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© Raoul Fesquet, Fotolia.de

Route in die Freiheit

Editorial

Was Microsoft für sein Betriebssystem plant, ist vielen überzeugten Linux-Anwendern herzlich schnuppe. Die aktuellen Pläne für den neuen Windows-8-Browser bringen jedoch Überraschungen mit, die auch Linux-Nutzer angehen. Zwar gibt es den Internet Explorer 10 auch weiterhin in einer traditionellen Version, aber wer die vom Microsoft empfohlene Metro-Style-Variante benutzt, der bekommt einen Browser ohne Plug-ins. Kein Flash, kein Silverlight, dafür HTML 5.

Das ist nicht das Ende von Flash und Silverlight, aber vielleicht der Anfang davon. Für den User ist es eine gute Nachricht: Die Anzahl von Sicherheitslücken in Adobes Flash Player ist berüchtigt, die Stabilitätsprobleme sind immer wieder Thema. Dennoch führte bislang kein Weg an dem Player vorbei. Das scheint sich gerade zugunsten des offenen Standards HTML 5 zu ändern.

Adobe, das weiterhin recht gut von seinen Klassikern wie Photoshop und InDesign leben wird, darf sich den Bedeutungsverlust selbst zuschreiben. "Das Benutzererlebnis, das aktuelle Plug-ins bieten, passt nicht zum Browsen im Metrostil und einem modernen, HTML-5-basierten Internet", schreibt Steven Sinofsky, Präsident der Windows-Abteilung bei Microsoft, in einem Blog [1]. Hätte Adobe den Quellcode des ohnehin kostenlos angebotenen Plug-ins offen gelegt, würde Sinofsky womöglich anders reden.

Doch auch Microsoft musste dazulernen. Mit Silverlight wollte der Konzern aus Redmond eine plattformübergreifende Konkurrenz zu Adobe etablieren, was – trotz des Quasi-Monopols und der Investitionen – misslang. Microsoft trennt sich nicht von der Technologie, sieht sie aber offenbar nicht mehr im Zentrum seiner Internetstrategie. Silverlight hat denselben Makel wie Adobes Produkte: Es kommt von einer einzigen Firma und ist nicht offen.

Das Internet, hieß es in den frühen Tagen, routet einfach um Hindernisse herum. Das bedeutet, dass Pakete autonom einen anderen Weg finden, wenn Server ausfallen. Den Schritt zum offenen Standard HTML 5 kann man als Ende einer langen Umleitung begreifen, als Rückkehr zur Normalität. Es gibt noch immer viele Baustellen im Netz, aber diese Route ist nun wieder befahrbar.

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