Triple Feature

Kubuntu, Lubuntu und Ubuntu 10.10 installieren

Wiederbelebung

Wir nehmen an, dass die Installation von Windows als Zweitsystem den Bootloader Ihres Ubuntu-Derivats komplett überschreibt oder dass dieser nach der Installation von Ubuntu und Co nicht mehr auftaucht (was zum Glück nur selten geschieht). In diesen Fällen erscheint nach dem Neustart des Systems der Bootloader von Windows, eine Fehlermeldung oder schlicht die Kommandozeile. Keine Panik, beide Systeme sind noch auf der Festplatte, Sie müssen nur den Bootloader reparieren, damit dieser die Systeme richtig identifiziert.

In allen Fällen booten Sie eine der Live-Versionen von der Heft-DVD. Es ist egal welche, da Sie am Ende ohnehin mit der Kommandozeile arbeiten. Landen Sie nach erfolgreichem Booten auf dem Desktop, rufen Sie zur Befehlseingabe ein Terminal auf. Unter Ubuntu und Lubuntu finden Sie das im Bereich Zubehör, unter Kubuntu im K-Menü unter Anwendungen | System | Terminal.

Über den chroot-Befehl wechseln Sie nun zu dem auf der Festplatte installierten Linux-System und bringen den Bootloader – wie es Listing 1 zeigt – auf den neuesten Stand. Im Listing gehen wir davon aus, dass sich die Root-Partition (/) Ihrer Ubuntu-Installation in der zweiten logischen Partition (/dev/sda6) auf der ersten Festplatte (/dev/sda) befindet. Ob das auch auf Ihr reales System zutrifft, finden Sie über den Befehl sudo fdisk -l heraus (Abbildung 9). Ersetzen Sie dann also /dev/sda6 durch den passenden Eintrag für Ihre Root-Partition.

Abbildung 9

Abbildung 9: Über den Befehl "fdisk -l" schauen Sie sich die Partitionen auf Ihrer Festplatte an.

Listing 1

 

sudo mount /dev/sda6 /mnt
sudo mount -o bind /dev /mnt/dev
sudo mount -o bind /sys /mnt/sys
sudo mount -t proc /proc /mnt/proc
sudo chroot /mnt
grub-mkconfig -o /boot/grub/grub.cfg
update-grub2
grub-install /dev/sda
exit
sudo reboot

Zur Erklärung: Zunächst hängen Sie die Partition, die Ubuntus Wurzelverzeichnis beinhaltet, in den Ordner /mnt Ihres Live-Systems ein (Zeile 1). Das wiederholen Sie mit den Geräte- und Systemdateien des Live-Systems sowie mit dem Verzeichnis /proc (Zeilen 2 – 4). Im Ordner /mnt finden Sie am Ende die typische Ordnerstruktur eines Linux-Systems vor, die Sie nun mit chroot vorübergehend in ein Wurzelverzeichnis verwandeln (Zeile 5). In der Chroot-Umgebung erstellen Sie eine neue Grub-Konfiguration (Zeile 6) und aktualisieren dann den Bootloader (Zeile 7). Den runderneuerten Grub spielen Sie zurück auf die Festplatte (Zeile 8) und beenden das Manöver. Nach dem Reboot steht Ihnen das Startmenü mit zwei Einträgen zur Verfügung.

Wubi für Windows

Sind Sie ein eher vorsichtiger Mensch, gibt es für Sie die Möglichkeit, Ubuntu und seine Derivate unter Windows zu testen. Sie installieren die Distribution dann wie eine herkömmliche Windows-Anwendung und erhalten nach dem Neustart die Option, neben Windows auch Ubuntu zu booten. Haben Sie sich von Ubuntu ein Bild gemacht, deinstallieren Sie es wieder – auch das geschieht über die Softwareverwaltung von Windows, wo Ubuntu als Anwendung auftaucht. Die Wubi-Version verursacht mitunter Probleme, Sie sollten sie also möglichst nicht gleich zum Release-Termin verwenden.

Sie laden den Installer als EXE-Datei von der Webseite [5] herunterladen und installieren Wubi per Doppelklick. Über ein Fenster stellen Sie zunächst ein, wie viel Platz Sie Ubuntu oder seinen Derivaten spendieren. Neben Ubuntu stehen Ubuntu Netbook, Kubuntu, Kubuntu Netbook, Xubuntu und Mythbuntu zur Auswahl – lediglich Lubuntu fehlt bisher in der Liste. Sie wählen einen Benutzernamen und ein Passwort und klicken dann auf Installation, um die Distribution wie ein ganz normales Programm zu installieren. Nach einem Neustart finden Sie Ubuntu als Booteintrag vor. Wollen Sie Wubi wieder entfernen, nutzen Sie dazu die Softwareverwaltung von Windows. Sie wählen Ubuntu aus und klicken auf Deinstallieren. Nach dem Neustart ist auch der Eintrag aus dem Bootmenü verschwunden.

Glossar

chroot

steht für "change root". Über chroot ändern Sie das Wurzelverzeichnis in Ihrem System. Durch geschicktes Einhängen von Verzeichnissen arbeiten Sie dank Chroot in dem installierten System, als hätten Sie es wie gewohnt gebootet.

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