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Gute Aussichten

Ubuntu in der Schule

Eine Schule ohne Windows? Das könnte auch in einem Lübecker Gymnasium bald Realität sein. Wir haben uns die Sache mal angesehen.

Ich bin noch etwas verschlafen, als der Wecker um 6:45 Uhr klingelt. Dass mir das Aufstehen unerwartet gut gelingt, mag daran liegen, dass ich heute eine Schule in Lübeck besuche, deren IT-Konzept es mir wahrhaft angetan hat. Das Katharineum verabschiedet sich allmählich von Windows und stellt seine Computersysteme auf Ubuntu um.

Ortstermin Lübeck

Da in Lübeck noch etwas Zeit bis zum eigentlichen Termin bleibt, sehe ich mir die Altstadt an. Mitten in dieser liegt an der Königstraße das Katharineum zu Lübeck (Abbildung 1). Das altsprachliche Gymnasium blickt auf eine lange Tradition zurück. Es steht unter Denkmalschutz, existiert seit 1531 und zu den bekannten Schülern gehören Thomas und Heinrich Mann, Theodor Storm und Werner von Siemens. Es beherbergt ca. 960 Schülerinnen und Schüler sowie 75 Lehrerinnen und Lehrer.

Abbildung 1

Abbildung 1: Das Lübecker Katharineum setzt in seiner IT-Strategie auf Ubuntu und freie Software. Dabei helfen die Schüler tatkräftig mit.

Linoleum bedeckt den Boden des ersten Stockwerks, wo ich auf Frank Poetzsch-Heffter treffen werde, den Koordinator für Schulentwicklung und IT der Schule. Zudem ist er Lehrer für Mathematik, Erdkunde und Informatik. Eine eigens für die Administration der PCs zuständige Fachkraft gibt es – wie an den meisten Schulen – auch in Lübeck nicht; vielmehr übernehmen diese Aufgabe engagierte Lehrerinnen und Lehrer, die eine Affinität zu Rechnern haben. Im Gegenzug befreit sie die Schule von einigen Unterrichtsstunden. Hier hinken die Ministerien noch hinterher, es gibt noch nicht einmal eine einheitliche Ausbildung für diese Tätigkeit.

Lehrer = Admin

Frank Poetzsch-Heffter trägt einen roten Pullover, ein gestreiftes Hemd und eine Jeans, wirkt freundlich und offen und drückt sich klar und verständlich aus. Vielleicht ist es ihm deshalb gelungen, die gesamten Schulrechner auf Ubuntu umzustellen, die Lehrer zu überzeugen und das Projekt mit Hilfe einer Kollegin und der Computer-AG umzusetzen.

Angefangen habe alles mit dem alten Internetcafé, erzählt er. Damals wurde zur Einführung ein Terminal-Server-System auf Linux-Basis genutzt. Windows lief auf sämtlichen anderen Arbeitsplätzen und glich sich während des Bootvorgangs mit dem Image einer Musterinstallation ab. Das funktionierte zwar, aber wirklich zufrieden war Poetzsch-Heffter damit nicht. Zu eingeschränkt waren die Möglichkeiten, das System zu erweitern, zu administrieren und vor allem auf Dauer für die Schule bezahlbar zu halten. Die Einführung von Ubuntu erwies sich für den Lehrer als logische Konsequenz, um die Zukunfts- und Ausbaufähigkeit dieses Systems zu gewährleisten.

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