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© Tatiana Popov, 123RF

Begrenzte Freiheit

Multimedia und Codecs

Ubuntu und seine Derivate installieren einige hilfreiche Komponenten nicht: Dazu gehören Codecs zum Abspielen einiger Audio- und Videoformate sowie proprietäre Programme und Grafikkartentreiber.

Fehlt eine wichtige Software in der sehr umfangreichen Programmauswahl von Ubuntu und seinen Derivaten, liegt dem in der Regel ein lizenz- oder patentrechtliches Problem zugrunde. In die erste Kategorie fallen beliebte proprietäre Anwendungen wie Skype, Flash-Player oder Opera. Zur Gruppe der rechtlich problematischen Programme gehören in erster Linie Multimediakomponenten. Zumindest für Ubuntu haben wir Ihnen im aktuellen Heft die Arbeit abgenommen: Auf der Heft-DVD finden Sie ein Ubuntu, das den Flash-Player, Adobe Reader, Skype und Suns Java-Version bereits an Bord hat.

Video- und Audio-Codecs installieren

Generell gibt es verschiedene Anwendungen, die unter Ubuntu, Xubuntu und Kubuntu Musik und Filme abspielen. Der Standardvideoplayer unter Ubuntu und Xubuntu heißt Totem. Rhythmbox respektive Exaile kümmern sich hingegen um die musikalischen Freuden. Unter Kubuntu spielt Dragonplayer Filme ab, während sich Amarok um die Musik kümmert.

Sämtliche dieser Programme unterstützen von Hause aus freie Audio- und Videoformate. Nach einer Standardinstallation bringen sie aber weder Support für MP3-Dateien noch für Videos im Divx- oder Windows-Media-Format mit. Der Grund dafür liegt in patentrechtlichen Problemen: es gibt zwar frei verfügbare Codecs für diese Aufgaben, aber Canonical könnte bei deren Auslieferung Scherereien bekommen, da die Codecs in einigen Ländern unter Patentschutz stehen.

Öffnen Sie deshalb in Totem und Rhythmbox eine nicht unterstützte Multimediadatei, erscheint ein Dialog, der auf die benötigten Codecs hinweist bzw. Ihnen vorschlägt, sie zu suchen. Die Software fischt auf Ihren Befehl hin im Internet nach den passenden Codecs und installiert diese, sobald Sie auf Installieren klicken (Abbildung 1). Lediglich Xubuntus schlanker Audio-Player Exaile erinnert nur mit einer knappen Meldung an fehlende Codecs. Hier spielen Sie das Paket xubuntu-restricted-extras über den Paketmanager ein. Unter Kubuntu finden Sie im Systembereich eine Nachricht, sobald Sie Amarok und Dragonplayer erstmalig starten. Klicken Sie auf Details, schlägt Kubuntu vor, MP3- und Video-Codecs, aber auch Flash, zu installieren (Abbildung 2). Über die Schaltfläche Ausgewählte installieren spielen Sie die Software auf den Rechner.

Unter Ubuntu und Xubuntu endet die Codec-Suche in über 90 Prozent der Fälle bei den passenden Gstreamer-Plugins, wie etwa gstreamer0.10-plugins-ugly, gstreamer0.10-fluendo-mp3 und gstreamer0.10-ffmpeg. Gstreamer ist ein modular aufgebautes Multimedia-Framework. Es stellt diversen Anwendungen Ton- und Bildschnittstellen zur Verfügung. Dadurch müssen die einzelnen Programme keine speziellen Codecs unterstützen; es genügt, wenn sie das Playback über Gstreamer beherrschen.

Um etwa eine MP3-Datei abzuspielen, reicht Totem die Datei an Gstreamer weiter. Die Software kramt im eigenen Fundus nach einem Plugin, das sich um MP3-Formate kümmert. Mit Hilfe des darin enthaltenen Codecs wandelt Gstreamer die Datei in hörbares Material um, das Totem umgehend wieder in Empfang nimmt und über die Lautsprecher ausgibt (Abbildung 3). Um Totem und Rhythmbox neue Dateiformate beizubringen, müssen Sie nur die passenden Gstreamer-Plugins nachinstallieren.

Ähnlich läuft der Hase im Fall von Kubuntu. Zu den installierten Bibliotheken gehören libxine1-ffmpeg, libmp3lame0 und libdvdread4 sowie libk3b6-extracodecs, um mit dem Brennprogramm K3b Audio-CDs aus MP3-Dateien zu erzeugen. Auch der flashplayer-installer landet auf Ihrem Rechner.

Codecs satt

Da die Multimediaanwendungen zunächst nur die unbedingt nötigen Codecs holen, erscheint der Suchdialog eventuell mehrmals. Um das in Zukunft zu verhindern, spielen Sie die "eingeschränkten Extras" ein. Dazu geben Sie im Suchfeld des Software-Centers das Stichwort restricted ein und installieren das Paket Eingeschränkte Extras für Ubuntu bzw. die Variante für Xubuntu. Neben den Codecs landen gleich noch weitere proprietäre Komponenten auf Ihrem Rechner, darunter die Gstreamer-Plugins bad, ugly und ffmpeg, der Flash-Player-Installer, der die neueste Version des Players aus dem Netz holt und installiert, das Archivierungsprogramm Unrar sowie der MP3-Encoder Lame. Unter Kubuntu müssen Sie das Paket über die Kommandozeile einspielen, da KPackageKit es nicht installieren will. Drücken Sie dazu [Alt]+[F2], geben Sie konsole ein und dann den Befehl sudo apt-get install kubuntu-restricted-extras. Über [J] schieben Sie die Installation an.

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