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© Zlatko Guzmic, 123RF

Listenwunder

To-do-App mit Cloud-Anbindung

Eine Aufgabenverwaltung sollte effektiv, intuitiv und elegant sein. Wunderlist hat mit diesem Rezept in den vergangenen Monaten viele Freunde gefunden und steht nun auch für Linux-Systeme bereit.

"Leben Sie nicht in Ihrem Posteingang", rät der US-Autor Leo Babauta den Lesern seines Buches "Focus – A Simplicity Manifesto in the Age of Distraction" [1], weil er beobachtet hat, dass viele Computeranwender ihr E-Mail-Programm als To-do-Liste missbrauchen. Die eintrudelnden Nachrichten lassen sich jedoch nur schwer priorisieren und eignen sich eher schlecht zum Planen von Aufgaben.

Von Berlin in die Welt

Eleganz, Minimalismus und Übersichtlichkeit hat sich hingegen Wunderlist auf die Fahnen geschrieben. Der Task-Manager aus der Berliner Softwareschmiede 6Wunderkinder [2] konnte in seiner kurzen Lebensspanne schon einige Anwenderpreise ergattern. Plattformunabhängigkeit gehört zum Programm: Neben Desktopversionen für Windows, Mac OS X und Linux gibt es mobile Varianten für Android-Smartphones sowie iPhone und iPad. Außerdem lässt sich Wunderlist komplett im Browser verwenden, für Chrome gibt es eine Anwendung in Googles Webstore [3].

Wunderlist existiert in Versionen für 32- und 64-Bit-Systeme. Nutzen Sie Ubuntu 11.04, installieren Sie das Programm über das Software-Center. Da die Wunderlist zugrunde liegende Entwicklungsumgebung Titanium bisher nicht mit Ubuntu 11.10 kooperiert (siehe Kasten Installation unter 11.10), verzögert sich die Umsetzung für die aktuelle Version etwas – zum Erscheinen dieser Ausgabe sollte diese Nachlässigkeit bereits behoben sein.

Installation unter 11.10

Steht Wunderlist noch nicht im Software-Center bereit, müssen Sie nicht verzweifeln: Anton Kurnitzky bietet auf seiner Webseite [4] ein Skript an, über das Sie Wunderlist fast ohne Terminal-Eingaben unter Ubuntu 11.10 installieren. Sie machen das heruntergeladene Skript zunächst ausführbar. Dazu klicken Sie mit der rechten Maustaste darauf, wählen Eigenschaften und setzen im Reiter Zugriffsrechte ein Häkchen bei Datei als Programm ausführen. Dann rufen Sie ein Terminal auf ([Strg]+[Alt]+[T]), navigieren in das Verzeichnis mit dem Skript und geben sudo ./installWunderlist.sh ein. Das Skript lädt nun die Software herunter, installiert die Abhängigkeiten und verfrachtet das ausführbare Programm in den Ordner /opt. Über das Dash und die Eingabe von wunderlist rufen Sie das Programm auf.

Wunderlist präsentiert sich auf allen Plattformen mit einer durchgängigen Oberflächengestaltung, die an das Design von Apple-Software erinnert. Im Zentrum stoßen Sie auf die Aufgabenübersicht, auf der rechten Seite auf Listen, zu denen die Aufgaben gehören. Eine Funktionsleiste am unteren Fensterrand bietet zusätzliche Optionen an, über die Sie die angezeigten Aufgaben eingrenzen, das Profil schneller wechseln und die Oberfläche gestalten.

Ein hübsches Wunder

Die größte Aufmerksamkeit zieht sicher die Aufgabenübersicht auf sich (Abbildung 1). Die sieht aufgrund ihres ausladenden Fensterhintergrundes fast wie ein alternativer Desktop aus. Benutzen Sie Wunderlist im Vollbildmodus, ist die Illusion nahezu perfekt. Den voreingestellten Parketthintergrund ersetzen Sie jederzeit durch ein anderes Bild. Dazu verwenden Sie das Aufklappmenü, die Sie unten rechts am Rand der Funktionsleiste sehen (Abbildung 2). Eigene Designs dürfen Sie allerdings nicht auswählen.

Abbildung 1

Abbildung 1: Alle Funktionen von Wunderlist erreichen Sie innerhalb des Arbeitsfensters, das ein wenig an das Design von Apple-Software erinnert.

Abbildung 2

Abbildung 2: Das Hintergrundbild des Arbeitsfensters verändern Sie über ein Aufklappmenü.

Nach dem Erststart und der Registrierung (die Sie über No Thanks auch verweigern dürfen) präsentiert Wunderlist seine Eingangsbox, die – in Form einer To-do-Liste – auch gleichzeitig eine kleine Einführung in das Programm enthält. Arbeiten Sie die dargestellten "Aufgaben" ab, lernen Sie die wichtigsten Verwaltungsfunktionen kennen und machen sich so zugleich mit den Tastaturkürzeln vertraut.

Bevor Sie eine Aufgabe hinzufügen, erstellen Sie eine übergeordnete Liste, in die Sie die Aufgabe thematisch einbetten (im Beispiel heißt sie Ubuntu User). Das erledigen Sie über den entsprechenden Knopf in der Funktionsleiste (Liste hinzufügen). Haben Sie den Namen eingetragen, erscheint der Eintrag in der Listenübersicht. Fahren Sie nun mit der Maus über diesen, erscheinen weitere Piktogramme, die das Bearbeiten beziehungsweise Löschen der Liste gestatten. Ein großzügiges Suchfeld oben rechts erlaubt es Ihnen, die angelegten Listen nach Schlüsselwörtern zu durchforsten.

Nun ergänzen Sie die Liste um eine neue Aufgabe. Dies erledigen Sie wiederum im Hauptfenster, in dem ein Eingabefeld auf Sie wartet. Geben Sie der Aufgabe zunächst einen Namen in Form einer groben Zusammenfassung, also zum Beispiel Leserbrief schreiben. Klicken Sie auf das Uhrensymbol links im Eingabefeld, öffnet sich ein Kalender, in den Sie einen Termin für diese Aufgabe eintragen. Legen Sie keine Zeit fest, gilt die Aufgabe als "nicht termingebunden". Drücken Sie [Eingabe], landet der neue Eintrag in der Liste. Hier bearbeiten Sie ihn erneut oder priorisieren ihn durch Anklicken des kleinen Sterns am linken Rand. Fahren Sie mit der Maus über den Eintrag, sehen Sie am rechten Rand ein Papiersymbol, das Sie zu einem einfachen Notizblock leitet. In ihm ergänzen Sie weitere Informationen wie E-Mail-Adressen und Weblinks, die Wunderlist beim Anklicken auch automatisch auflöst. Ist eine Aufgabe erledigt, haken Sie diese ab. Ist sie überfällig, zeigt Wunderlist dies an und schickt Ihnen zusätzlich eine Erinnerungsnachricht an die E-Mail-Adresse, die Sie beim Registrieren angeben. Die Funktionsleiste am unteren Fensterrand hilft Ihnen bei der Navigation durch Ihre Aufgaben.

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