Heft-DVD Ubuntu User 03/2012

Langlebiges Schuppentier

Heft-DVD: Ubuntu 12.04 LTS (32/64 Bit)

Ubuntu bringt bereits auf unserer Heft-DVD viel nützliche Software mit, andere interessante Programme installieren Sie nach. Welche Hardware Sie brauchen und wie Sie das System booten, lesen Sie hier.

Ubuntu 12.04 LTS trägt den Codenamen "akkurates Schuppentier" (Precise Pangolin) und ist ein wenig anders als die anderen Tiere in Canonicals Distributionszoo. Das Kürzel LTS steht für Long-Term-Support. Die aktuelle Version erhält – in der Desktop- und Servervariante – fünf Jahre lang Patches und Sicherheitsupdates durch die Ubuntu-Community. Da das Schuppentier lange lebt, haben die Entwickler diesmal besonders auf die Stabilität geachtet.

Auf der Heft-DVD finden Sie Ubuntu-12.04-Varianten für 32- und 64-Bit-Systeme. Beide enthalten das berühmte Live-System: Sie laden Ubuntu erstmal nur in den Arbeitsspeicher und testen es ohne Installation. Anschließend installieren Sie Ubuntu neben Windows auf die Festplatte oder lassen es unter Windows in einer virtuellen Maschine laufen. VirtualBox ist dafür auch unter Windows eine hervorragende kostenlose Virtualisierungsanwendung. Einen ausführlichen Installationsartikel zu Ubuntu 12.04 finden Sie weiter vorn im Heft, dort lesen Sie auch, was Sie in Ubuntu 12.04 an Neuem erwartet.

Die Hardwareanforderungen von Ubuntu bewegen sich auf der Höhe der letzten Versionen. Sie brauchen mindestens 512 MByte RAM, besser aber noch mehr. Mit 6 GByte Speicherplatz kommen Sie zwar zurecht, müssen aber ständig Ihre Festplatte aufräumen. Spendieren Sie Ubuntu am besten etwa 15 GByte Speicherplatz. Die Performance der Distribution hängt auch davon ab, welchen Desktop Sie verwenden: Neben dem vorinstallierten Unity-Desktop, den es in einer 2-D- und einer 3-D-Variante gibt, nutzen Sie auf Wunsch noch zahlreiche weitere Desktops. Die 3-D-Variante ist quasi das Flaggschiff von Ubuntu und sollte auch mit 6 Jahre alter Grafikhardware noch laufen. Ist das nicht der Fall, testen Sie Ubuntu 2D oder geben dem LXDE-Desktop (lubuntu-desktop) eine Chance (Abbildung 1).

Abbildung 1

Abbildung 1: User mit langsamen Rechnern sollten den LXDE-Desktop testen, falls die 2-D-Variante von Unity nicht zufriedenstellend läuft.

Erstboot

Um Ubuntu von der DVD zu booten, legen Sie diese in Ihr Laufwerk. Nutzen Sie einen 64-Bit-Rechner, sollten Sie dabei das 64-Bit-Label sehen, bei 32- Bit-Rechnern funktioniert es analog. Viele – aber nicht alle – Rechner booten beim Einlegen einer bootfähigen DVD automatisch von dieser. Wie es dann weitergeht, steht im erwähnten Artikel. Fährt Ihr Rechner hingegen das auf der Festplatte installierte System hoch, müssen Sie ins BIOS und die Einstellungen so ändern, dass der Rechner das DVD-Laufwerk als erstes Bootgerät akzeptiert. Auch wie das geht, erklärt der Installationsartikel. Er zeigt zudem, wie Sie einen USB-Stick mit Ubuntu 12.04 bespielen, um Ubuntu auf Netbooks zu installieren, die oft kein DVD-Laufwerk mitbringen.

Als Alternative gab es auf der CD-Version von Ubuntu bisher stets den Wubi-Installer als EXE-Datei. Er erlaubt es, Ubuntu als Windows-Anwendung zu installieren. Wubi bietet das Ubuntu-Projekt jetzt nur noch zum Download an [1]. Um es zu nutzen, brauchen Sie freien Speicherplatz auf Ihrer Windows-Platte und eine gute Internetanbindung, da Sie Ubuntu quasi komplett aus dem Internet holen.

Alles ist drin

Nutzen Sie Ubuntu zum ersten Mal, fragen Sie sich vermutlich, was für Software die Distribution anbietet. Eine Menge: Unter Ubuntu laufen sprichwörtlich tausende freie und kommerzielle Programme aus allen möglichen Bereichen. Einige davon kennen Sie bereits, denn Firefox, LibreOffice und VLC sind auch unter Windows oder Mac OS X beliebt.

