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© Ruslan Olinchuk, 123rf.com

Das Ende der Klone

Schwerpunkt: Spiele

Den Satz "Wir können alles – außer Spiele" würden wohl mancher Linux-Fans unterschreiben, wenn er wieder einmal seinen Windows-Rechner einschalten muss, um zu zocken. Unser Schwerpunkt erklärt, warum sich das bald ändern könnte.

Wenn es etwas gibt, was Linux nicht ist, dann eine Spielplattform: Gängige Windows-Spiele lassen sich oft gar nicht oder nur mit Hilfe von Wine zum Laufen bringen. Das stellt Einsteiger bereits vor Probleme und schadet nicht selten der Performance der Spiele.

Zudem ist die Auswahl an qualitativ hochwertigen Spielen begrenzt: Betrachtet man die Liste der bekannten Linux-Spiele in der Wikipedia [1], zählt man gerade einmal 182 Exemplare – darunter auch solche, die bereits seit den 90er Jahren existieren (etwa Heretic). Für die anderen Plattformen erscheint – jährlich – mindestens die zehnfache Anzahl an Spielen, wobei die wenigsten davon unter Linux laufen.

Und noch eine andere Sache fällt auf. Titel wie Hedgewars, Teeworlds und Warmux (die alle auf der oben genannten Liste stehen), haben eine Sache gemeinsam: Sie sind allesamt Klone des Windows-Klassikers Worms. In diesem jagen sich wurmähnliche Geschöpfe mit Comic-Waffen gegenseitig in die Luft. Und die Worms-Klone sind nicht allein: Egal ob Lincity-NG, FreeCiv, FreeCol, Widelands, UFO: Alien Invasion, SuperTux, Tux Racer – unter Linux warten Klone, wohin man auch schaut. Aber originelle, neue Ideen? Fehlanzeige.

Viele native Linux-Spiele sind Kopien bekannter Konsolen- oder Windows-Spiele. Es handelt sich keinesfalls um schlechte Kopien – im Gegenteil: Einige Klone übertreffen die Originale sogar. Fans rüsten sie mit Features aus, die ihnen im Original stets gefehlt haben. Doch das Umsetzen innovativer Spielideen mit freier Software bleibt eine Ausnahme. Das ist auch auf der erwähnten Wikipedia-Liste so, auf der die originellen Spiele meist als kommerziell erfolgreiche Indie-Spiele starteten.

Spielehelden

Zu diesen originellen Spielen gehören zum Beispiel Titel wie Braid, Cogs, Hammerfight, Super Meat Boy, Aquaria und Shank. Auch diese haben eine Sache gemeinsam: Sie alle wurden von Ryan C. Gordon [2] (auch bekannt als icculus) portiert. Fast im Alleingang hat Gordon im Laufe der Jahre diverse Windows- und Konsolenspiele auf die Linux-Plattform gebracht. Das geschah zum Teil in seiner Freizeit, zum Teil im Auftrag von Spieleherstellern. Ohne ihn wäre die ohnehin schmale Auswahl an Linux-Spielen heute noch wesentlich eingeschränkter. Gordon hat also einen wichtigen Anteil daran, dass Linux heute über eine kleine Spielergemeinschaft verfügt.

Es gibt andere wichtige Linuxer im Spielebereich, etwa Sam Lantinga [3]. Der Erfinder von SDL (Simple DirectMedia Layer), einer der wichtigsten Multimediabibliotheken unter Linux, arbeitete zunächst – zusammen mit Ryan C. Gordon – bei Loki. Die Firma erwarb sich in den 90er Jahren einigen Ruhm, weil sie Windows-Spiele wie Sim City, Unreal Tournament und Railroad Tycoon II nach Linux portierte. 2001, als sich das Ende von Loki bereits abzeichnete, wechselte er zur bekannten Spieleschmiede Blizzard (World of Warcraft, Diablo). Inzwischen arbeitet er bei Valve, wo er zur Zeit beim Portieren von Steam und Left 4 Dead 2 auf Linux hilft.

Ubuntu als Spielplattform

Hier schließt sich der Kreis nun – fast. Denn auch Ubuntu spielte eine nicht zu unterschätzende Rolle beim Umbau von Linux zur Spieleplattform. Es wird von den neuen Entwicklungen, die wir im aktuellen Schwerpunkt beschreiben, nicht nur profitieren, sondern hat auch maßgeblich dazu beigetragen. Als zeitgemäße Plattform ohne Scheu vor Kommerz wird es auch für die großen Spielehersteller interessant. Die Zeit der Linux-Klone geht hingegen vermutlich zu Ende, wenn die Originalspiele auch auf der Linux-Plattform laufen.

Inhalt

Ubuntu als Spieleplattform S. 30
Game Engines für Linux S.36
Spieleplattformen S. 38
Spiele im Software-Center S. 40
Goodfolks S. 44

Infos

  1. Zahlreiche Linux-Spiele im Überblick: http://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Linux-Spiel
  2. Spieleaktivist Ryan C. Gordon: http://de.wikipedia.org/wiki/Ryan_C._Gordon
  3. Sam Lantinga: http://de.wikipedia.org/wiki/Sam_Lantinga
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