AA_gefrier.jpg

© Fred Goldstein, 123RF.com

Mindestens haltbar bis: 26.04.2017

Was bringt die 12.04 LTS?

Rückblickend gehörte Ubuntu 11.10 nicht zu den Highlights in der Geschichte von Ubuntu. Doch die Entwickler haben für Ubuntu 12.04, das fünf Jahre Support erhalten soll, ihre Hausaufgaben gemacht. Wir zeigen, was neu ist.

Ubuntu 11.10 stellte sich im Laufe seines Lebenszyklus nicht gerade als Glanzstück in der Ubuntu-Entwicklung heraus. Lange Bootzeiten, überdurchschnittlicher Energieverbrauch und Bugs in der mitgelieferten Software ließen manchen Benutzer früher als geplant zum Nachfolger Ubuntu 12.04 wechseln, der 5 Jahre lang Support erhalten wird (LTS = Long Term Support). Tatsächlich ging das "akkurate Schuppentier" – so der Codename – von Anfang an recht pfleglich mit den Rechnern seiner Anwender um; bereits die Alpha 1 verursachte kaum Probleme. Lediglich Firefox und Thunderbird erwiesen sich im täglichen Umgang als etwas zickig.

Unity in neuem Glanz

Zunächst zu den offensichtlichen Änderungen an Unity. Viel gesprochen wurde bereits über das HUD (Head-up-Display), eine Innovation, die bislang kein anderes Betriebssystem anbietet, auch wenn es sich noch um ein experimentelles Feature handelt. Drücken Sie kurz [Alt], erscheint es in Form einer Eingabezeile und kennt im Idealfall sämtliche Menüeinträge eines Programms (Abbildung 1). Sie geben einfach die ersten Buchstaben der gesuchten Funktion ein, anstatt sich durch zahllose Menühierarchien zu wühlen. Noch funktioniert das HUD nur mit einigen Programmen, darunter Gimp, LibreOffice und Firefox.

Abbildung 1

Abbildung 1: Neu und noch experimentell: Über das HUD (Head-up-Display) finden Sie schnell verschüttete Funktionen innerhalb von Anwendungen.

Im Dash ändert sich auch einiges. Die Überblicksseite, die bisher nach einem kurzen Druck auf [Windows] bzw. [Super] sowie beim Anklicken des Dash-Symbols im Starter erschien, gibt es nicht mehr. Stattdessen landen Sie gleich in einer Übersicht mit den zuletzt geöffneten Anwendungen und Dateien sowie der als letztes heruntergeladenen Software.

Wie bisher geben Sie nur einige Buchstaben ein, um das Starticon für ein bestimmtes Programm aufzurufen. Neuerdings müssen Sie jedoch doppelt auf [Pfeil-runter] drücken, um den Fokus auf das Starticon zu legen, da dieser beim ersten Druck lediglich in der Kategorienzeile landet. Hier holen Sie über [Eingabe] alle verfügbaren Anwendungen einer Kategorie ans Tageslicht.

Ein neues Feature für Einsteiger: Wer länger auf [Windows] bzw. [Super] drückt, holt so eine Liste mit den wichtigsten Tastaturkürzeln für Unity auf den Schirm (Abbildung 2). Diese verrät zum Beispiel auch, dass man die Filter (engl. lenses) nun über [Strg]+[Tab] ansteuert. Ganz rechts stoßen Sie übrigens auf einen bisher unbekannten Filter, der sich um die lokalen Videodateien kümmert (Abbildung 3), aber auch Online-Videoquellen wie YouTube und die 3Sat-Mediathek anzapft.

Abbildung 2

Abbildung 2: Diese Übersicht mit nützlichen Tastenkombinationen erscheint, wenn Sie länger auf [Windows] drücken.

Abbildung 3

Abbildung 3: Ein neuer Filter kennt die Filme und Videos auf Ihrer Festplatte. Zudem greifen Sie auch auf externe Videoquellen aus dem Internet zu, etwa auf YouTube und die 3Sat-Mediathek.

