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© Kirsty Pargeter, 123RF

Vollautomatisch

Daten sichern leichtgemacht

Der verträumte Ozelot ist nicht so verträumt, wie es der Name suggeriert. Im Schadensfall sorgt das nächste Ubuntu nämlich mit automatischen Backups vor.

Der Verlust wichtiger oder unwiederbringlicher Daten gehört zu den schmerzlichsten Erfahrungen eines Computer-Besitzers. Egal ob die Hardware versagt, ein Blitz einschlägt oder Sie Ihr Laptop verlieren – wer kein aktuelles Backup besitzt, muss den Verlust der Daten als Lehrgeld verbuchen.

Bislang bringt Ubuntu kein Werkzeug für einfache Sicherungen mit. Zwar warten in den Paketquellen zahlreiche Backup-Programme auf ihren Auftritt, doch bei der Entscheidung über das richtige, lässt Sie Ubuntu bis dato sträflich allein. Die Version 11.10 der Distribution soll auch dieses Feld endlich beackern und liefert out of the box ein Backup-Programm mit.

Abbildung 1

Abbildung 1: Mehr als zwei Buttons braucht eine gute Backup-Oberfläche nicht. Selten waren das Sichern und Wiederherstellen der Daten so einfach wie mit Déjà Dup.

Déjà Dup [1] soll in Zukunft regelmäßig und automatisiert Ihre Daten sichern, ohne dass Sie es zwingend starten müssen. Die Software ist keine Unbekannte: Fedora installiert sie seit Version 13, dort bewährt sie sich bereits im Alltagstest.

Die Entwickler verstehen Déjà Dup nicht als "das" Schweizer Taschenmesser aller Backup-Lösungen und streben kein Allround-Werkzeug an, das alle Fälle abdeckt. Primäre Zielgruppen sind vielmehr der Desktop-Anwender daheim sowie die kleine Bürogemeinschaft. Ihnen wollen die Entwickler ein Programm zur Seite stellen, das sich nicht nur einfach bedienen lässt (Abbildung 1), sondern auch den neuesten Stand der Technik widerspiegelt. Es soll ein sicheres und vor allen Dingen automatisiertes Backup garantieren.

Déjà Dup besitzt eine relativ einfach gehaltene Oberfläche und ist hauptsächlich in der Programmiersprache Vala [2] verfasst. Als Grundgerüst für das eigentliche Backup kommt duplicity[3] zum Einsatz, das auf Basis von rsync und GnuPG in der Lage ist, inkrementelle (siehe Kasten Inkrementelle Backups) und verschlüsselte Datensicherungen zu erstellen. Déjà Dup erweitert duplicity um eine einfach zu bedienende Oberfläche und einen Hintergrunddienst, damit auch Laien zuverlässig und sicher ihre Backups erstellen.

Inkrementelle Backups

Immer nur die letzte Version eines Backups zu bewahren, erweist sich als riskanter Schachzug. Zwar stellen Sie bei einem Datenverlust Ihre Daten wieder her (zumindest den Stand zum Zeitpunkt der Sicherung) – doch was tun, wenn Sie bemerken, dass eine gelöschte Datei auch nicht mehr im letzten Backup steckte? Bewahren Sie besser über die Zeit immer mehrere Sicherungen auf. Auf diese Weise stellen Sie gezielt einzelne Daten aus dem Backup wieder her.

Ein inkrementelles Backup sichert dabei zunächst alle Daten und von da an nur noch die Änderungen am Datenbestand. Das beschleunigt den Ablauf nicht nur enorm, sondern spart auch viel Platz auf der Festplatte. Sicherheitshalber erstellt Déjà Dup zudem regelmäßig komplette Sicherungen.

Daten sichern

Während Ubuntu 11.10 Déjà Dup automatisch vorinstalliert, spielen Sie die Software in Ubuntu 11.04 über den Paketmanager ein. Für Ubuntu 10.04 und 10.10 gibt es nur relativ alte Versionen der Software und kein PPA. Das liegt daran, dass Déja Dup eine wichtige Bibliothek benötigt, welche den alten Versionen fehlt. Sie sollten Déjà Dup daher besser erst ab Ubuntu 11.04 einsetzen. Starten Sie Ihr komplettes System nach der Installation einmal neu, weil sich Déjà Dup in das Kontextmenü des Dateimanagers integriert und zudem einen Hintergrunddienst abfeuert.

Rufen Sie Déjà Dup zum ersten Mal auf (unter Unity über [Super] und die Eingabe von deja), hilft ein Assistent (Abbildung 2) beim Einrichten eines Backup-Profils. Als Speicherort stehen interne und externe Datenträger zur Verfügung. Neben Backups via FTP, SSH oder WebDav lassen sich sogar Cloud-Speicherdienste wie Amazon S3 und Rackspace in die Datensicherung einbeziehen. In Ubuntu 11.10 soll dann auch der Cloud-Dienst Ubuntu One als Backup-Ziel dienen.

Sicherer Datenhafen?

