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© Vitali Dyatchenko, 123RF

Volle Dröhnung

Multimediakomponenten und proprietäre Programme

Um Filme zu sehen, Musik zu hören und proprietäre Programme zu verwenden, müssen Sie unter Ubuntu und Co mitunter zusätzliche Software verwenden. Wo Sie die dazu nötigen Komponenten zur Zeit finden, erklärt dieser Artikel.

Multimedia aus der Schachtel: Ubuntu 10.10 und seine Derivate gehen neue Wege, damit Sie gleich nach der Installation Ihrer Musiksammlung lauschen und im Internet Videos anschauen können. Der Installer Ubiquity bringt neuerdings eine funktionierende Option mit, um bereits während der Installation grundlegende Multimedia-Codecs zu installieren.

Setzen Sie ein Kreuzchen bei Drittanbieter-Software installieren (Abbildung 1), spielt der Installer laut Ubuntu-Entwickler Ari Pulido das Paket ubuntu-restricted-addons auf den Rechner, das deckungsgleich ist mit ubuntu-restricted-extras. Zur installierten Software gehören der MP3-Codec von Fluendo, einige Komponente für das Gstreamer-Framework sowie der Flash-Player. Das gleichnamige Paket installieren auch Lubuntu und Xubuntu. Lediglich Kubuntu verzichtet auf Gstreamer und setzt zum Abspielen der bewegten Bilder auf Libxine1.

Abbildung 1

Abbildung 1: Bereits während der Installation weisen Sie Kubuntu 10.10 an, die wichtigsten Multimediakomponenten auf den Rechner zu spielen.

Als Folge können Sie direkt nach der Installation MP3-Dateien abspielen, Audio-CDs brennen, mehr als 90 Filmformate anschauen und Flash-Animationen und -Filme im Internet betrachten. Zudem bieten Ubuntu und Co dann die proprietären Broadcom-Treiber für Systeme an, die solche WLAN-Karten verwenden.

Andere beliebte proprietäre Anwendungen wie Skype oder Google Earth integriert Ubuntu nicht in die Standardpaketquellen. Zwar sind diese Programme kostenlos, stehen aber oft unter proprietären Lizenzen und bringen keinen offenen Quellcode mit.

GStreamer

Generell gibt es verschiedene Standardanwendungen, die unter (KLX)Ubuntu Musik und Filme abspielen sowie CD/DVDs brennen. Diese listet Tabelle 1 auf.

Tabelle 1

Distribution Filme sehen Musik hören CD/DVDs brennen
Ubuntu 10.10 Totem Rhythmbox Brasero
Kubuntu 10.10 Dragon Player Amarok K3b
Lubuntu 10.10 Gnome MPlayer Aqualung Xfburn
Abbildung 2

Abbildung 2: Haben Sie die Multimediaunterstützung während der Installation aktiviert, spielt Rhythmbox ohne zu Murren MP3-Dateien ab.

Im Hintergrund werkelt unter Ubuntu, Lubuntu und Xubuntu meist Gstreamer, ein modular aufgebautes Multimedia-Framework. Es stellt diversen Anwendungen Ton- und Bildschnittstellen zur Verfügung. Dadurch müssen die einzelnen Programme keine speziellen Codecs unterstützen; es genügt, wenn sie das Playback über Gstreamer beherrschen. Um etwa eine MP3-Datei abzuspielen, reicht Rhythmbox die Datei an Gstreamer weiter. Die Software kramt im eigenen Fundus nach einem Plug-in, das sich um MP3-Formate kümmert. Mit Hilfe des darin enthaltenen Codecs wandelt Gstreamer die Datei in hörbares Material um, das Rhythmbox umgehend wieder in Empfang nimmt und über die Lautsprecher ausgibt (Abbildung 3). Um Totem und Rhythmbox, aber auch dem Videoeditor Pitivi, neue Dateiformate beizubringen, müssen Sie oft nur die passenden Gstreamer-Plug-ins nachinstallieren.

Abbildung 3

Abbildung 3: Totem setzt auf einen modularen Aufbau und lernt über Plug-ins neue Codecs kennen.

Gefährliche Liebschaften

Zwar decken Sie mit den "eingeschränkten Extras" einen Großteil aller Multimediaformate ab, doch verschlüsselte DVDs können Sie noch nicht anschauen – das betrifft praktisch alle kommerziellen DVDs. Die zum Umgehen des Content Scrambling System (CSS) benötigte libdvdcss2 fällt in vielen Ländern (darunter auch Deutschland) in eine rechtliche Grauzone. Ihr Einsatz ist verboten, da sie den CSS-Abspielschutz aushebelt und somit theoretisch einen "wirksamen Kopierschutzmechanismus" umgeht. Möchten Sie in Deutschland DVDs legal abspielen, helfen Ihnen zwei kommerzielle Linux-Programme beim DVD-Playback: Lindvd aus dem Hause Corel [1] und der DVD-Player von Fluendo [2], dessen Entwickler auch an Gstreamer arbeiten.

Leser in anderen Ländern, in denen eine abweichende Rechtssprechung gilt, finden die Bibliothek zusammen mit anderen Codecs und dem Mplayer in der Medibuntu-Paketquelle (siehe Kasten Medibuntu). DVDs, die neuartige Kopierschutzmechanismen wie Arccos, Puppetlock oder Ripguard nutzen, lassen sich unter Ubuntu zur Zeit entweder gar nicht oder nur mit Aufwand ansehen.

Medibuntu

Einige exotische Dateiformate aus der Windows-Welt sowie proprietäre Programme stehen nur in zusätzlichen Paketquellen bereit. Eine der meistbenutzten ist das Medibuntu-Repository [3]. Es bringt MPlayer, Mencoder, Schriftarten für Adobes PDF-Reader Acroread, die erwähnte Libdvdcss sowie weitere Multimedia-Codecs mit, die im Paket w32-codecs stecken. Der Eintrag für das Medibuntu-Repository lautet unter (KLX)Ubuntu 10.10: deb http://packages.medibuntu.org/ maverick free non-free. Vergessen Sie nicht, auch den Schlüssel zur Paketquelle zu importieren!

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