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Digitale Saftpressen

Fünf Videokonverter im Vergleich

Mal eben schnell ein Video schrumpfen – genau das versprechen zahlreiche Konvertierungsprogramme. Mit wenigen Mausklicks wandeln sie Filme in mundgerechte Häppchen für YouTube, Mobiltelefone und andere Geräte um.

Hängende Bäuche am Strand schreien zweifelsohne nach Verewigung im Breitbildformat moderner Kameras. Was diese allerdings am Ende des Urlaubs an Material auf die Festplatte spülen, ist nicht minder fett. Schon ein zweiwöchiger Stadturlaub verschlingt mehrere GByte und passt somit weder in den nigelnagelneuen Tablet-PC noch in ein Mobiltelefon. Das Hochladen auf die eigene Webseite würde Tage dauern, eine selbstgebrannte DVD (siehe Kasten Legale Grauzone) verlangt sowieso ein spezielles Format und für das Streaming auf den Media-Center-PC im Wohnzimmer wäre auch eher eine kleinere Fassung willkommen. Kurzum: Sie wollen den dicken Film irgendwie eindampfen. Diese Aufgabe erfüllen glücklicherweise zahlreiche kostenlose Konvertierungsprogramme, auch Transcoder genannt. Von ihnen bringt Ubuntu in seinen Paketquellen einige Exemplare mit, weitere buhlen im Internet um die Gunst der Anwender. Was sie tatsächlich leisten, zeigt ein kleiner Vergleich zwischen Arista Transcoder, Handbrake, Iriverter, Transcoder, Transmageddon und Winff.

Legale Grauzone

Das Rippen von kommerziellen DVDs – auch wenn Sie diese gekauft haben – ist in Deutschland verboten, da Sie dabei einen funktionierenden Kopierschutz umgehen.

Warten mit Profil

In der Praxis haben sich bereits zahlreiche Dateiformate und Kompressionsverfahren etabliert, die auch noch jeweils unterschiedliche Qualitätsstufen oder Abwandlungen ermöglichen (siehe Kasten "Eine Frage des Formats"). Bis auf Iriverter und Transcoder bringen aber sämtliche Kandidaten fertige Profile mit, die alle notwendigen Einstellungen für ein Gerät beinhalten. Es genügt dann, das Profil für das iPhone zu wählen – um den Rest kümmert sich die Software.

Eine Frage des Formats

Bei digitalen Videos unterscheidet man zwischen dem Kompressionsverfahren und dem Dateiformat. Da letzteres nur eine Hülle für den eigentlichen Film bietet, bezeichnet man es auch als Container. Bekannte Dateiformate sind Microsofts AVI, Matroska (mit der Endung MKV), MPG oder MP4. Die beiden zuletzt genannten nehmen allerdings nur nach den MPEG-Standards eingedampfte Videos auf.

Das berühmteste Kompressionsverfahren heißt MPEG2. Es kommt unter anderem auf DVDs und in alten DV-Kameras zum Einsatz. Abgelöst wird es mit hohem Tempo von H.264, das zum MPEG-4-Standard gehört. Dieses Verfahren verwenden vor allem hochauflösende Blu-rays und AVCHD-Kameras. Da H.264 extrem kleine Dateien produziert, ist der Codec besonders auf tragbaren Geräten beliebt, wie etwa dem iPhone oder iPad. Im Internet bekommt H.264 Konkurrenz von Googles WebM, dessen Großvater auf den Namen Theora hört.

Das Umwandeln eines Films braucht je nach Länge und Kompressionsverfahren seine Zeit. Bis auf Transmageddon stellen deshalb alle Transcoder mehrere Videos in eine Warteschlange, und arbeiten sie dann brav nacheinander ab. Das eigentliche Umwandeln des Materials überlassen die Programme speziellen Werkzeugen und Bibliotheken. Zu den bekanntesten Helfern unter der Haube zählen Gstreamer, Ffmpeg und mencoder. Fast alle Helfer – bis auf Handbrake und Transcoder – spielen Sie bequem über das Software-Center ein.

Arista Transcoder

Der erste Kandidat im Testfeld besitzt unter Ubuntu gleich mehrere Namen: Im Software-Center firmiert er als Arista-Video-Umwandler, nach dem Start heißt er plötzlich Arista-Kodeumsetzer und der eigentlich korrekte Name, Arista Transcoder, taucht ebenfalls ab und zu auf. Abbildung 1 zeigt sein aufgeräumtes Hauptfenster: Auf der rechten Seite stellen Sie die Quelle ein und wählen das Ausgabegerät. Über das kleine Zahnrad-Icon schalten Sie bei Bedarf noch einen Deinterlacer ein, wenn Sie etwa aufgenommenes Fernsehmateial konvertieren. Dann entscheiden Sie sich für eins der Profile, die es in recht großer Anzahl und für fast jede Gelegenheit gibt: angefangen beim iPhone, über verschiedene Android-Geräte bis hin zu Flash für Webseiten. Weiteren Nachschub an Presets finden Sie übrigens auf der Arista-Homepage im gleichnamigen Bereich. Auf einer speziellen Internetseite klicken Sie sogar eigene Profile bequem zusammen [1].

Stellen Sie den Auftrag in die Warteschlange, beginnt Arista automatisch mit der Arbeit. Die Geschwindigkeit hängt von der Zahl der eingesetzten Prozessoren ab. bei Single- oder Dualcore-Prozessoren läuft der Prozess etwa in Echtzeit ab. Fehlen passende Umwandlungsbibliotheken, installiert sie Ubuntu zum Teil automatisch nach. Allerdings klappt das nicht in allen Fällen. Daher klicken Sie bei der Installation über das Software-Center auf Weitere Informationen, kreuzen dann alle unter Erweiterungen aufgelisteten Pakete an und wählen Installieren. Mit von der Partie ist auch das Paket nautilus-arista: Über das integrieren Sie den Arista Transcoder in den Dateimanager Nautilus. Den müssen Sie anschließend neu laden:

sudo killall nautilus

Nun konvertieren Sie eine Videodatei, indem Sie diese mit der rechten Maustaste anklicken, Convert for device auswählen und sich dann für eins der zahlreichen Formate entscheiden. Lediglich beim Umwandeln von DVD-Material (MPEG2) patzt die Software

Abbildung 1

Abbildung 1: Das Hauptfenster des Arista Transcoders zeigt im großen orangefarbenen Bereich später das Video an.

Abbildung 2

Abbildung 2: Auf einer versteckten Webseite generieren Sie eigene Profile für den Arista Transcoder.

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