Auch wenn Sie Ihre Daten regelmäßig mit Déjà Dup sichern, ist das Thema "zuverlässiges Backup" nicht gegessen. Die stets angeschlossene externe USB-Platte erweist sich beim Sichern der Daten als recht bequem, aber ein Blitzschlag in die Elektrik des Hauses macht ihr womöglich den Garaus. Sie sollten die Backup-Platte daher nach dem Sichern sowohl vom Rechner als auch vom Stromnetz abklemmen und in einem Regal verstauen. Noch besser wäre es, wenn Sie von der Déjà-Dup-Sicherung in größeren Abständen eine Kopie erstellen und diese außerhalb des Hauses lagern – so gehen Ihre Daten selbst bei einem Hausbrand nicht verloren.

Abbildung 2

Abbildung 2: Wählen Sie nach dem ersten Start den Speicherort für die Sicherung. Kann Déjà Dup dort keine Datei anlegen, weil es die Festplatte nicht findet oder den Server nicht erreicht, bricht die Software mit einer Fehlermeldung ab.

Im zweiten Schritt wählen Sie mit Bedacht die zu sichernden bzw. zu übergehenden Ordner aus. Gewöhnlich sichert Déjà Dup das komplette Home-Verzeichnis inklusive der versteckten Dateien mit Ausnahme von Mülleimer und dem Ordner Downloads (Abbildung 3). Zwei Dinge müssen Sie beachten: Einerseits dürfen wichtige Daten nicht fehlen andererseits sprengen Ordner mit großen Dateien (z. B. Filme oder ISO-Dateien) schnell den Platz auf Ihrer Backup-Platte. Auch Netzwerkfreigaben, die Sie routinemäßig in Ihr Home-Verzeichnis einhängen, blasen die Sicherung gern überproportional auf. Da sich Déjà Dup an normale Benutzer und nicht an Systemadministratoren richtet, bietet es nicht an, den kompletten /home-Ordner oder gar Systemverzeichnisse wie /var und /etc zu sichern.

Abbildung 3

Abbildung 3: Was soll alles ins Backup? Ordner mit sehr großen Dateien bergen die Gefahr, das Backup unnötig aufzublasen und den Platz auf der Sicherungsfestplatte zu sprengen.

Kurz vor dem Abschluss der Konfiguration bietet der Assistent eine Zusammenfassung Ihres Vorhabens an. Zudem lässt er Sie – so Sie denn eingangs die Verschlüsselungsoption aktiviert haben – ein Passwort eingeben. Beachten Sie, dass das Verschlüsseln über GnuPG erfolgt. Eine Wiederherstellung des Backups ohne Passwort ist praktisch unmöglich. Wählen Sie also eine Kombination, die Sie sich sehr lange merken können.

Nun starten Sie die erste Sicherung. Je nach Größe des Home-Verzeichnisses und dem Datendurchsatz Ihres Netzwerks sowie der Datenträger zieht diese sich eine ganze Weile hin. Auf unserem Testsystem mit einer SSD als Systemplatte und einer externen USB2.0-Festplatte dauerte das Prozessieren von mehr als 20 GByte an Daten jedoch nur 10 Minuten. Auf der externen Festplatte nahm das Backup dann rund 10 GByte Platz in Anspruch – die Daten wurden also um fast 50% komprimiert.

Automatische Aktualisierung des Backups

Das beste Backup nützt nichts, wenn Sie es nur alle paar Monate neu anlegen. Murphys Gesetz garantiert, dass im Ernstfall die wichtigen Daten nicht im Backup stecken. Daher installiert Déjà Dup einen Hintergrunddienst, der automatisch startet, wenn Sie sich auf dem System anmelden.

Warum nicht Cron?

Déjà Dup verwendet seinen eigenen Hintergrunddienst und nicht – wie bei automatisierten Aufgaben üblich – den Cron-Daemon. Die Entwickler begründen dies unter anderem damit, dass sie die Benutzer dank des eigenen Dienstes über die Statusanzeige im Panel über den Fortschritt eines Backups informieren könnten. Zudem müsse der Anwender bei verschlüsselten Backups ein Passwort eingeben, was mit Cron nicht so einfach möglich sei.

Diesen Dienst richten Sie über die Einstellungen von Déjà Dup ein. Sie bestimmen über das Intervall des Backups (Täglich, Wöchentlich, Alle zwei Wochen oder nur Monatlich) und die Anzahl der Sicherungen. Voreingestellt ist Für immer: Geht bei einem Backup dann der Platz auf dem Speichermedium aus, entfernt Déjà Dup einfach automatisch ältere Datenbestände. So läuft das Backup stets erfolgreich ab. Bislang ist es leider noch nicht möglich, den Zeitpunkt der Sicherung genauer zu bestimmen, als oben angegeben. Zeitangaben wie immer Montags ab 22 Uhr funktionieren also nicht.

Der Dienst sorgt also automatisch dafür, dass Sie keine Backups mehr verpassen. Nach der ersten Sicherung brauchen weitere Aktualisierungen nicht mehr viel Zeit. Da Déjà Dup nur die Änderungen an Ihren Daten speichert, dauern weitere Backups nur wenige Minuten. Auf aktuellen Rechnern mit mehreren CPU-Kernen merken Sie nicht einmal, dass Déjà Dup gerade arbeitet.

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