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© Paolo De Santis, 123RF

Privatvorstellung

Media-Center-PC mit XBMC und Tvheadend

Empfangen Sie Günther Jauch doch einfach in Ihrem Wohnzimmer: Dank Ubuntu, der Software XBMC und einem Helfer namens Tvheadend basteln Sie mit ein paar Mausklicks ein komplettes Media-Center.

Ursprünglich als inoffizielle Media-Center-Oberfläche für Microsofts Xbox gestartet, erfreut sich XBMC [1] mittlerweile auch unter Linux großer Beliebtheit. Die allesfressende Abspielzentrale zeigt Bilder an, führt Videos vor und dudelt Musik in zahlreichen Dateiformaten ab. Neben DVDs, Festplatten und Netzwerkfreigaben zapft XBMC auch das Internet an. Von dort holt es beispielsweise die aktuelle Wettervorhersage oder YouTube-Videos auf den Schirm. Über Add-ons bohren Sie den Funktionsumfang weiter auf, während Skins die Oberfläche umgestalten.

Bringdienst

Nur Fernsehprogramme vermag XBMC weder vom Himmel noch aus dem Kabel zu fischen. Hier ist die Media-Center-Software auf Hilfsprogramme – die sogenannten Backends – angewiesen. Diese zapfen stellvertretend die eingebaute TV-Karte beziehungsweise den angestöpselten TV-Stick an und führen das Fernsehprogramm einem passenden XBMC-Add-on zu. Das wiederum reicht seinerseits das Video an XBMC weiter, das komplette Verfahren veranschaulicht Abbildung 1. So mausert sich XBMC zu einem vollwertigen Videorekorder (englisch "Personal Video Recorder", PVR).

Abbildung 1

Abbildung 1: Tvheadend holt das Fernsehprogramm aus der Luft und reicht es an ein XBMC-Add-on weiter.

Derzeit verwendet XBMC die Programme MythTV, VDR und HTS Tvheadend als Backends. Die Integration von MythTV und VDR funktionierte zum Redaktionsschluss aber eher schlecht als recht. Darüber hinaus ist die Einrichtung der Fernseh-Add-ons eine ziemlich frickelige Angelegenheit, die eine möglichst aktuelle XBMC-Version voraussetzt.

Glücklicherweise gibt es Lars Op den Kamp. Der Niederländer stellt eine für den Fernsehempfang fix und fertig vorbereitete XBMC-Version samt HTS Tvheadend bereit. Als Ubuntu-Nutzer müssen Sie lediglich ein Repository einbinden, die XBMC-Pakete installieren und ein paar Einstellungen gerade rücken – fertig ist der persönliche Videorekorder. Akzeptieren Sie das Angebot, sollten Sie im Hinterkopf behalten, dass es sich um ein inoffizielles Repository handelt, das eine unfertige Vorabfassung der kommenden XBMC-Version 11.0 enthält. In unseren Tests funktionierte das Komplettpaket von Lars Op den Kamp fehler- und absturzfrei. Dies muss jedoch nicht grundsätzlich für alle anderen Systeme gelten.

Harte Ware

Um XBMC sinnvoll zu verwenden, müssen zunächst Ihre TV-Karte beziehungsweise der TV-Stick unter Linux funktionieren. Sie prüfen das mit einer TV-Anwendung wie Me-TV aus Ubuntus Software-Center. Sie sollte den Empfänger einrichten und ein Bild ausgeben können. Eventuell müssen Sie zuvor über das Programm Zusätzliche Treiber eine passende Firmware einspielen. Weitere Informationen zur Auswahl und Inbetriebnahme einer TV-Karte erhalten Sie beispielsweise unter [2].

Für die Ausgabe des Fernsehprogramms ist XBMC zudem auf eine korrekt eingerichtete 3D-Grafikkarte angewiesen. Andernfalls reagiert es nur im Schneckentempo oder stürzt sogar komplett ab. In der Regel benötigen Sie die proprietären Treiber von ATI und Nvidia – über die freie Alternative Nouveau wollte XBMC in unseren Tests keine Fernsehbilder ausgeben.

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