Sansa Fuze tatsächlich in zwei Firmware-Ausführungen. Welche Sie verwenden, müssen Sie vor einem Update ergründen. Dazu wählen Sie im Hauptmenü des Players Einstellungen | Systemeinstellungen | Information aus.

Abhängig von Ihrer Fuze-Variante laden Sie nun das ZIP-Archiv (All Regions) für Ihre Firmware-Version herunter und entpacken es im Dateimanager Nautilus. Anschließend stecken Sie den Sansa an den USB-Port und vergewissern sich, dass die Batterie mehr als 50 Prozent geladen ist. Im nächsten Schritt lassen Sie sich die Ordner im Dateimanager anzeigen (Abbildung 3) und verschieben die entpackte BIN-Datei aus dem Firmware-Archiv in das Wurzelverzeichnis des Players, sodass sie oberhalb der Ordner MUSIC, VIDEO usw. landet.

Warten Sie einen Augenblick, während der Player schreibt und hängen Sie ihn dann über den Dateimanager aus (Aushängen). Auf dem Display erscheint nun der Schriftzug Aktuali. im Gange; im Anschluss schaltet sich der Fuze selbstständig aus. Aktivieren Sie ihn wieder, kommt er nach einem Augenblick zu sich und fordert Sie auf, eine passende Sprache und Region auszuwählen. Damit ist das Firmware-Update komplett. Im Test erhöhten wir von 01.02.26 auf 01.02.31 und fanden im Anschluss auch die zuvor hinterlegten Audio- und Videodateien vor.

Theoretisch gibt es auch eine Version der freien Firmware Rockbox [4] für den Fuze. Diese ist aber noch nicht 100-prozentig ausgereift und bietet kaum Vorteile gegenüber der Originalfirmware von Sandisk.

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