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Sehr berührend

Multitouch in Ubuntu

Der Trend geht zu Mobilgeräten und Ubuntu geht mit. Der neue Desktop Unity ist auf Geräte mit kleinen Displays ausgerichtet, Utouch soll die dazugehörigen Touchscreens zum Leben erwecken. Für uns ergibt das einen handlichen Schwerpunkt.

Mit dem einfallsarmen Refrain "Touch me, touch me, I wanna feel your body" trällerte sich Popsternchen Samantha Fox 1986 weltweit in die Top Ten der Musikcharts. Bei berührungsempfindlichen Oberflächen dachte man in den hedonistischen 80ern vorwiegend an anmutige Körper; Benutzeroberflächen für Computer fielen bei dem Stichwort wohl kaum jemandem ein – zumindest nicht in Deutschland.

Anders war das womöglich im eher verschlafenen amerikanischen Bundesstaat Illinois. An der "Universität von Illinois" kam bereits 1972 ein Rechner mit einem optischen Touchscreen zum Einsatz. PLATO IV war ein Terminal, das – wie seine Vorgänger – den Mangel an Lehrkörpern an den Universitäten ausgleichen sollte. Den hatte der Ansturm von Studierenden nach dem Zweiten Weltkrieg verursacht.

PLATO war ein Akronym für Programmed Logic for Automated Teaching Operations. Mittels Infrarot wurde der Bildschirm in ein berührungsempfindliches Netz aus 16x16 Kästchen zerlegt. Die Studenten durften die vom Rechner gestellten Fragen mit ihren Fingern direkt auf dem Bildschirm beantworten. Die Technologie gibt es heute noch immer, auch wenn die optischen Displays im Bereich der Bildschirmsteuerung eine eher untergeordnete Rolle spielen.

Andere Displayformen wie das kapazitive und das resistive Display beherrschen die Welt. Apples iPhone brachte die Wisch-und-Weg-Steuerung vor ein paar Jahren groß in Mode, mit Android lässt sich auch ein linuxbasiertes System ganz bequem per Fingerzeig steuern. Heute kommt kaum noch ein neues Smartphone auf den Markt, das auf diese Technologie verzichtet – ganz zu schweigen von den zahlreichen Tablets.

Linux zeigte hingegen lange Berührungsängste. Doch der träge Supertanker X.org machte sich in den letzten Jahren langsam auf den Weg zu neuen Eingabefunktionen, die in die X-Server-Erweiterung XInput einflossen. Version 2 kam 2009 mit Unterstützung für Multipointer X, das verschiedenen Nutzern mit diversen Mäusen und Keyboards die Arbeit auf derselben Oberfläche erlaubte. Im neuen Ubuntu 11.04 bietet nun das noch nicht ganz ausgereifte XInput 2.1 die Möglichkeit, den Xserver auch über Touchscreens und Touchpads zu bedienen.

Wer jetzt denkt: Ubuntu kann das doch schon alles, liegt nur knapp daneben. Der Touchscreen-Support wurde bereits im letzten Jahr angekündigt, seine erste Manifestation steckt jedoch erst im aktuellen Ubuntu. Warum das so ist, erklärt unser Schwerpunkt. Er behandelt auch die Frage, was Sie erwartet, wenn das Ganze mal in Sack und Tüten ist. Wo Ubuntu jetzt schon Berührungen erlaubt, erklären wir auch. Utouch-Entwickler Chase Douglas, der uns bei den Recherchen unterstützte, sieht darin vor allem eine Zukunftstechnologie: "Wir wollen einfach sichergehen, das wir bereit sind, wenn die meisten Menschen solche Multitouch-Hardware einsetzen."

Für den Sommer haben auf der Cebit einige Firmen neue Tablets und Laptops mit Touchscreen angekündigt. Bis dahin bleibt noch genügend Zeit, um sich erstmal mit den grundlegenden Gesten vertraut zu machen, die den Ubuntu-Anwender (und vermutlich auch alle andere Linuxer) zukünftig erwarten.

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Multitouch in Ubuntu 40
Fingerfertige Apps 44
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