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Flotte Brieftaube

Den E-Mail-Alltag meistern mit Thunderbird

Mozilla Thunderbird hat sich längst einen Ruf als gutes E-Mail-Programm erworben. Wir fühlen der aktuellen Version 3.1 auf den Zahn und zeigen die Alltagstauglichkeit an praktischen Beispielen.

Mozilla Thunderbird installiert Ubuntu zwar nicht vor, über den Paketmanager spielen Sie aber schnell die Pakete thunderbird und thunderbird-locale-de ein, um an die deutschsprachige Version zu kommen. Die Ubuntu-Macher stellen nicht nur Sicherheitsupdates bereit, sondern bringen die Version auch stets auf den neuesten Stand. Eine stabile Ubuntu-Version folgt meist wenige Tage nach Veröffentlichung der projekteigenen Version. Unser Test bespricht die Variante 3.1.7, die Ubuntu 10.10 aktuell ausliefert. Als E-Mail-Konto verwenden wir Google Mail und holen die elektronischen Nachrichten via IMAP ab.

Was ist IMAP?

Zum Abrufen von E-Mails gibt es zwei Standards. Das POP-Protokoll lädt die Nachrichten im Regelfall herunter und löscht sie anschließend vom Server – es sei denn, Sie konfigurieren den Client so, dass dieser die Nachrichten auf dem Server lässt.

Über IMAP arbeiten Sie direkt mit den Ordnern auf dem E-Mail-Server. Gewöhnlich lädt der Client nur die Kopfzeilen der E-Mails herunter. Ein Klick auf einen Ordner aktualisiert jedoch dessen Inhalte und zeigt neue E-Mails an. Markieren Sie eine Nachricht, holt Thunderbird auch ihren Inhalt und eventuelle Anhänge vom Server.

Standardmäßig erstellt Thunderbird für alle angezeigten Nachrichtenordner lokale Kopien in Ihrem Thunderbird-Verzeichnis. Sie können diese Nachrichten so auch ohne Internetzugang lesen. Um das für einzelne Ordner zu ändern (und Platz zu sparen), nehmen Sie bestimmte Ordner über Datei | Offline | Offline-Einstellungen | Erweitert vom Herunterladen aus, etwa Ordner, in denen Sie Nachrichten von Mailinglisten sammeln. IMAP unterstützt übrigens nativ keine zentralen Adressbücher oder Filterregeln.

Sie rufen den Donnervogel über Anwendungen | Internet | Mozilla Thunderbird Mail/News auf. Ein Assistent macht das Einrichten neuer Konten zu einem Kinderspiel (Abbildung 1). Sie geben einfach den Namen, ein Passwort und eine E-Mail-Adresse ein, und Thunderbird findet die dazugehörigen Servereinstellungen (meist) automatisch heraus. Wem die Standardeinstellungen nicht genügen, der legt über die Schaltfläche Benutzerdefinierte Einstellungen weitere Optionen fest.

Abbildung 1

Abbildung 1: Dank einer integrierten Datenbank erkennt Thunderbird viele Kontoeinstellungen inzwischen automatisch.

Das Treiben im Hintergrund

Nach einem Klick auf Konto erstellen gelangen Sie in die Nachrichtenübersicht (Abbildung 2). Thunderbird beginnt sofort, die Ordnerstruktur vom Server sowie die Kopfzeilen von Nachrichten herunterzuladen, und indiziert die E-Mails in einer Datenbank. Gerade bei großen Mailboxen nimmt dieser Vorgang zunächst viel Zeit in Anspruch und belastet die CPU stark. Die Statuszeile unten am Bildschirm hält Sie aber auf dem Laufenden. Klicken Sie zudem auf Extras | Aktivitäten, verrät eine kleine Übersicht, was Thunderbird gerade tut (Abbildung 3).

Abbildung 2

Abbildung 2: Die Nachrichtenansicht nach dem Einrichten eines Kontos: Links sehen Sie die Ordner, rechts die dazugehörigen E-Mails mitsamt einer Vorschau.

Abbildung 3

Abbildung 3: Eine kleine Übersicht verrät, an welchen Aufgaben sich Thunderbird im Hintergrund gerade abarbeitet. Anfangs belastet das Programm die CPU ziemlich stark.

Alles im Blick mit der Suche

Die aufwändige Indizierung aller E-Mails hat ihren Grund in der verbesserten Suche. Über das Feld rechts oben (Gobal in allen Konten suchen) durchforsten Sie den Nachrichtenbestand. So listet die Eingabe von Open-Source-Kochen in einem neuen Register oder Tab alle Nachrichten auf, deren Absender, Empfänger, Betreff oder Inhalt diesen Text enthält. Rechts oben in der Ergebnisliste verfeinern Sie die Resultate, indem Sie für die Treffer eine oder mehrere Bedingungen formulieren. So sortieren Sie die Trefferliste nach Datum oder Relevanz. Im linken Bereich finden Sie weitere Filter, die zum Beispiel nur die E-Mails bestimmter Absender zeigen, wie in Abbildung 4.

Zusätzlich zur globalen Suche (die es erst ab Thunderbird 3.0 gibt) bietet der Briefvogel auch eine "klassische" Suche unter Bearbeiten | Suchen | Nachrichten suchen an. Sie spart sich eine Datenbank und sucht direkt auf dem Server, benötigt dafür aber auch wesentlich mehr Zeit. Praktisch ist es, Suchergebnisse als virtuelle Ordner zu speichern. So sammeln Sie etwa alle Lieferscheine und Rechnungen eines Kalenderjahrs aus allen Ordnern eines Kontos in einem dynamischen Ordner, der sich selbst aktualisiert – das hilft bei der nächsten Steuererklärung.

Abbildung 4

Abbildung 4: Über die Suchfunktion von Thunderbird filtern Sie E-Mails nach Begriffen und speichern alle damit versehenen E-Mails in einem virtuellen Ordner.

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