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Gedit über Plug-ins erweitern

So holen Sie wesentlich mehr aus Gedit heraus: Über Plug-ins twittern Sie, verwalten Text- und Code-Bausteine, aktivieren die Autovervollständigung und speichern Sitzungen.

Gedit, Ubuntus Texteditor der Wahl, kann wesentlich mehr, als nur Konfigurationsdateien zu bearbeiten und README-Dateien aufzurufen. Über Plug-ins rüsten Sie den Editor auf und ergänzen ihn um intelligente Funktionen. Tatsächlich erledigt der Editor bereits jetzt einige Standardaufgaben mit Hilfe von Plug-ins. Diese aktiviert Ubuntu automatisch bei der Installation. So sorgt ein Statistik-Plug-in für die Möglichkeit, die Wörter und Buchstaben in einem Dokument zu zählen. Ein Rechtschreibzusatz durchforstet ein Dokument nach falsch geschriebenen Wörtern.

Für eine Handvoll Zusatzmodule

Einige der mitgelieferten Plug-ins aktiviert Gedit nicht gleich. Werfen Sie daher besser über Bearbeiten | Einstellungen | Plug-ins einen Blick auf die zusätzlich verfügbaren Helfer, bevor Sie diese aus einer anderen Quelle installieren. Um ein inaktives Plug-in aus dem Ruhestand zu befördern, haken Sie einfach die nebenstehende Checkbox ab (Abbildung 1).

Abbildung 1

Abbildung 1: Gedits Standardfunktionen erweitern Sie mit Hilfe zahlreicher nützlicher Plug-ins. Diese müssen Sie vor ihrem Einsatz zunächst aktivieren.

Von diesen "nur" mitgelieferten Beigaben erweisen sich einige als recht nützlich, wenn Sie mit Textdateien arbeiten. Das Plug-in Groß/Kleinschreibung verändern verwandelt etwa Text, der nur aus Großbuchstaben besteht entweder komplett in Kleinbuchstaben oder lässt den ersten Buchstaben als Großbuchstaben erscheinen. Aktivieren Sie das Zusatzmodul, taucht im Menü Bearbeiten der Eintrag Groß/Kleinschreibung ändern auf. Den können Sie jedoch erst auswählen, wenn Sie zuvor den zu korrigierenden Text markieren.

Wie der Name suggeriert, spendiert das Plug-in Dateiverwaltungsleiste der Seitenleiste von Gedit einen Dateibrowser. Um diesen zum Leben zu erwecken und Ihre Ordner künftig direkt aus Gedit heraus zu durchsuchen, wählen Sie Ansicht | Seitenleiste oder drücken [F9].

Aktivieren Sie das Plug-in Floskelliste, nistet sich in der Seitenleiste ein weiterer Reiter ein, den Sie über ein Pluszeichen freilegen. Über ihn erhalten Sie als Programmierer schnellen Zugriff auf eine große Anzahl von Tags, zu denen spezielle HTML-Symbole, XHTML-Tags, LaTeX- und XUL-Tags sowie XSLT-Elemente und -Funktionen gehören. Ein Doppelklick holt den jeweiligen Tag in das aktuell geöffnete Dokument.

Abbildung 2

Abbildung 2: Mit den externen Werkzeugen starten Sie aus Gedit heraus Skripte und setzen externe Befehle ab.

Das Plug-in Externe Werkzeuge erlaubt es Ihnen, Skripte und Befehle direkt aus Gedit heraus aufzurufen (Abbildung 2). So basteln Sie sich zum Beispiel ein Bash-Skript, das den Text, an dem Sie aktuell arbeiten, auf einer externen Festplatte sichert. Über ein Tastaturkürzel rufen Sie den Befehl dann direkt aus Gedit auf.

Um das Skript zu erzeugen, aktivieren Sie das genannte Plug-in und klicken auf den Button Plugin konfigurieren, was ein Fenster namens Verwaltung externer Werkzeuge auf den Plan ruft. Darin drücken Sie unten links auf den Knopf mit dem Pluszeichen, um ein neues Werkzeug anzulegen. Geben Sie diesem einen Namen und drücken Sie [Eingabe]. Rechts oben im Editor verfassen Sie nun das Skript oder fügen den Code ein.

