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© Diego Cervo; 123RF

Office-Renaissance

Das nächste OpenOffice

Mit Version 3.3 der Büro-Suite will das OpenOffice-Projekt vor allem die Bedienbarkeit der Anwendungen verbessern. Die Revolution bleibt zum Glück aus: Die meisten Neuerungen sind recht unscheinbar, aber hilfreich.

Nachdem Microsoft das Bedienkonzept seines Office-Pakets mit Version 2007 radikal änderte, kam auch das Open-Source-Flaggschiff OpenOffice in Zugzwang. Im Vergleich zum kommerziellen Closed-Source-Marktführer wirkte die freie Büro-Suite plötzlich altbacken. Mit dem Projekt "Renaissance" [1] soll die nun unter der Führung von Oracle entwickelte Anwendung ein neues Gesicht erhalten. In die bald erscheinende Version 3.3 fließen bereits Ergebnisse aus Renaissance ein.

Gemäß dem Release-Motto "Fit and Trim" fallen die Neuerungen sehr zurückhaltend aus (Abbildung 1). Ins Auge sticht zunächst das neue Suchfeld, das in der Menüleiste residiert. Dieses ergänzt den bekannten Suchen-und-Ersetzen-Dialog und steht in allen Teilanwendungen zur Verfügung. Neben der schnellen Erreichbarkeit hat die neue Suchhilfe auch den Vorteil, dass kein Dialogfenster mehr Teile des Dokuments verdeckt. Weitere Usability-Verbesserungen finden sich zum Beispiel im völlig überarbeiteten Druckdialog. Dieser verfügt nun über eine integrierte Seitenvorschau. Sämtliche Druckoptionen erreichen Sie zudem über Reiter und nicht – wie bislang – über gesonderte Dialogboxen. Hier hat das OpenOffice-Projekt einen guten Weg eingeschlagen, um den Benutzer strukturierter zum gewünschten Ergebnis zu führen. Das gilt auch für den Thesaurus. Der steht nun im Kontextmenü zur Verfügung. Ein weiteres Ergebnis des Renaissance-Projekts kommt bei der Präsentationskomponente Impress zum Tragen: Der Umgang mit den Folienlayouts gestaltet sich einfacher.

Abbildung 1

Abbildung 1: Die Neuerungen in OpenOffice 3.3 fallen eher unscheinbar aus, denn vor allem an der Funktionalität wurde gearbeitet.

Eine wichtiger und überfälliger Schritt war die Integration von Sicherheitsmerkmalen auf Dokumentenebene. Die Entwickler haben hierzu den Eigenschaftendialog um den Reiter Sicherheit erweitert. Hier lassen sich Dokumente sehr einfach verschlüsseln oder per Passwort gegen unbefugte Bearbeitung schützen. Auch das Aufzeichnen von Änderungen an einem Dokument aktivieren Sie so. Damit kommt OpenOffice nicht zuletzt den Anforderungen von Unternehmen entgegen.

Neben diesen Anpassungen finden sich bei Version 3.3 auch zahlreiche Neuerungen unter der Haube. Deutlich spürbar ist der Performance-Zuwachs. Die Startzeit der Büro-Suite hat sich merklich beschleunigt. Hiervon profitieren vor allem Netbook-User, die nicht auf die Kraft vieler Rechenkerne zurückgreifen können. Die Tabellenkalkulation Calc wurde erheblich aufgebohrt und kommt nun mit über einer Million Zeilen zurecht (zuvor waren es ca. 65.000), was für die meisten Heimanwender jedoch weniger relevant sein dürfte. Weitere Detailverbesserungen gibt es im Umgang mit Microsoft-Office-Dokumenten oder beim Export von PDF-Dateien.

Insgesamt hinterlässt der jüngste Spross der OpenOffice-Familie einen leicht zwiespältigen Eindruck. Mit dem neuen Druckdialog oder der Suchleiste schlägt das Entwicklerteam den richtigen Weg ein. Wegweisendes in der Bedienbarkeit bleibt aber aus, die Suite wirkt in die Jahre gekommen. Daran ändern auch zahlreiche funktionale Verbesserungen nichts. Dennoch rechtfertigen die vielen Optimierungen sowohl die neue Versionsnummer als auch einen raschen Umstieg am PC. Wollen Sie mehr, können Sie bereits einen Blick auf die mögliche neue Oberfläche von OpenOffice werfen [2], was aber eine installierte Java-Umgebung voraussetzt.

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