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Ist Upstream zu schwach?

Mark Shuttleworth über Macht und Einfluss in der FLOSS-Community

07.06.2011

Wer auf dem Markt ein auf freier Software basierendes Gegengewicht zu Apple und Android will, muss die Macht der Upstream-Projekte gegenüber den Distributionen fördern, schreibt Mark Shuttleworth in seinem Blog.

In einem ziemlich langen Beitrag philosophiert Mark Shuttleworth in seinem Blog über die Verteilung der Kräfte in der FLOSS-Community (Free/Libre Open Source Software). Ausgehend von den Federalist Papers und den Schriften James Madisons fordert Ubuntus Hauptsponsor mehr Macht für Upstream und weniger für die Distributionen. Upstream heißen dabei pauschal die vielen Projekte, die Teil der Distributionen sind, etwa Gimp, Firefox usw.

Das klingt zunächst paradox, profitiert Ubuntu doch von der Schwäche der Upstream-Projekte. Wer Geschäfte mit Open-Source-Software machen will, geht heute zu den Distributoren. An diesen partizipieren die Upstream-Projekte meist nicht. Das liege laut Mark einerseits am mangelnden Willen oder an der bewussten Entscheidung der Projekte, ohne kommerzielles Interessen zu handeln.Andererseits fehle es selbst den freien Projekten, die es auf Erfolg anlegen, am Qualitätsmanagement, PR, Dokumentation und Tests. Es fehle eine treibende Kraft hinter diesen Projekten, damit diese die letzte Meile hin zur Benutzerfreundlichkeit gehen.

Denn, so Mark weiter, die Überzeugung in der FLOSS-Community sei seit langem: Wenn wir eine faire Chance hätten, würden wir erfolgreich ein Linux-basiertes Ökosystem schaffen. Das sei eine falsche Annahme, Apple und Android seien Gegenbeispiele. Sie hätten sich trotz eines ungünstigen, Microsoft-dominierten Marktes Anteile erobert. Die Community (oder der Teil, der eine konkurrierendes Ökosystem mit freier Software aufbauen will), so Mark weiter, müsse vielmehr die Kommerzialisierung von freier Software unterstützen und Firmen und Upstream-Projekte unterstützen, die dieses Ziel verfolgen - auch, wenn es nicht unbedingt die eigenen Ziele sind. Konkret spricht er hier von Oracle, Red Hat, Intel und Novell.

Aktuell bekämpfe die FLOSS-Community Macht aber eher. Damit unterstütze sie aber laut Mark ungewollt ihre Gegner, die proprietären Projekte und - im Falle von Upstream - die Distributionen. Würden die Upstream-Projekte sich selbst besser vermarkten, wären sie nicht nur innovativer sondern hätten selbst bessere Chancen und einen Zuwachs an Einfluss - auch und vor allem gegenüber proprietären Produkten. Als Beispiele für gelungene Open-Source-Projekte mit Einfluss in der IT-Landschaft nennt er Firefox, Qt und MySQL. Sie würden Innovation schaffen und erfolgreich mit kommerziellen Projekten konkurrieren. Was Projekte tun können, um diesen Weg einzuschlagen, ist die abschließende Frage, die Mark seinen Lesern stellt. Aus den Antworten will er dann einen weiteren Blogeintrag machen.

( Kristian Kißling)