Um zwischen mehreren Anwendungen hin und her zu springen, verwenden Sie weiterhin [Alt]+[Tab]. Verharren Sie dabei länger auf dem Icon einer Anwendung mit mehreren offenen Fenstern, zeigen sich diese einzeln und Sie wählen eines aus. Über [Strg]+[Alt] und die Pfeiltasten wechseln Sie zwischen den virtuellen Desktops hin und her – was ebenfalls ein neu designtes Fenster auf den Plan ruft (Abbildung 4). Drücken Sie [Alt]+[F2], landen Sie in der Schnellstartzeile, über die Sie – wie gewohnt – einige Kommandos absetzen. Nicht zuletzt haben die Entwickler einzelnen Anwendungen neue Quicklist-Einträge verpasst: Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf das Nautilus-Starter-Icon, greifen Sie direkt auf die Lesezeichen des Dateimanagers zu.

Abbildung 4

Abbildung 4: Wollen Sie den virtuellen Desktop verlassen, zeigt Ihnen dieses Fenster, auf welcher Arbeitsfläche Sie sich gerade befinden.

Ist Ihnen Unity im Umgang mit Informationen zu neugierig, gelangen Sie nun über die Systemeinstellungen oben rechts zu einem Tool namens Privatsphäre. Hier stellen Sie pauschal für einen Zeitraum oder bezogen auf Anwendungen und Dateitypen ein, welche Informationen Unity sich merken soll und welche es besser vergisst.

Apropos Systemeinstellungen: Die wurden für Ubuntu 12.04 nicht nur optisch überarbeitet, sondern auch durch neue und geänderte Einträge ergänzt. So passen Sie unter Darstellung ein paar wenige Unity-Parameter an, treffen auf geänderte Ubuntu-One-Optionen sowie auf eine Möglichkeit, einen ganzen Zoo von Ubuntu-Rechnern über das Verwaltungstool Landscape zu konfigurieren (Verwaltungsdienst). Wollen Sie etwas weitgehender an Unity herumschrauben, helfen Werkzeuge wie die CompizConfig-Einstellungsverwaltung und MyUnity.

Software wechsle Dich

Bei den Standardprogrammen gibt es einmal mehr Veränderungen: Rhythmbox hat sich seinen Platz zurückerobert und löst damit nicht nur den Audioplayer Banshee ab, sondern bringt zugleich den Ubuntu One Music Store mit. Da der Schritt bei einigen Banshee-Entwicklern auf Unverständnis stieß, wollen die Entwickler auf dem nächsten Ubuntu Developer Summit (UDS) diskutieren, wie sie künftig solche Entscheidungen fällen – schließlich will man die Upstream-Entwickler nicht jedes Mal vor den Kopf stoßen.

Firefox und Thunderbird liegen in Version 11 vor und scheinen – nach anfänglichen Problemen – seit der Beta 2 stabil zu funktionieren. Das globale Menü von Thunderbird verschwindet auf kleinen Displays allerdings noch immer hinter den Indikatoren.

Positive Erfahrungen haben wir mit Multimediaanwendungen gemacht. So funktionieren Tools wie Arista Transcoder (Abbildung 5) offenbar besser, was z. B. das Rippen von DVDs ermöglicht. Wer auf der Suche nach einem Personal Video Recorder ist, kann jetzt guten Gewissens die Kombination aus XBMC (Eden) und Tvheadend aus einem PPA installieren [1]. XBMC mit Live-TV-Support läuft inzwischen deutlich stabiler als noch unter Ubuntu 11.10, nur sehr selten kommt es zu Abstürzen. Auch am Softwarecenter haben die Entwickler gearbeitet: Zu jeder Software liefert es jetzt eine Reihe von Empfehlungen, auch wenn die Auswahl noch recht willkürlich erscheint. Für neu installierte Software ergänzt das Softwarecenter seit neuestem automatisch die richtigen Sprachpakete.

Abbildung 5

Abbildung 5: Einige Multimediaprogramme, darunter der Arista-Transcoder, scheinen in der 12.04 wieder besser zu funktionieren.

LibreOffice ist nicht nur mit einer neuen Version 3.5 an Bord, es speichert auch die lokale Konfiguration inklusive Backups neuerdings unter ~/.config/libreoffice. Das Anlegen von Sicherheitskopien müssen Sie weiterhin explizit aktivieren, über Extras | Optionen | Allgemein dürfen Sie zudem experimentelle (instabile) Funktionen freischalten.

Einem Freund empfehlen