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Volle Sicht voraus!

Ubuntu 12.04 trotz Sehbehinderung

Auch sehbehinderte Menschen kommen beruflich und privat selten um die Arbeit mit einem PC herum. Daher ist es für sie besonders wichtig, sich am PC ohne viel Extraaufwand zurechtzufinden. Wie sieht es unter Ubuntu 12.04 aus?

Bereits in Ausgabe 03/2010 des Ubuntu User haben wir beschrieben, wie sehbehinderte Menschen mit Ubuntu 10.04 LTS zurecht kommen. Nun hat sich seit der letzten LTS-Version von Ubuntu einiges geändert – man denke allein an die Einführung von Unity. Grund genug für uns, die aktuelle Version zu testen und herauszufinden, ob sich Ubuntu 12.04 auch für sehbehinderte Menschen eignet.

Bei der Installation

Starten Sie Ubuntu von der Installations- bzw. Live-CD, stoßen Sie im Bootmenü auf Optionen zur Barrierefreiheit. Über [F5] holen Sie hier ein Menü auf den Schirm, das einige Auswahlmöglichkeiten zur Barrierefreiheit anbietet (Abbildung 1), etwa den Einsatz einer Bildschirmlupe. Ein Bug sorgt allerdings dafür, dass anstelle der Lupe der Screenreader startet, der die gezeigten Texte vorliest.

Abbildung 1: Zwar lassen sich im Bootmenü Optionen zur Barrierefreiheit auswählen, die scheinen aber keine Auswirkung auf die Installation zu haben.

Um diesem Bug zu entgehen, wählen Sie anfangs nicht Ubuntu installieren, sondern Ubuntu ohne Installation ausprobieren aus dem Bootmenü. Ist das Betriebssystem erst vollständig geladen, tippen Sie einmal kurz auf [Super] (bei PC- Tastaturen auch Windows-Taste genannt) und geben barr in das Suchfeld ein. Da Ubuntu 12.04 den Fokus automatisch auf das Suchfeld setzt, können Sie direkt lostippen. Unmittelbar unter dem Suchdialog erscheint nun ein blaues Icon mit der Darstellung eines Menschen: Klicken Sie auf die Zugangshilfen, taucht der Dialog mit den Optionen zur Barrierefreiheit auf.

Der erste, automatisch ausgewählte, Reiter bietet Optionen zum Sehen an, dazu gehört die Vergrößerung. Ändern Sie die Einstellung für die Textgröße (was im Dialogfeld zur Auswahl steht), stellt Ubuntu 12.04 alle Texte entsprechend größer oder kleiner dar. Nach dem Schließen des Fensters starten Sie die eigentliche Installation über einen Doppelklick auf die Desktop-Verknüpfung Ubuntu 12.04 LTS installieren. Sämtliche Installationsdialoge unterwerfen sich nun der gewählten Optionen und sollten somit auch für Sehbehinderte lesbar sein.

Für blinde Anwender besteht der offizielle Weg darin, Ubuntu von der CD (nicht von der DVD!) zu booten und zu warten, bis der Log-in-Sound – der mit den Trommeln – ertönt. Über ein zweifaches Drücken von [Strg]+[S] starten Sie dann den Bildschirmvorleser Orca, der die Installer-Optionen vorliest.

Barrierefrei auf dem Desktop

Die Optionen zur Barrierefreiheit helfen auch nach der Installation weiter. Im Dialog Zugangshilfen versammelt Ubuntu 12.04 LTS die meisten Stellschrauben rund um die Barrierefreiheit. Wir konzentrieren uns im Artikel auf die Lupenfunktion.

Gab es im Bereich der Vergrößerung bei vielen älteren Versionen von Ubuntu noch arge Probleme, macht Ubuntu 12.04 hier eine sehr gute Figur – gerade auch beim Darstellen von verschachtelten Kontextmenüs. Es stellt die Inhalte vollständig und sehr gut lesbar dar.

Bei früheren Versionen vergrößerte Ubuntu einfach den dargestellten Bildschirmausschnitt, wodurch die Darstellung sehr pixelig und unscharf geriet, was sehbehinderten Menschen den Umgang mit dem Rechner häufig eher erschwerte. Seit der letzten Version geht Ubuntu einen gänzlich anderen Weg: Das Betriebssystem vergrößert nicht einfach alle Elemente auf dem Bildschirm, sondern nur diejenigen, bei denen es nötig ist – also vor allem die Texte. Die Dialogfenster und -elemente skaliert Ubuntu nur noch in Ausnahmefällen. Das sorgt für gestochen scharfe Buchstaben und eine bessere Lesbarkeit.

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