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© Canonical

Ubuntu für Androiden

Interview mit Richard Collins

Die Ankündigung von Ubuntu für Android sorgt bei vielen Ubuntu-Anwendern für Begeisterung. Wir sprechen mit Produktmanager Richard Collins über den Stand der Dinge.

Ubuntu User: Hallo Richard, vielleicht erzählst Du kurz, wer Du bist und was Du tust.

Richard Collins: Mein Name ist Richard Collins, ich arbeite bei Canonical in London als Produktmanager. Ich bin seit November letzten Jahres beim Unternehmen und war vorher Technology Manager bei Symbian.

UU: Woran genau arbeitest Du?

RC: Ich bin zuständig für das Produkt "Ubuntu für Android" und arbeite zudem in den Projekten mit, die Ubuntu für Tablets und Telefone entwickeln.

UU: Es gibt ja bereits Android: Das ist frei, basiert auf Linux und ist im Smartphone-Markt etabliert. Warum sollten wir nun zu Ubuntu greifen?

RC: Ubuntu für Android ist eine Lösung, die parallel zu Android funktioniert. Android ist zwar ein sehr erfolgreiches Betriebssystem für Mobiltelefone mit tollen Bedienmöglichkeiten, aber es ist nur auf Smartphones wirklich relevant. Die unter Android gut funktionierenden Dienste wurden für ein mobiles Umfeld entworfen und daraufhin optimiert. Wir glauben, dass die Nutzer von neueren Smartphones, die auch einen Desktop mitbringen (mit Desktop-Anwendungen und einer grafischen Oberfläche, die man über einen HDMI-Anschluss mit einem Monitor verbindet), sich die vollen Fähigkeiten eines Desktopsystems wünschen. Sie möchten die Dienste genau so benutzen, wie sie es auf ihrem Laptop tun. Ubuntu ist ein gut etabliertes, leicht verständliches und gern genutztes Betriebssystem. Android kann auf dem Desktop nicht dieselbe Benutzerfreundlichkeit vermitteln, wie Ubuntu.

UU: Ihr plant, Ubuntu auf Dual-Core-Smartphones zu installieren, als Desktopsystem zusätzlich zu Android. Wie steht es um die Sicherheit, wie wollt Ihr die privaten Daten schützen, wenn zum Beispiel jemand sein Smartphone verliert?

RC: Die Sicherheit des Ubuntu-Systems gefährdet das in keiner Weise. Das Betriebssystem läuft nativ auf der Hardware, es gibt keinen Zugriff von Android-Diensten aus. Ubuntu für Android wird es den Benutzern erlauben, die persönlichen Daten in der Ubuntu One Cloud zu speichern – das ist ein Weg, um die Daten vom Gerät zu trennen (das ist im übrigen derselbe Weg wie für jedes andere Gerät auch, etwa ein Laptop, das ja auch dem Risiko unterliegt, gestohlen zu werden oder verloren zu gehen). Den Schutz des Telefons übernimmt das Android-System selbst (zum Beispiel über Löschung per Fernzugriff oder Sperrung). Indem es das Telefon auf diese Weise deaktiviert, schützt es den Benutzer davor, dass seine persönlichen und sensiblen Daten kompromittiert werden. Aus der Unternehmensperspektive gibt es für Fernzugriffe über das Internet viele Security-Lösungen auf Anwendungsebene. Da diese bereits gut für Ubuntu auf Laptops funktionieren, kommen sie auch auf Ubuntu für Smartphones zum Einsatz.

UU: Die Autoren von Engadget haben Ubuntu auf Android bereits getestet und mochten es [1]. Sie fanden es aber recht langsam. Auf welcher Hardware wird Ubuntu denn flüssig laufen?

RC: Das Engadget-Interview basierte auf einem Prototypen, der auf einem Motorola Atrix 2 lief. Canonical hat diesen Prototyp unabhängig von Motorola entwickelt, daher beschränkte sich die Performance auf die Fähigkeiten der Hardware. Es gibt viel Spielraum, um die Performance des Produkts zu verbessern, und wir haben das System seitdem so optimiert, dass es wesentlich flüssiger läuft. Doch was noch wichtiger ist: Da wir Ubuntu auf Android zusammen mit einem Hardware-Hersteller entwickeln, erhält dieser die Gelegenheit, weitere Optimierungen vorzunehmen und so eine bessere Performance zu erzielen.

UU: Habt Ihr bereits einen offiziellen Hardware-Hersteller als Kooperationspartner gefunden, wie etwa Motorola? Wann können wir so ein Gerät kaufen?

RC: Momentan laufen die Gespräche noch. Wir hoffen aber, sehr bald Ankündigungen zur Verfügbarkeit des Geräts machen zu können.

UU: Planen weitere Hersteller, Geräte zu verkaufen, die in der Lage sind, Android und Ubuntu gleichzeitig zu booten?

RC: Um genau zu sein, basiert die Ubuntu-Lösung darauf, dass beide Betriebssysteme den Linux-Kernel konkurrierend miteinander teilen. Es erfordert bestimmte Hardware, um Ubuntu für Android zu unterstützen, etwa eine Mehrkern-CPU. Wir sehen jedoch, dass alle großen Mobiltelefon-Hersteller, deren Systeme auf der ARM-Architektur basieren, zur Zeit dabei sind, solche High-end-Geräte mit Multicore-CPUs anzukündigen.

UU: Will das Projekt Ubuntu auch auf gewöhnlichen Android-Smartphones laufen lassen oder konzentriert es sich auf Dualboot-Szenarien?

RC: Die Strategie zielt insgesamt darauf ab, High-end-Smartphones zu verwenden, auf denen Android läuft.

UU: Falls kein Deal mit Hardwareherstellern zustande kommt: Wird der Code für jeden verfügbar sein, um ihn auf eigene Gefahr auf einem Gerät zu installieren?

RC: Wir haben aktuell keine Pläne, den Code für Privatanwender zu veröffentlichen, damit diese ihn auf ihren eigenen Smartphones installieren. Das erfordert spezielle technische Kenntnisse. Die Bandbreite von Telefonen, die Ubuntu für Android unterstützen, ist zudem noch sehr klein. Den Code zum Herunterladen anzubieten, würde momentan keinen Sinn ergeben. Es ist extrem kompliziert, die aktuelle Version der Software auf einem Gerät zum Laufen zu bringen – jedenfalls ohne guten Support eines Hardwareherstellers.

UU: Wie viele Mitglieder der Ubuntu Community, die nicht direkt für Canonical arbeiten, beteiligen sich aktuell an dem Projekt?

RC: Da sich das Projekt noch in der Entwicklungsphase befindet, passiert die Hauptarbeit noch bei Canonical selbst. Diese besteht momentan darin, eng mit den Hardwareherstellern zusammenzuarbeiten. Sobald das Produkt aber erfolgreicher ist und im größeren Stil an Kunden ausgeliefert wird, bieten sich mehr Gelegenheiten, mit der Community zu arbeiten.

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