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Guadec 2010: Die Zukunft von Telepathy

Die Gnome-Konferenz Guadec legt fest, in welche Richtung sich Ubuntus Standarddesktop zukünftig entwickelt. Der belgische Entwickler Guillaume Desmottes hat auf der Veranstaltung von den Fortschritten in der Telepathy-Entwicklung [1] berichtet. Zudem zeigte er, wie sich das Messaging-Framework für Chat, Video, Audio und Dateien in die kommende Gnome-Version 3.0 einfügen soll.

Zunächst berichtete der beim Dienstleister Collabora angestellten Entwickler von den Telepathy-Entwicklungen im vergangenen Jahr: Die Dateiübertragung funktioniert nun mit MSN- und Google-Accounts, die Kontaktliste lässt sich durchsuchen, und für MSN- und GMail-Konten gibt es eine Benachrichtigung über neue Nachrichten. Das Protokollieren haben die Entwickler nun vollständig in die neue Logger-Komponente ausgelagert.

Dank der XMPP-Protokollerweiterung Muji [2] entstand ein Client für Videokonferenzen (Abbildung 1). In dem auf dem Telepathy-Framework beruhenden Chat-Client Empathy[3] sind die einzelnen Komponenten nun stärker von einander getrennt. Neben dem eigenständigen Logger laufen nun auch ein eigener Audio- und Video-Client in getrennten Prozessen. Ein Codec-Problem mit dem Video lässt daher die Audio-Qualität unberührt.

Anschließend kam Desmottes auf die Einsatzmöglichkeiten von Telepathy in der kommenden Version 3.0 des Gnome-Desktops zu sprechen. Gnome-Shell, das neue Kernstück der Desktop-Umgebung, zeigt dank Telepathy Chat-Nachrichten in seinem Nachrichtenfeld an. Der Anwender kann in einem Formularfeld direkt unterhalb der Nachricht antworten (Abbildung 2). Hat er gleichzeitig Empathy geöffnet, bekommt das Chat-Programm die Konversation synchron mit.

Geht es nach den Wünschen des Telepathy-Teams, sollen Kontakte als Objekte erster Ordnung im Aktivitätsmenü Platz finden. So ließe sich mit wenigen Mausklicks ein Chat oder Telefonat starten oder eine Datei versenden. Chats landen außerdem in Gnomes Aktivitätsjournal, das auf dem Protokolldienst Zeitgeist beruht. Mit Telepathy sollen Kommunikationspartner in Zukunft auch Ereignisse aus diesem Journal austauschen.

Ein interessantes Projekt für den Desktop ist Xzibit vom Collabora-Entwickler Thomas Thurman. Es erlaubt den Kommunikationspartnern, Fenster mit einander zu teilen, was Desmottes als "VNC per Telepathy" bezeichnete. In solchen Fenster können die Teilnehmer gleichzeitig und gemeinsam mit Maus und Tastatur arbeiten. Als Benutzerschnittstelle ist ein Brief-Icon mit dem Text "Share My Window" in der Fensterleiste gedacht. Die Demonstration des Prototypen während des Vortrags scheiterte allerdings: Thurman gab einer gewagten Programmieraktion in der vergangenen Nacht die Schuld.

Guadec: Gnome 3 kommt später

Gnome 3.0 soll erst im März 2011 fertig werden. Das hat Vincent Untz vom Release-Team (Abbildung 3) auf der Konferenz Guadec bekanntgegeben, die derzeit in Den Haag stattfindet. Zudem soll es im September 2010 eine Betaversion für die Release 3.0 geben. Zu selben Zeitpunkt möchte das Gnome-Projekt zusätzlich die Version 2.32 der Desktop-Umgebung veröffentlichen.

Einige Entwickler aus dem Publikum äußerten die Befürchtung, durch die zusammentreffenden Termine könne es zu Engpässen kommen. Zudem wurde die Kritik laut, dass die Version 3.0 acht Jahre nach der Veröffentlichung von Gnome 2.0 reichlich spät käme. Auf den letzten Einwand entgegnete Untz, die Überarbeitung einer kompletten Plattform könne man eben nicht überstürzt erledigen.

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