AA_gruppenfoto.jpg

© kwwii, CC-BY-SA 2.0

Hallo, Welt!

Roadmap für Ubuntu 10.10

Vom 10. bis 14. Mai trafen sich rund 370 Ubuntu-Entwickler in Brüssel, um die im Herbst erscheinende Version 10.10, Codename "Maverick Meerkat" auf den Weg zu bringen. Diese geht – so der Plan – einen weiteren Schritt in Richtung Massenpublikum.

Eine Handvoll Verspäteter tröpfelt am 9. Mai, einem Sonntag, spät abends aus dem Zug auf den schiefen Schotterbahnsteig des kleinen belgischen Bahnhofs Hoeilaart. Von hier aus soll es nur ein Kilometer bis zum Hotel-Resort Dolce La Hulpe sein. Die weitläufige Seminaranlage liegt mitten im Wald, hier findet der Ubuntu Developer Summit "M" (für Maverick Meerkat) statt.

Wir folgen einem unbefestigten Waldweg und einer horrend langen Hotelauffahrt, die etwa einen zusätzlichen Kilometer misst. Im UDS-M-Wiki steht später als Kommentar zur Anfahrtsbeschreibung: "… zu addieren ist die längste Hotelauffahrt der Menschheitsgeschichte". Endlich tauchen Summit-Besucher im Sichtfeld der Wanderer auf: Sie quillen aus den Türen der Hotel-Lobby. Insgesamt nehmen 273 Canonical-Mitarbeiter und 93 Community-Mitglieder am UDS-M teil. Sechzig von ihnen sponsert Canonical, 33 sind auf eigene Kosten da. Grinsen überall, in das Schnaufen der Ankömmlinge mischt sich freudige Erwartung. Drinnen gibt es ein großes Hallo, einzelne fallen sich um den Hals, hauen sich auf den Rücken. Das ist Tag Null: Ab morgen entsteht hier Ubuntu 10.10.

Ubuntu von morgen

Ubuntu-Gründer Mark Shuttleworth (Abbildung 1) hat Großes vor. Die "Kluft" zwischen den "Technologie-Enthusiasten" und den normalen Anwendern soll überwunden werden, postuliert er in seiner Keynote am nächsten Morgen. Es ist Montag, der 10. Mai, und Mark steht auf der Bühne des Hörsaal-artigen Keynote-Raums. Die Enthusiasten, damit meint er alle jetzigen Ubuntu-Anwender und Entwickler. Die normalen Anwender – das ist die große Masse der Computernutzer, die Linux bisher noch nicht erreicht hat.

"Diese Vision hatte Mark von Anfang an", erzählt Jane Silber dem Ubuntu User beim abendlichen Treffen an der Bar des Hotel-Foyers. Sie hat den Ubuntu-Gründer im Dezember 2009 als CEO abgelöst, war aber als Chief Operating Officer (COO) schon von Anfang an bei Canonical. Sie sei damals von Marks Vision beeindruckt gewesen, "und ich brauchte einen Job", fügt sie augenzwinkernd hinzu.

Der Visionär und Ubuntu-Gründer Mark Shuttleworth schiebt sich derweilen wie alle anderen durch die wuselnde Menge, grübelt vor dem Programmbildschirm, wo er als nächstes hingehen soll, und hält sich im Arbeitsraum im Hintergrund. Er steht in der langen Schlange beim Essen, wippt bei dem seiner Keynote vorausgehenden Video mit, und macht es sich in seinem Sitz bequem, während er dem aufschlussreichen Vortrag der Designteam-Chefin lauscht.

Während des Summit ist das Gewusel zwischen den Arbeitsräumen, Terrassentüren und Kaffeeräumen so groß, dass es anderen Workshop-Teilnehmern im Hotel auffällt. Und zwar nicht nur positiv: Die Summit-Besucher bedienen sich schon mal an fremden Mittagsbuffets – aus Versehen natürlich. "Was seid Ihr denn für eine Firma?", will ein neugieriger Belgier von mir wissen, da ich auch ein quietschoranges Band mit Ubuntu-Schriftzug trage. Die Erklärung, dass es sich bei Ubuntu um eine Linux-Distribution und nicht um eine Firma handelt, verwirrt ihn eher als dass sie ihm hilft.

Im Kreis um ein Mikrofon

Die Arbeitssitzungen bilden den Mittelpunkt der Veranstaltung. Sie gehen von morgens bis abends und verteilen sich in neun thematischen Tracks über 19 Räume. Überlicherweise laufen sie so ab: Der Track-Moderator eröffnet das Gespräch, moderiert aber nicht im strengen Wortsinn. Zuständig für ein Thema ist gewöhnlich ein Canonical-Mitarbeiter. Die Gespräche verlaufen nach keinem strengen Muster, mitunter steht nicht mehr als das Thema fest.

Doch müssen sich die Teilnehmer erst warm laufen. Zeitweise herrscht Schweigen in der Kernel-Runde. Die Anwesenden sitzen in einem zerklüfteten Halbkreis um einen Mikrofonständer herum. Nicht anwesende Entwickler und Interessenten können das Geschehen so über einen Live-Audiostream verfolgen. An die Wand dahinter malen zwei Beamer ihre Bilder. Der eine zeigt stets den IRC-Chat, der nach dem Raum benannt ist und in dem ein Bot das Thema der nächsten Sitzung ankündigt. Im Kernel-Roundtable schlägt Steve Conklin – Kernel-Entwickler bei Canonical – schließlich vor, seinen neuen Patchtracker vorzustellen. Dafür verwendet er den zweiten Beamer, an den er flugs sein Notebook anschließt (Abbildung 2).

Einem Freund empfehlen