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Desktop im Härtetest

So reagieren Einsteiger auf Ubuntus Unity

15.11.2010

Das Usability-Team von Canonical hat unbefangene Nutzer beim Umgang mit Ubuntus neuem Standarddesktop Unity beobachtet. Offenbar gibt es noch einiges zu tun.

Einen wirklichen interessanten Bericht gibt es in Ubuntus Design-Blog zu lesen. Leider ist der auf Englisch, aber wir fassen hier ein paar der Erkenntnisse zusammen. Worum gehts? Im Vorfeld zum Ubuntu-Entwicklertreffen (UDS-N) hat das Usability Team 13 Windows- und einen Mac-User sowie einen Anwender, der beide Systeme benutzt vor ein Netbook mit Ubuntus Unity-Desktop gesetzt.

Die Probanden sollten damit verschiedene allgemeine Aufgaben erledigen, etwa Songs und Fotos importieren, sich in sozialen Netzwerken herumtreiben usw. Zudem sollten sie Dinge erledigen, die sie in ihrer speziellen Situation benötigen. Designer sollen also Grafiksoftware verwenden, Musiker bestimmte Musikanwendungen etc.

Zunächst zu den positiven Aspekten: Die Probanden empfanden den Desktop als intuitiv und klar und den Umfang von Software im Software-Center als beeindruckend. Interessanter für die Entwickler dürften aber die Punkte sein, die den Anwendern Probleme bereiteten (einige von ihnen nennt auch der Unity-Artikel im aktuellen Ubuntu User).

Als problematisch wurden die Geschwindigkeit und die Antwortzeiten der Anwendungen beurteilt. Wenn Unity hängt, teilt es den Nutzern auch nicht mit, dass es etwas tut, was Verwirrung auslöst und den Arbeitsfluss beeinträchtigt. Zudem gibt es kein Feedback, ob ein Klick "erfolgreich" war bzw. ob und wann Ubuntu ein bestimmtes Dokument speichert. Auch die Suchfunktion gibt kein Feedback darüber, ob sie noch sucht oder schon findet.

Ein zweiter Punkt waren die zum Erledigen einer Aufgabe notwendigen Werkzeuge. Die Nutzer erwarten, dass Unity die genutzten, aber auch die gesuchten Werkzeuge in irgendeiner Form präsent und sichtbar macht. In anderen Worten: Die Anwender mussten viel suchen, um die Anwendung zu finden, die sie benötigen. Um zum Beispiel ein gerade geöffnetes Dokument wiederzufinden, klickten die Teilnehmer nicht - wie gedacht - auf das OpenOffice-Icon, sondern suchten im Dateimanager danach.

Des Weiteren beklagten die User, dass minimierte Fenster offenbar "verschwinden". Die Liste der gerade genutzten Dokumente erwies sich als nicht zugänglich, ein weiteres Problem bestand darin, Dokumente voneinander zu unterscheiden. Zudem wollen die Benutzer die Dokumente zunächst öffnen und die zugehörigen Fenster anordnen.

Es gibt noch eine Reihe weiterer Punkte. Interessant ist tatsächlich, dass viele Dinge, die dem regulären Ubuntu-Nutzer keine Probleme bereiten bei Einsteigern offenbar Verwirrung stiften. Häufig lassen sich Probleme auch auf die Gewohnheiten im Umgang mit Windows zurückführen. Die Untersuchung bestätigt aber auch, dass der Unity-Desktop noch einiges an Arbeit benötigt, um reif für den massenhaften Einsatz in Ubuntu 11.04 zu werden. Man darf gespannt sein, wie die Entwickler das Feedback aufnehmen und umsetzen.

[Diese News entstammt der Zeitschrift Ubuntu User]

( Kristian Kißling)