Haben Sie schon einmal Apples oder Googles App Stores besucht, wissen Sie zudem, wie die Softwareverwaltung von Ubuntu funktioniert. Sie installieren Programme über ein zentrales Interface – das Softwarecenter. Zuerst sollten Sie sich aber mit dem neuen Desktop vertraut machen: Drücken Sie länger auf [Windows], erscheint eine praktische Übersicht der wichtigsten Befehle von Unity.

Viele Ubuntu-Einsteiger möchten ihre wichtigsten Windows-Programme auch unter Ubuntu nutzen – oder zumindest Alternativen dazu. Letztere gibt es in fast allen Bereich, ob sie Ihren Ansprüchen genügen, müssen Sie selbst herausfinden. Fürs Büro bringt Ubuntu 12.04 LibreOffice 3.5 mit, das auch Dokumente und Spreadsheets von Microsoft Office öffnet. Zu der erfolgreichen Abspaltung des OpenOffice-Projekts gehören ein Schreibprogramm, eine Tabellenkalkulation, ein Präsentationsmodul, ein Zeichenprogramm und ein Formeleditor. Auch ein Datenbankmodul ist dabei, das aber noch einige Zuwendung braucht. Da LibreOffice ohne Frage der Platzhirsch der freien Büroprogramme ist, finden Sie dazu im Internet viele Anleitungen und Webseiten mit Tipps & Tricks.

In puncto Browser und E-Mail-Programm setzt Ubuntu 12.04 auf alte Bekannte: Firefox und Thunderbird mit ihren tausenden Add-ons – auch der Flashplayer läuft unter Linux. PDF-Dateien betrachten Sie am besten mit dem eingebauten PDF-Betrachter Evince oder – wie gewohnt – mit Adobes PDF-Reader.

Ubuntu bringt gleich mehrere Bildbetrachter mit, empfehlenswert ist hier zum Beispiel Shotwell. Wollen Sie die Fotos gleich bearbeiten, greifen Sie zu Gimp, das Sie über das Softwarecenter installieren. Gehen Ihre Interessen eher in Richtung Vektorgrafik, ist Inkscape ein Tipp. Schwieriger wird es bei CAD-Programmen: Mittlerweile haben vor allem einige kleine Hersteller auch Versionen für Linux im Angebot, die Platzhirsche setzen aber noch immer auf Windows. Mit Wine finden Sie unter Ubuntu zwar eine Laufzeitumgebung für Windows-Programme, doch diese funktioniert nicht mit sämtlichen Anwendungen gleichermaßen gut, die Windows-Software läuft zudem mitunter weniger performant. Spieler sollten sich PlayOnLinux anschauen, das zahlreiche aktuelle Windows-Spiele unter Linux zum Laufen bringt.

Filme lassen sich unter Ubuntu wunderbar betrachten, bearbeiten und konvertieren – letzteres zeigt auch ein Artikel im Heft. Genügt Ihnen das vorinstallierte Totem nicht, greifen Sie zum bekannten VLC, das Sie mit seinen zahlreichen Optionen allerdings eher erschlagen dürfte (Abbildung 2). Zum Bearbeiten von Videos greifen Sie zu Kdenlive und OpenShot – die bewirken keine Wunder, sind aber zum Bearbeiten von Filmen und zum Einfügen von Effekten durchaus in der Lage.

Im musikalischen Bereich bringt Ubuntu 12.04 wieder Rhythmbox als Standard mit, doch gibt es noch zahlreiche Alternativen. Und nicht nur das: Mit EnergyXT machen Sie einfach selbst Musik.

Abbildung 2

Abbildung 2: Eine Menge Software, die Sie unter Ubuntu verwenden, ist auch bei Windows-Nutzern im Einsatz – VLC gehört in diese Kategorie.

Auch Echtzeitkommunikation ist unter Ubuntu ohne weiteres möglich, allerdings ist die Skype-Version nicht so weit, wie das Microsoft-Pendant. Als Alternative gibt es Google Hangout sowie einige Open-Source-Lösungen, die aber meist voraussetzen, dass Ihr Gegenüber sie ebenfalls verwendet. Empathy ist eine gut funktionierende Chat-Lösung, Gwibber ein gut in Unity integrierter Twitter-Client. Zugang zu diesen Programmen finden Sie über den Briefumschlag-Indikator oben rechts im Panel. Wir könnten noch viel mehr schreiben, aber am besten werfen Sie einfach selbst einen Blick auf Ubuntu.

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