Schuppentier mit Langzeitsupport
Ubuntu 12.04 veröffentlicht
Mit Ubuntu 12.04 wurde wieder eine Version des Debian-Derivats mit langer Supportdauer (Long Term Support / LTS) veröffentlicht.
Wie geplant wurde heute Version 12.04 "Precise Pangolin" der Ubuntu-Linux-Distribution veröffentlicht. Dabei handelt es sich um ein so genanntes LTS-Release (Long Term Support), für das im Gegensatz zu den letzten Versionen fünf Jahre lang Updates bereitgestellt werden. Als Kernel liefert Ubuntu 12.04 die Linux-Version 3.2.0-23.36 aus, der auf dem Upstream-Kernel 3.2.14 basiert.
Zunächst zu den offensichtlichen Änderungen an Unity. Drücken man kurz [Alt], erscheint neuerdings das HUD (Head-up-Display) in Form einer Eingabezeile. Die kennt im Idealfall sämtliche Menüeinträge eines Programms und lässt den Anwender diese gezielt ansteuern, sobald er die ersten Buchstaben eintippt. Noch funktioniert das HUD nur mit einigen Programmen, darunter Gimp und Firefox.
Im Dash landet man gleich in einer Übersicht mit den zuletzt geöffneten Anwendungen und Dateien sowie der als letztes heruntergeladenen Software. Drückt man doppelt auf [Pfeil-runter], wandert der Fokus auf das Starticon. Wer hingegen länger auf [Windows] bzw. [Super] drückt, holt eine Liste mit den wichtigsten Tastaturkürzeln für Unity auf den Schirm. Diese verrät unter anderem, dass man die Filter (engl. lenses) nun über [Strg]+[Tab] ansteuert. Ein neuer Filter kümmert sich um die lokalen Videodateien, aber auch Online-Videoquellen wie YouTube und die 3Sat-Mediathek anzapft.
Bei den Standardprogrammen gibt es einmal mehr Veränderungen: Rhythmbox hat sich seinen Platz zurückerobert und löst damit nicht nur den Audioplayer Banshee ab, sondern bringt zugleich den Ubuntu One Music Store mit. Firefox und Thunderbird liegen in Version 11 vor und scheinen -- nach anfänglichen Problemen -- seit der Beta 2 stabil zu funktionieren. Das globale Menü von Thunderbird verschwindet auf kleinen Displays allerdings noch immer hinter den Indikatoren.
Geht auf einem Ubuntu-Rechner etwas schief, meldet sich gewöhnlich Apport und will Informationen über den Bug an die Entwickler schicken. Praktischerweise checkt das Tool jetzt selbstständig, ob der Fehler bereits bekannt ist und weist den Benutzer in so einem Fall darauf hin. Eine weitere Änderung kommt von Debian und betrifft die Rechteverwaltung: Administratoren gehören nun in die Gruppe sudo und nicht mehr wie bisher zur Gruppe admin. Aus Kompatibilitätsgründen behalten aber existierende Admins der Gruppe admin ihre Superkräfte.
Auch im Bereich der Namensauflösung (DNS) warten Veränderungen. Mit dnsmasq löst nun ein neues Werkzeug die Namen von IP-Adressen auf. Der NetworkManager verwaltet das Tool über die Localhost-Schnittstelle (127.0.0.1); es soll IP-Adressen schneller auflösen und kommt besser mit Split-DNS-Szenarios von VPN-Nutzern zurecht. Auch eine zweite Änderung ist dem NetworkManager geschuldet: Die Datei /etc/resolv.conf lässt sich nicht mehr manuell ändern -- die Einträge im NetworkManager überschreiben solche Eingriffe. Stattdessen gehören DNS-Einträge für statische IP-Adressen (dns-nameservers, dns-search und dns-domain) in die passende interface-Datei unter /etc/network/interfaces. Wollen Sie die resolvconf mit eigenen Werten überschreiben, gehören diese in das Verzeichnis /etc/resolvconf/resolv.conf.d/.
Beim Startvorgang hält Ubuntu nicht nur weiterhin an Upstart fest, sondern setzt auf die neue Version 1.4. Die führt setuid und setgid ein, um Jobs als bestimmter User zu starten. Sie finden zudem für jeden Job Log-Dateien unter /var/log/upstart/{JOB}.log. Nicht zuletzt wurde die Brücke zwischen Upstart und Udev ausgebaut, um Probleme mit defekten und unbekannten Geräten zu verhindern, die beim Anschließen Datenmüll übermitteln.
An Virtualisierungstechnologien enthält Ubuntu 12.04 den Xen-Hypervisor, die Linux-Containertechnologie und Version 1.0 des Linux-Hypervisors KVM, die auch nested Virtualization unterstützt, also das Betreiben von virtuellen Maschinen innerhalb anderer VMs. Für potenzielle Cloud-Anwender ist von Interesse, dass Ubuntu 12.04 das Cloud-Computing-Framework Open Stack "Essex" enthält.
Neben den üblichen Linux-Dateisystemen bringt Ubuntu 12.04 auch das verteilte Netzwerkdateisystem Ceph mit. Das CIFS-Dateisystem für Samba-Server wurde mit einem Cache beschleunigt. Für Programmierer hält das neue Release neben den Standards Perl, Python, Ruby, C/C++ die Programmiersprachen Groovy 1.8.6, Scala 2.9.1, Clojure 1.1.0 und das OpenJDK 7 bereit. Außer für die gewohnten Intel- und AMD-Prozessoren gibt es Ubuntu 12.04 auch für ARM-Plattformen.
Die Release Notes sind auf der Seite https://wiki.ubuntu.com/PrecisePangolin/ReleaseNotes verlinkt, DVD- und CD-Images zur Installation und als Live-Medien gibt es hier. Ein Überblick über die Features der Server-Version, die auch dem in zwei Wochen erscheinenden ADMIN 03/2012 beiliegt, ist unter https://wiki.ubuntu.com/PrecisePangolin/ReleaseNotes/UbuntuServer zu finden.
(In Zusammenarbeit mit ADMIN-Magazin)
