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Familientreffen 5.0

Die Ubuntu-Konferenz in Leipzig

In Leipzig fand im Oktober zum fünften Mal die Ubucon statt. Ubuntu User begegnete vielen neuen Gesichtern aus der Community – und leider keinem Canonical-Entwickler.

An der großen Türe des Seminargebäudes muss man kräftig ziehen, damit sie aufgeht. Das hält niemanden davon ab, das Haus zu betreten, denn bereits aus der Ferne lockt das knallorange Ubucon-Poster. Hätte ich jedoch geahnt, dass wir in den nächsten Tagen 850 Brötchen und 350 Berliner wegputzen müssen, hätte ich mir das Frühstück gespart. Erstmals wird in diesem Jahr darauf verzichtet, das Essen selbst zuzubereiten – das erledigt ein Catering-Service. Dann mal los, ich hole mir meinen ersten Kaffee.

Wie schon im letzten Jahr findet die Ubucon in den Räumen der Universität Leipzig statt. Im langen Gang reihen sich mehrere Seminarräume mit den Namen der letzten Ubuntu-Versionen aneinander: Lucid, Maverick, Natty und Oneiric. Sie sind modern ausgestattet und verfügen jeweils über einen Beamer.

Zum Inventar der Räume scheint auch Volkmar Kreiß zu gehören, der mit seiner Videoausrüstung von Vortrag zu Vortrag flitzt. Leider, so sagt er, habe er viel zu tun, vermutlich dauere das Bearbeiten der Aufzeichnungen daher etwas länger. Doch auf diese Weise könnten auch Leute an den Vorträgen teilnehmen, die es nicht zur Ubucon geschafft haben.

Äußerlich wirkt die Konferenz wie im letzten Jahr. Aber während 2010 noch 22 Vorträge auf die Zuschauer warteten, sank die Zahl in diesem Jahr auf 14, die Anzahl der Räume schrumpfte von sechs auf vier. Und während die Ubucon 2010 mit insgesamt 253 Besuchern einen Rekord aufstellte, fanden in diesem Jahr "nur" noch ca. 200 Interessierte den Weg nach Leipzig.

Der guten Stimmung tut das keinen Abbruch, aber es verwundert ein wenig. Gründe dafür gibt es viele: Im persönlichen Gespräch berichten die Organisatoren von vielen kleinen Stolpersteinen, die zu dem Ergebnis beigetragen hätten. Besonders häufig kommen wir dabei auf das Thema Nachwuchs zu sprechen, das vor allem den Ubuntu Deutschland e.V. betrifft. Zwar wuchs das Team von Ubuntuusers.de um acht Personen auf nun 68, doch am Verein geht der Zuwachs vorbei. Wie wichtig das Thema für die Organisatoren der Ubucon ist, wird unter anderem an einer Diskussion mit dem Titel "Quo vadis, Ubuntu Deutschland?" deutlich. Zwei Stunden lang geht es vor allem um eins: Wie motivieren wir den Nachwuchs? (Abbildung 1)

Abbildung 1

Abbildung 1: In der Diskussionsrunde "Quo vadis, Ubuntu Deutschland?" ging es vor allem um den Nachwuchs.

Zwei Jobs

Dabei könnte alles so einfach sein. Publikum und Veranstalter auf der Ubucon verstehen sich blendend. Es wird viel geredet, geholfen und gescherzt. Selten vergeht mal eine Stunde, in der nicht jemand in lautes Lachen ausbricht. Die Stimmung ist familiär, warum lässt sich das nicht in aktives Engagement verwandeln? Der größte Faktor dürfe wohl die Zeit sein: Durchweg berichten die Aktiven, dass sie eigentlich zwei Jobs haben. Einen, mit dem sie Geld verdienen und einen in der Community. Auch andere Projekte aus dem Bereich "Freie Software" kämpfen mit dem Problem, etwa Radio Tux oder FreiesMagazin.

Publikum

Doch es gibt auch viel Positives. So fällt mir gleich nach dem Betreten eines Vortragsraumes auf, dass trotz rückläufiger Besucherzahlen deutlich mehr Frauen kommen. Auch Ingo Ebel von Radio Tux, der diesmal ohne sein mobiles Studio anreist, bemerkt das. Er und Dirk Deimeke meinen festzustellen, dass die Frauen in der Community als ausgleichender Faktor wirken. Doch auch so präsentiert sich das Publikum alles andere als homogen: Zwischen 13 und 65 sind so ziemlich alle Altersgruppen vertreten. Unter anderem beteiligen sich die Schüler eines Informatikkurses an den Gesprächen – mangelndes Interesse an Ubuntu und Freier Software lässt sich hier also nicht feststellen.

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