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Öffentlich-rechtliches Filmarchiv

Die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender stellen mittlerweile viel Material im Internet bereit. Mit der Java-Anwendung Mediathek können Sie diese Beiträge bequem ansehen, speichern und verwalten.

Die Medienkonvergenz macht auch vor dem tendenziell altmodischen Rundfunkanstalten nicht halt. Immer mehr Beiträge von ARD, ZDF und Co rufen Sie über das Internet ab. In der Regel handelt es sich dabei um kurze Dokumentationen – oft sehr interessant, fast immer unterhaltsam. Mit der Java-Applikation Mediathek nutzen Sie bequem die Archive der wichtigsten deutschsprachigen Sender.

Mediathek steht aktuell in Version 2.2 unter [1] zum Download bereit. Das Programm setzt neben einer installierten Java-Laufzeitumgebung den Videospieler VLC sowie für Flash-Videos den Flvstreamer voraus. Um die Filme aufzunehmen, brauchen Sie zudem MPlayer. Diese Werkzeuge installieren Sie über das Software-Center.

Das 2,2 MByte große ZIP-Archiv entpacken Sie einfach in einen beliebigen Ordner, eine Installation ist nicht notwendig. Allerdings müssen Sie die Datei Mediathek.jar ausführbar machen. Dazu wechseln Sie im Dateimanager Nautilus in den Unterordner Mediathek_2.2.1, klicken die Datei mit der rechten Maustaste an, wählen aus dem Kontextmenü den Eintrag Eigenschaften und öffnen den Reiter Zugriffsrechte. Hier setzen Sie einen Haken im Feld Datei als Programm ausführen.

Standardmäßig will der Archivmanager die Mediathek beim Doppelklick öffnen. Um diese Sackgasse zu umgehen und die Software ohne Umwege zu starten, legen Sie im Register Öffnen mit noch die bei Ihnen installierte Java-Laufzeitumgebung als Standard fest. Sie starten die Mediathek alternativ über ein Terminal und den Befehl java -jar Mediathek.jar.

Systemweite Mediathek

Wollen Sie Mediathek von jedem Ort Ihres Systems aus über die Eingabe von mediathek starten, bietet es sich an, das Archiv mit Root-Rechten nach /opt zu entpacken, die Rechte zu ändern und anschließend einen symbolischen Link im Verzeichnis /usr/bin zu erstellen:

sudo unzip Mediathek_2.2.1.zip -d /opt
sudo chmod uo+x /opt/Mediathek.jar
sudo ln -s /opt/Mediathek.jar /usr/bin/mediathek

Mediathek ermöglicht den Zugriff auf die Archive der Sender ARD, ZDF, Arte, 3sat, ORF, SF sowie der Landessender NDR, WDR und MDR. Zudem lassen sich auch ARD-Podcasts abrufen. Im Falle des deutsch-französischen Gemeinschaftssenders Arte können Sie zudem die gewünschte Sprache auswählen. Die meisten Beiträge stammen aus Nachrichten- und Wissenschaftssendungen.

Die Bedienung der Mediathek ist einfach, aber nicht immer ganz intuitiv. Nach dem ersten Start durchsucht die Software nach einem Klick auf Filme laden (Url) die voreingestellten Senderarchive nach Filmbeiträgen. Wenige Sekunden später greifen Sie bereits auf über 27000 öffentlich-rechtliche Filme zu. Aktivieren Sie die Option auch ältere Filme laden, stehen fast 40000 Videos zur Verfügung. Ein Doppelklick auf einen Listeneintrag startet den VLC-Player und streamt den Film auf den Monitor (Abbildung 1). Dieses Verfahren funktioniert jedoch nicht mit Videos im Flash-Format, die Sie erst mit Flvstreamer auf die lokale Festplatte kopieren.

Abbildung 1

Abbildung 1: Liegen die Filme nicht im Flash-Format vor, spielen Sie diese mit VLC direkt ab.

Suchfunktion nicht optimal

Um in der Fülle des Angebots nicht ganz den Überblick zu verlieren, können Sie die Beitragsliste nach Sender, Thema oder Titel sortieren. Wobei der Begriff Titel etwas unglücklich gewählt ist – er bezeichnet schlicht einen Beitrag innerhalb einer Sendung. Die integrierte Suchfunktion erlaubt die Freitextsuche im Beitragstitel, wobei Sie die Treffer nach Sender und Sendung eingrenzen. Thematische Suchen sind mangels Verschlagwortung der Filme nicht möglich. Auch der Einsatz logischer Operatoren ist nicht vorgesehen. Hier würde man sich in Anbetracht der Masse doch eine etwas komplexere Suchfunktion wünschen.

Generell verwirren die Bezeichnungen einiger Funktionen mitunter. Um etwa einen Filter zu speichern, haken Sie die Funktion Abo aktivieren im Register Einstellungen ab. Damit erscheint eine neue Registerkarte, über die Sie die Abonnements verwalten. Mediathek lädt die Filme der gespeicherten Suche, sobald Sie den Button alle Downloads starten anklicken. Kleiner Schönheitsfehler: Sie müssen die Liste zunächst manuell aktualisieren. Ganz ähnlich sieht es mit Podcasts aus. Auch hier müssen Sie die entsprechende Funktion zunächst von Hand aktivieren. Danach steht der neue Reiter Podcasts zur Verfügung.

Flexibel konfigurierbar

Hinter der Schaltfläche Einrichten im Register Filme verbirgt sich ein Dialog, mit dessen Hilfe Sie die eingesetzten Videoabspieler konfigurieren. VLC, MPlayer und Flvstreamer sind bereits vordefiniert. Wollen Sie die Fernsehbeiträge auf der Festplatte speichern, geben Sie hier die entsprechenden Zielpfade oder Muster für Dateinamen an. Die Einstellmöglichkeiten sind vielfältig, denn Sie legen hier neue Verarbeitungsfunktionen für die TV-Beiträge fest und erzeugen neue, passende Schaltflächen. Welche Einträge in welches Feld gehören, erschließt sich nicht immer auf Anhieb – ein Blick in das PDF-Handbuch ist fast unvermeidlich. Dort erfahren Sie etwa, dass eine Programmgruppe als Schaltfläche im Filme-Tab erscheint, sobald der Gruppe mindestens ein Programm zugeordnet ist. Ein Programm ist im Falle der Mediathek eine Multimediaanwendung, die Fernsehbeiträge weiter verarbeitet. Dabei geht es um das direkte Abspielen der Sendungen oder – wie bei den Flash-Videos – das Speichern auf der Festplatte. Wollen Sie eines der festgelegten Programme zum Standard erheben, damit Mediathek seine Filme bei einem Doppeklick mit diesem Programm abspielt, müssen Sie im Einrichten-Dialog zusätzlich noch die Schaltfläche Doppelklick betätigen. Ein weiterer Kritikpunkt: Mediathek erlaubt es nur, eine Weiterverarbeitungsfunktion für alle Medientypen zu definieren. Haben Sie sich zum Beispiel dafür entschieden, alle Beiträge mit dem VLC-Player anzuschauen, gerät die Mediathek bei Flash-Videos ins Stolpern. Dabei ließe sich der Medientyp über das Protokoll ohne weiteres ermitteln und mit der passenden Funktion verknüpfen.

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