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Thats Entertainment!

Multimediakomponenten und proprietäre Programme

Um Filme zu sehen, Musik zu hören und proprietäre Programme zu verwenden, müssen Sie unter Ubuntu mitunter zusätzliche Paketquellen einbinden. Die ändern sich aber häufig. Wo Sie die Komponenten momentan finden, erklärt dieser Artikel.

Multimedia aus der Schachtel: Ubuntu 10.10 geht neue Wege, damit Sie gleich nach der Installation Ihrer Musiksammlung lauschen und im Internet Videos anschauen können. Der Installer Ubiquity bringt neuerdings eine Option mit, über die Ubuntu bereits während der Installation grundlegende Multimedia-Codecs installiert.

Setzen Sie ein Kreuzchen bei Install this third-party software (Abbildung 1), spielt der Installer laut Ubuntu-Entwickler Ari Pulido das Paket ubuntu-restricted-addons auf den Rechner, das deckungsgleich ist mit ubuntu-restricted-extras. Zu den Abhängigkeiten gehören der MP3-Codec von Fluendo, die Bad- und Ugly-Plug-ins und Ffmpeg-Komponente des Gstreamer-Frameworks sowie der Flashplayer-Installer.

Abbildung 1

Abbildung 1: Bereits während der Installation weisen Sie Ubuntu 10.10 an, die wichtigsten Multimediakomponenten auf den Rechner zu spielen.

Als Folge können Sie direkt nach der Installation MP3-Dateien abspielen, Audio-CDs brennen, mehr als 90 Filmformate anschauen und Flash-Animationen und -Filme im Internet betrachten. Out of the box ist das schon eine ganz nette Auswahl. Zudem bietet Ubuntu dann die proprietären Broadcom-Treiber für Systeme an, die entsprechende WLAN-Karten verwenden.

Die Distribution installiert diese Komponenten nicht vor, da das in einigen Ländern gegen geltendes Recht verstößt. Sie müssen als Benutzer also selbst aktiv werden. Auch beliebte proprietäre Anwendungen wie Skype, Flash-Player oder Google Earth integriert Ubuntu nicht in die Standardpaketquellen. Zwar sind diese Programme kostenlos, stehen aber oft unter proprietären Lizenzen und bringen keinen offenen Quellcode mit.

GStreamer

Generell gibt es verschiedene Anwendungen, die unter Ubuntu Musik und Filme abspielen. Der Standardvideoplayer heißt Totem, Rhythmbox kümmert sich um die musikalischen Freuden (Abbildung 2). Sämtliche dieser Programme spielen von Hause aus freie Audio- und Videoformate ab. Mit Brasero brennen Sie CDs und DVDs, alternativ installieren Sie GnomeBaker, das verschiedene Brenngeschwindigkeiten unterstützt.

Abbildung 2

Abbildung 2: Haben Sie die Multimediaunterstützung während der Installation aktiviert, spielt Rhythmbox ohne zu Murren MP3-Dateien ab.

Im Hintergrund werkelt meist Gstreamer, ein modular aufgebautes Multimedia-Framework. Es stellt diversen Anwendungen Ton- und Bildschnittstellen zur Verfügung. Dadurch müssen die einzelnen Programme keine speziellen Codecs unterstützen; es genügt, wenn sie das Playback über Gstreamer beherrschen. Um etwa eine MP3-Datei abzuspielen, reicht Rhythmbox die Datei an Gstreamer weiter. Die Software kramt im eigenen Fundus nach einem Plug-in, das sich um MP3-Formate kümmert. Mit Hilfe des darin enthaltenen Codecs wandelt Gstreamer die Datei in hörbares Material um, das Rhythmbox umgehend wieder in Empfang nimmt und über die Lautsprecher ausgibt (Abbildung 3). Um Totem und Rhythmbox, aber auch dem Videoeditor Pitivi, neue Dateiformate beizubringen, müssen Sie oft nur die passenden Gstreamer-Plug-ins nachinstallieren.

Abbildung 3

Abbildung 3: Totem setzt auf einen modularen Aufbau und lernt über Plug-ins neue Codecs kennen.

Gefährliche Liebschaften

Mit den passenden Gstreamer-Plug-ins und den "eingeschränkten Extras" decken Sie vermutlich über 95 Prozent aller Multimediaformate ab. Lediglich für das Abspielen von verschlüsselten DVD-Filmen gilt das nicht – das betrifft praktisch alle kommerziellen DVDs. Die zum Umgehen des Content Scrambling System (CSS) benötigte libdvdcss2 fällt in vielen Ländern (darunter auch Deutschland) in eine rechtliche Grauzone. Ihr Einsatz ist verboten, da sie den CSS-Abspielschutz aushebelt und somit theoretisch einen "wirksamen Kopierschutzmechanismus" umgeht. Möchten Sie in Deutschland DVDs legal abspielen, helfen Ihnen zwei kommerzielle Linux-Programme beim DVD-Playback: Lindvd aus dem Hause Corel [1] und der DVD-Player von Fluendo [2], dessen Entwickler auch an Gstreamer arbeiten.

Anwender anderer Länder, in denen eine abweichende Rechtssprechung gilt, finden die Bibliothek zusammen mit anderen beliebten Anwendungen wie Google Earth und dem Realplayer in der Medibuntu-Paketquelle (siehe Kasten Medibuntu). DVDs, die neuartige Kopierschutzmechanismen wie Arccos, Puppetlock oder Ripguard nutzen, lassen sich unter Ubuntu zur Zeit entweder gar nicht oder nur mit Aufwand umgehen.

Medibuntu

Einige exotische Dateiformate aus der Windows-Welt sowie proprietäre Programme stehen nur in zusätzlichen Paketquellen bereit. Eine der meistbenutzten ist das Medibuntu-Repository [3]. Es bringt MPlayer, den Realplayer, Schriftarten für Adobes PDF-Reader Acroread, Google Earth (Abbildung 4) sowie weitere Multimedia-Codecs mit, die im Paket w32-codecs stecken. Der Eintrag für das Medibuntu-Repository lautet unter Ubuntu 10.10: deb http://packages.medibuntu.org/ maverick free non-free. Vergessen Sie nicht, auch den Schlüssel zur Paketquelle zu importieren! Anschließend finden Sie Google Earth, MPlayer und den Realplayer im Software-Center.

Abbildung 4

Abbildung 4: Google Earth steckt ebenfalls im Medibuntu-Repository. Alternativ laden Sie es von der Webseite herunter.

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