Sind Sie damit fertig, geben Sie in der Zeile darunter ein Tastenkürzel ein und wählen im Aufklappmenü Ausgabe den Eintrag In Fußleiste anzeigen. So behalten Sie die Ausgaben des laufenden Skripts am unteren Fensterrand von Gedit im Auge. Drücken Sie dann Schließen und benutzen Sie das Tastaturkürzel, um das Skript aufzurufen. Alternativ wählen Sie den Weg über Werkzeuge | Externe Werkzeuge.

Programmieren Sie häufig mit Hilfe von Gedit, werden Sie das Schnipsel-Plug-in mögen. Einmal aktiviert, lässt es Sie globale Code-Schnipsel für verschiedene Programmiersprachen festlegen, aber auch Testschablonen. Die fügen Sie in die aktuelle Datei ein, indem Sie eine spezielle Abkürzung oder ein Wort eingeben und danach [Tabulator] drücken.

Das Feature erweist sich nicht nur für Programmierer als nützlich: Verwenden Sie Gedit, um Artikel oder Blog-Beiträge zu verfassen, benutzen Sie das Schnipsel-Plug-in, um regelmäßig wiederkehrende Elemente einzufügen, etwa Disclaimer oder Kontaktinformationen (Abbildung 3). Um einen neuen Schnipsel anzulegen, aktivieren Sie das Plug-in und klicken auf Plugin konfigurieren, um die Schnipselverwaltung aufzurufen. Wählen Sie die gewünschte Programmiersprache aus (oder benutzen Sie Global für ein unspezifisches Textfragment) und drücken Sie die Schaltfläche mit dem Pluszeichen, um einen neuen Schnipsel anzulegen.

Abbildung 3

Abbildung 3: Über das Schnipsel-Plug-in fügen Sie häufig genutzte Textfragmente in die Datei ein.

Geben Sie dann in Gedit den gewünschten Text ein und legen Sie in der Zeile Tabulatorauslösung eine Abkürzung oder ein Wort fest, über das Sie den Schnipsel später aktivieren – zudem können Sie ein Tastenkürzel definieren. Das Schnipsel-Plug-in bietet auch eine Export- und Importmöglichkeit an, um die von Ihnen entworfenen Funktionen auch in anderen Gedit-Installationen zu nutzen.

Plug-ins von Drittanbietern

Die offizielle Liste von Gedit-Plug-ins [1] liefert eine ansehnliche Kollektion von Drittanbieter-Modulen, um die Funktionalität des Texteditors noch weiter auszubauen. Doch bevor Sie die herunterladen, sollten Sie wissen, wie Sie sie installieren.

Alle Plug-ins von Drittanbietern gehören in das Home-Verzeichnis in den versteckten Ordner .gnome2/gedit/plugins. Existiert dieser noch nicht, legen Sie ihn manuell an, indem Sie mkdir $HOME/.gnome2/gedit/plugins eingeben. Ein Gedit-Plug-in besteht gewöhnlich aus einer Datei, die mit .gedit-plugin endet und einem zugehörigen Ordner, der den Modulnamen trägt und weitere Dateien transportiert. So besteht zum Beispiel das Advanced-Bookmarks-Plug-in, das in Gedit Lesezeichen ermöglicht, aus der Datei advanced-bookmarks.gedit-plugin und dem Verzeichnis advanced-bookmarks.

In Python verfasste Plug-ins bringen hingegen anstelle des Ordners meist ein Skript mit, das die Endung .py trägt. Das betrifft etwa das Session-Autosave-Plug-in, das aus den Dateien session.gedit-plugin und session.py besteht.

Wichtig ist, dass Sie das Plug-in-eigene Verzeichnis und die Datei mit der Endung .gedit-plugin direkt in das Verzeichnis plugins verschieben und nicht in einen eigenen Unterordner. Vergessen Sie auch nicht, die Plug-ins stets in den Einstellungen von Gedit zu aktivieren.

Da die Entwickler der Erweiterungen aber nicht einheitlich vorgehen, gibt es mitunter Abweichungen. Version 0.9.8 der AutoComplete-Plug-ins bringt zusätzlich ein eigenes Skript namens install mit. Das machen Sie in einem Terminal über chmod u+x install ausführbar und rufen es dann über ./install auf. Es installiert die Erweiterung für Gedit, kopiert dabei aber noch zusätzlich die Konfigurationsdatei autocomplete_settings-base.xml in den Ordner $HOME/.gnome2/gedit/.

