AA_statuen.jpg

© Shariff Che'Lah, 123RF

UPnPray

Musik, Videos, Bilder im LAN streamen

Dank UPnP brauchen Sie Ihre Audio- und Videodateien nicht mehr von einem Rechner auf den nächsten zu kopieren – Sie streamen die Inhalte einfach. Das klingt lustig, hat aber ein paar Haken.

Angenommen Sie schließen einen PC an den Fernseher, um einen Film zu schauen. Nun fällt Ihnen ein, dass sich der Film auf einem anderen Rechner befindet. Natürlich ist es möglich, die mehrere GByte umfassende Datei per Samba oder SSH an den Wohnzimmerrechner zu schicken – aber das dauert mitunter recht lange. Selbst das Kopieren auf einen USB-Stick braucht einige Zeit. Dank UPnP gibt es allerdings auch eine zügige Lösung: Sie starten auf dem Rechner mit dem Film einfach einen UPnP-Server und geben Ihren Film zum Streamen frei. Der Client im Wohnzimmer entdeckt ihn und spielt ihn in einem UPnP-fähigen Player ab. Soweit die Theorie.

UPnP und DLNA

Im UPnP-Forum, einer Initiative der Industrie, die es seit 1999 gibt, haben sich rund tausend Anbieter aus dem IT- und Hardwarebereich zusammengeschlossen, um einen technischen Standard zu etablieren, der Bilder, Töne und Videos mit der passenden Abspielsoftware bekannt macht. Nicht selten kommt es vor, dass die abspielbaren Medien auf einem Rechner liegen, der Abspieler aber auf einem anderen Gerät läuft. Egal ob Multimediaplayer, Fernseher oder Smartphone – sie alle suchen mittlerweile dank UPnP im lokalen Netzwerk nach abspielbaren Inhalten. Der Standard soll nun die Medien und die zugehörige Abspielsoftware im LAN einfach miteinander verbinden – im Idealfall greifen Sie nicht in den Prozess ein.

UPnP ist ein lokales Peer-to-Peer-Netzwerk, das aus Clients, Kontrollpunkten und Servern besteht, die sich über ein eigenes Protokoll unterhalten. Es beruht auf offenen Internetstandards (SSDP, XML, HTTPU) und macht die UPnP-fähigen Geräte im Netzwerk miteinander bekannt. Die holen sich zunächst selbstständig eine IP-Adresse und kündigen dann ihre Existenz im lokalen Netzwerk an. Während UPnP AV MediaServer Inhalte anbieten, spielen die Clients (UPnP MediaRenderer) diese ab. Sie prüfen dafür, welche Features der Server anbietet und bieten eine Oberfläche an, um ihn zu steuern. Die UPnP AV MediaServer ControlPoints verbinden Clients und Server: Sie sind in der Lage, die Freigaben auf den Servern zu entdecken und zu lesen.

Tipp

Läuft auf dem Rechner mit dem Server eine Firewall, kann es sein, dass die Server-Freigaben nicht sichtbar werden. In diesem Fall geben Sie die Ports 1900 (UDP) und 2869 (TCP) frei.

Zwar konzentrieren wir uns im Artikel auf die Fähigkeit von UPnP, Multimediadateien anzubieten, aber UPnP steuert mittlerweile auch Router und setzt das Internet Gateway Device Protocol (IGD) um. Dieses automatisiert Portfreigaben, wenn bestimmte Anwendungen sie verlangen. Das ist nicht ganz risikolos: Meist wird empfohlen, die UPnP-Steuerung für Freigaben im Router besser zu deaktivieren. Das Firefox-Add-on Foxbox [1] verwendet das UPnP-Protokoll zum Beispiel, um die öffentliche IP-Adresse von Fritzbox-Routern auszulesen und zu erneuern. Seit neuestem verknüpft UPnP auch Drucker in Netzwerken miteinander.

Neben UPnP taucht auch häufig der Begriff DLNA auf. Die Organisation vergibt eine Art Gütesiegel – ein Logo (Abbildung 1) – für Geräte, die bestimmte Richtlinien erfüllen: die "Home Networked Device Interoperability Guidelines". Diese liegen seit 2006 in Version 1.5 vor und werden nur an Mitglieder der DLNA oder zahlende Interessenten vergeben. So führt die Organisation verschiedene Tests mit Geräten durch, die im Erfolgsfall das Siegel erhalten [2]. Cnet weist allerdings in einem aufschlussreichen Artikel auf die Mängel von DLNA hin, die dazu führen, dass ein Gerät lediglich drei vorgeschriebene Audio-, Video- und Bildformate (LPCM, MPEG-2, JPEG) unterstützen muss, um das Logo zu erhalten [3].

Abbildung 1

Abbildung 1: Das DLNA-Logo erhalten Geräte, die beim Streamen von Musik, Videos und Bildern bestimmte Mindestanforderungen erfüllen.

Server und Clients

Es gibt überraschend viele UPnP-AV-Server für Linux. Einige sind frei, andere kosten Geld. Wir haben uns im Test auf die freien Server-Varianten Rygel, Mediatomb und Ushare konzentriert, die Sie unter Ubuntu 11.10 einfach über das Software-Center installieren. Dann haben wir die Freigaben mit verschiedenen Clients getestet – und sind auf interessante Ergebnisse gestoßen. Während eine freie Android-App namens UPnPlay die von den Servern angebotenen Dateien noch am zuverlässigsten abspielte, zeigten sich bei den Ubuntu-Clients diverse Probleme, welche die einzelnen Tests beschreiben. Was für Features die Server mitbringen und unter welchen Betriebssystemen sie laufen, zeigt eine große Übersichtstabelle in der Wikipedia [4].

Einem Freund empfehlen