Abbildung 4

Abbildung 4: Über das Twitter-Plug-in posten Sie Ihre Nachrichten direkt aus dem Texteditor heraus.

Welches der zahlreichen Plug-ins Sie brauchen, wissen Sie selbst am besten, aber vielleicht interessieren Sie für den Alltag ja doch einige der folgenden Exemplare. Mein persönlicher Favorit ist das Twitter-Plug-in [2]. Wie der Name schon andeutet, posten Sie mit seiner Hilfe Tweets direkt aus dem Editor heraus an den Nachrichtendienst (Abbildung 4). Leider funktioniert dieses Zusatzmodul momentan nicht, weil Twitter mit OAuth [3] ein neues System zur Authentifizierung verwendet. Doch sicher kommt bald eine neue Version heraus, die das Problem behebt.

Das Code-Archiv für das Twitter-Plug-in enthält mehrere Ordner und Dateien, die Sie alle in das Verzeichnis $HOME/.gnome2/gedit/plugins kopieren. Nach der Installation aktivieren Sie das Plug-in, klicken auf Plugin konfigurieren, geben die Zugangsdaten für Twitter an und wählen OK. In der Fußleiste erscheint nun ein Twitter-Register, das Sie über Ansicht | Fußleiste oder [Strg]+[F9] sichtbar machen. Die Links in den geposteten Tweets kürzt das Plug-in momentan übrigens mit Hilfe des Dienstes Bit.ly ab.

Das Plug-in mit dem Namen Autosave Editing Sessions [4] erleichtert das Leben, wenn Sie parallel mit mehreren Dateien hantieren. Es ergänzt das Werkzeug-Menü um die beiden Einträge Session save und Session restore. Über Session save speichern Sie alle offenen Dateien unter dem Dach einer Sitzung, der zweite Befehl stellt diese Sitzung später wieder her.

Das Plug-in namens Project Manager [5] bietet einen anderen Weg an, um mit vielen Dateien umzugehen. Es lässt Sie mehrere Dateien zu einem Projekt gruppieren und alle auf einen Schlag öffnen. Um nach der Installation des Plug-ins ein neues Projekt zu erstellen, klicken Sie auf Project | New Project und speichern Ihr neues Projekt zunächst. Über Add Files und Add Current File erweitern Sie das Projekt um neue Dateien. Der Eintrag View Project File List präsentiert Ihnen eine Liste der aktuell zum Projekt gehörigen Dateien, während Open Project File Folder den Projektordner aufruft. Um in Gedit Projekte selbst mitsamt ihren Dateien zu öffnen, klicken Sie auf Open Project oder Open Last Project.

Über das AutoComplete-Plug-in [6] haben wir bereits berichtet. Es vervollständigt Wörter, die es auf der Basis bereits eingegebener Texte erkennt. Passt der Vorschlag, übernehmen Sie ihn jeweils mit [Eingabe].

Abbildung 5

Abbildung 5: Das Plug-in "Advanced Bookmarks" ergänzt Gedit um eine umfangreiche Lesezeichen-Funktion.

Auch schön ist das Advanced-Bookmarks-Plug-in [7]. Das macht es Ihnen leichter, mit langen Texten umzugehen. Über dieses setzen Sie Lesezeichen an bestimmten Stellen im Text und springen später dorthin zurück. Es richtet nach seiner Aktivierung im Fußbereich ([Strg]+[F9]) ein neues Register namens Bookmarks ein, über das Sie Lesezeichen ergänzen und verwalten (Abbildung 5). Um im Text ein Lesezeichen einzufügen, markieren Sie den Textabschnitt und benutzen die Schaltfläche Toggle oder drücken [Strg]+[B].

Standardmäßig setzt die Erweiterung die erste Zeile des gerade markierten Textes als Namen des Lesezeichens ein. Wählen Sie ein Lesezeichen im Fußbereich aus und klicken auf Edit, können Sie den Namen modifizieren. Um zu einem bestimmten Lesezeichen zu springen, klicken Sie doppelt auf dieses. Das Plug-in fügt zugleich einige Befehle in das neue Untermenü Bookmarks ein, das Sie im Bearbeiten-Menü finden. Auf diese Weise verwalten Sie Lesezeichen auch unter Verzicht auf den Fußbereich. Um häufig genutzte Lesezeichen anzusteuern, bietet das Zusatzmodul zudem Tastenkürzel an.

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